Mord an Malcolm X – Netflix-Doku führt zu Freispruch von zwei Verurteilten nach 55 Jahren
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Mord an Malcolm XNetflix-Doku führt zu Freispruch von zwei Verurteilten nach 55 Jahren

Eine 2020 ausgestrahlte Netflix-Doku über den Mord an Malcom X gab den Anstoss, den Fall neu aufzurollen. Die zwei Verurteilten beteuerten stets ihre Unschuld. Einer starb noch vor seinem Freispruch am Mittwoch.

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Der amerikanische Bürgerrechtsaktivist Malcom X wurde 1965 ermordet.

Der amerikanische Bürgerrechtsaktivist Malcom X wurde 1965 ermordet.

imago images/ZUMA Wire
Er galt als eines der Aushängeschilder des afroamerikanischen Widerstandes gegen gesellschaftliche Unterdrückung.

Er galt als eines der Aushängeschilder des afroamerikanischen Widerstandes gegen gesellschaftliche Unterdrückung.

imago images/Underwood Archives
Rund um seine Ermordung rankten sich in den Jahrzehnten danach mehrere Gerüchte.

Rund um seine Ermordung rankten sich in den Jahrzehnten danach mehrere Gerüchte.

Anadolu Agency via AFP

Darum gehts

  • Vor über 55 Jahren wurde der Bürgerrechtler Malcolm X erschossen.

  • Zwei verurteilte Männer wurden nun entlastet.

  • Behörden hätten damals Beweise zurückgehalten.

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Attentat auf den US-Bürgerrechtler Malcolm X sind zwei dafür verurteilte Männer entlastet worden. Dies berichtete die Zeitung «New York Times» am Mittwoch. Das Büro des Bezirksstaatsanwalts von Manhattan sei zum Schluss gekommen, dass Behörden damals Beweise im Mordfall Malcolm X zurückgehalten hätten.

Öffentlich räumte die Bezirksstaatsanwaltschaft ein, dass die erstmals Anfang 2020 von Netflix ausgestrahlte Dokumentation «Who Killed Malcolm X?» («Wer tötete Malcolm X?») den Anstoss zu Erwägungen gegeben hatte, den Fall neu aufzurollen. Die Sendung spürt der Theorie von Forscherinnen und Forschern nach, wonach die damals Verurteilten unschuldig und die wahren Attentäter entkommen seien.

Zwei Jahre lange Ermittlungen

«Diese Männer bekamen nicht die Gerechtigkeit, die sie verdienten», sagte Bezirksstaatsanwalt Cyrus Vance Jr. dem Blatt. Vorausgegangen waren fast zwei Jahre lange Ermittlungen durch dessen Büro und die Anwälte von Muhammad Aziz und des mittlerweile verstorbenen Khalil Islam, die Jahrzehnte für das Verbrechen am legendären Bürgerrechtler im Gefängnis gesessen hatten.

Malcolm X wurde erschossen, als er am 21. Februar 1965 im Ballsaal Audubon Ballroom im New Yorker Viertel Harlem eine Rede hielt. Die beiden verurteilten Männer waren damals als Norman 3X Butler und Thomas 15X Johnson bekannt. Der inzwischen 83 Jahre alte Aziz kam 1985 frei. Islam wurde zwei Jahre später entlassen und starb 2009.

Verdächtige beteuerten Unschuld

Dieselbe Strafe erhielt ein dritter Hauptverdächtiger in dem Fall, Mujahid Abdul Halim, zum Zeitpunkt des Attentats auf Malcolm X als Talmadge Hayer bekannt und später als Thomas Hagan. Dieser räumte ein, einer der drei Schützen zu sein, sagte aber aus, dass weder Aziz noch Islam damit etwas zu tun gehabt hätten. Die beiden beteuerten ebenfalls stets ihre Unschuld. Hagan identifizierte zwar zwei andere Männer im Mordfall Malcolm X als Schützen, doch wurde bisher niemand festgenommen. 2010 kam Hagan auf Bewährung frei.

Nach dem Bericht der «New York Times» kam bei den neuen Ermittlungen heraus, dass die Bundespolizei FBI im Besitz von Dokumenten gewesen sei, die auf andere Verdächtige hindeuteten. Ein noch lebender Zeuge stützte zudem das Alibi, mit dem Aziz seit seinem Prozess argumentiert hatte – nämlich dass er zum Zeitpunkt der tödlichen Schüsse auf Malcolm X mit einer Beinverletzung zu Hause gelegen habe.

Verdeckte Ermittler im Ballsaal

Die neuen Untersuchungen brachten ausserdem ans Licht, dass es den Staatsanwälten bekannt war, dass verdeckte Ermittler im Ballsaal waren, als das Attentat auf den Bürgerrechtler verübt wurde. Doch habe die Justiz dies nie offengelegt. Die Polizei habe zudem gewusst, dass jemand an jenem Tag bei der Zeitung «Daily News» angerufen und den Tipp gegeben habe, dass Malcolm X ermordet werden sollte. «Das war nicht nur ein Versehen», sagte Deborah Francois, die Anwältin von Aziz und Islam, der «New York Times». «Das war das Produkt von einem extremen und krassen offiziellen Fehlverhalten.»

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Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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(DPA/roa)

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