Touristen vertreiben Einheimische - Netflix-Hit «Lupin» treibt französisches Dorf in den Ruin
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Touristen vertreiben EinheimischeNetflix-Hit «Lupin» treibt französisches Dorf in den Ruin

Dem kleinen Küstendorf Étretat droht der Kollaps. Seit die beliebte Netflix-Serie «Lupin» erschienen ist, wird das französische Städtchen von Touristen und Touristinnen überrannt.

von
Lara Hofer

Darum gehts

  • Mitte Juni hat Netflix die zweite Staffel der Erfolgsserie «Lupin» mit Omar Sy (43) in der Hauptrolle veröffentlicht.

  • Sie spielt unter anderem in dem französischen Küstendorf Étretat.

  • Dort lebte der Meisterdieb Arsène Lupin laut dem Originalroman.

  • Seit dem Serien-Start wird das französische Dörfchen nun allerdings mit Touristinnen und Touristen überschwemmt.

  • Die Einheimischen protestieren – andere treibt das Chaos ganz in die Flucht.

Nur knapp 1200 Personen wohnen im französischen Küstendörfchen Étretat. Es ist bekannt für seine idyllische, heimelige Atmosphäre. Zufälligerweise spielt im Dorf auch der Roman über den Meisterdieb Arsène Lupin. Und genau auf diese Geschichte wurde der Streaming-Riese Netflix aufmerksam. Im Januar erschien schliesslich die Serie «Lupin», welche weltweit abgefeiert wurde. Bereits im Juni folgte die zweite Staffel. Das freute die Fans – nicht aber die Bewohnerinnen und Bewohner von Étretat: Seit Serien-Start wird das Küstendorf täglich von tausenden Besucherinnen und Besuchern überrennt, die in die Welt von Lupin eintauchen wollen.

«Ich habe Lupin auf Netflix gesehen und musste einfach herkommen», sagt etwa eine junge Französin gegenüber SRF. Ein anderer Fan meint: «Ich habe vorher schon von den Büchern gehört, doch Lupin habe ich erst durch die Serie entdeckt.» Den anderen Touristinnen und Touristen geht es ähnlich: Sie wollen die Drehorte in echt sehen. Pro einheimische Person besuchen im Jahr mehr als 1000 Touristinnen und Touristen das Dorf. Für die kleine Ortschaft ist das zu viel – ihr droht nun der Kollaps.

Bürgermeister will Dorf «dicht machen»

«Auf allen Hauptstrassen herrscht Stau, die Parkplätze sind überfüllt und die Autos werden einfach irgendwo abgestellt», sagt Bürgermeister André Baillard zu SRF. Touristinnen und Touristen habe es zwar schon immer viele gegeben, doch der Netflix-Hit brachte das Fass zum Überlaufen. Besondere die Einheimischen fühlten sich eingeengt. Einige protestierten mit Plakaten und Schildern gegen den Massentourismus, andere ergriffen die Flucht: «Früher waren die Schulen hier überfüllt, heute hat es kaum noch Kinder. Die einheimischen Familien zieht es fort», so eine Einwohnerin.

Die Abwanderung ist auch dem Bürgermeister aufgefallen. Er muss handeln: «Wir möchten das Dorf dicht machen», sagt Baillard. Künftig soll Étretat nur noch für einheimische Autos zugänglich sein. Zudem sollen mehr Parkplätze ausserhalb des Dorfes errichtet werden. Ob die einst so idyllische Küstenstadt so beruhigt werden kann, ist noch dahingestellt – schliesslich wird das Dörfchen mit jeder neuen Netflix-Folge attraktiver.

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Überfüllte Parkplätze und Stau zeichnen das Bild des französischen Dörfchens Étretat.

Überfüllte Parkplätze und Stau zeichnen das Bild des französischen Dörfchens Étretat.

SRF
Die einst so idyllische Küstenortschaft…

Die einst so idyllische Küstenortschaft…

SRF
…wird täglich von tausenden Touristinnen und Touristen überrannt. Volle Strassen, ausgebuchte Hotels und überfüllte Restaurants gehören zur Tagesordnung. 

…wird täglich von tausenden Touristinnen und Touristen überrannt. Volle Strassen, ausgebuchte Hotels und überfüllte Restaurants gehören zur Tagesordnung.

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