Nahost-Konflikt: Netanjahu trifft Papandreou
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Nahost-KonfliktNetanjahu trifft Papandreou

Als erster israelischer Ministerpräsident hat Benjamin Netanjahu Griechenland besucht. In Gesprächen mit dem griechischen Regierungschef Giorgos Papandreou ging es am Montag vor allem um die Lage im Nahen Osten, aber auch um eine engere bilaterale Kooperation.

Benjamin Netanyahu und George Papandreou ganz freundschaftlich.

Benjamin Netanyahu und George Papandreou ganz freundschaftlich.

Netanjahu hob hervor, dass Israelis und Griechen als älteste Völker und Kulturen der Region eng zusammenarbeiten wollen. «Dieser Besuch wird uns näher bringen», sagte er.

«Ich hoffe, dass wir direkte Gespräche mit den Palästinensern aufnehmen können», sagte Netanjahu nach dem Treffen mit Papandreou. «Grundsätzliches Thema der nächsten Tage ist, dass wir bereit sind, Gespräche für den Frieden ohne Agenda zu starten.»

«Haben Sie nur etwas Geduld», sagte Netanjahu weiter. Wo die Gespräche stattfinden, sei nicht so wichtig. «Wir können nach Washington oder nach Kairo gehen.»

Papandreou rief Israel und die Palästinenser auf, direkte Friedensverhandlungen aufzunehmen. Griechenland sei bereit, in dieser Richtung zu helfen. Derzeit führen Israel und die Palästinenser nur indirekte Gespräche unter US-Vermittlung.

Zur künftigen Kooperation sagte Papandreou: «Ich bin mir sicher, dass wir unsere Beziehungen in den Bereichen Energie, Technologie und Sicherheit ausbauen können.» Aus diesem Grund wollen beide Staaten gemeinsame Arbeitsgruppen bilden. Israelische Unternehmer wollen zwecks neuer Investitionen bald nach Griechenland reisen.

Unterschiedliche Bewertung des Besuchs

Israelische Medien werteten den zweitägigen Besuch Netanjahus als Zeichen der Annäherung, insbesondere vor dem Hintergrund des jüngsten Streits zwischen Israel und der Türkei.

Griechenland sieht sich allerdings eher als Vermittler zwischen Israel und den arabischen Staaten sowie den Palästinensern, mit denen Athen traditionell gute Beziehungen unterhält. Auf keinen Fall will Athen so erscheinen, als reihe es sich mit Israel in eine Front gegen die Türkei ein, hiess es aus Kreisen des Aussenministeriums in Athen.

Papandreou, der Israel im vergangenen Monat besucht hatte, informierte den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und den Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, am Vorabend telefonisch über den Besuch Netanjahus.

Linke griechische Organisationen riefen zu Protesten gegen Netanjahu auf. An der Mauer der Akropolis brachten Unbekannte eine palästinensische Flagge an. Am Abend versammelten sich im Zentrum Athens rund 400 Demonstranten und skandierten anti-israelische Parolen.

Militärübung auf Wunsch Athens abgebrochen

Die Beziehungen Israels zu Griechenland haben sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich verbessert. Die israelische Luftwaffe hatte 2008 und erneut dieses Jahr in Griechenland Manöver abgehalten.

Die Militärübung im Mai dieses Jahres wurde jedoch auf Wunsch Athens abgebrochen - unmittelbar nach dem israelischen Militäreinsatz gegen ein türkisches Schiff mit Hilfsgütern für die Menschen im Gazastreifen.

Bei dem Militäreinsatz waren Ende Mai neun Aktivisten auf dem türkischen Schiff «Mavi Marmara» getötet worden. Der Einsatz löste international Bestürzung aus.

(sda)

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