Aktualisiert 18.12.2014 07:59

«Marco Polo»

Netflix-Serie erhält vernichtende Kritiken

Mit Kult-Formaten wie «House of Cards» oder «Orange is the New Black» machte sich der Streaming-Dienst einen Namen. Doch die neue Serie «Marco Polo» kommt weniger gut an.

von
Catharina Steiner

Vor wenigen Jahren steckte Netflix tief in der Krise. Das Kerngeschäft – Kunden DVDs leihweise nach Hause zu schicken – geriet aufgrund der Digitalisierung ins Stocken und auch von anderen Streaming-Diensten wusste sich die US-Firma nicht abzuheben. Bis sie auf das Rezept für Gold stiess: Anstatt wie TV-Sender Serien häppchenweise (sprich wöchentlich) anzubieten, etablierte Netflix das Konzept des Binge Watching. Alle Folgen einer Serien-Staffel, vom Anbieter selbst produziert, sind sofort verfüg- und damit konsumierbar.

Die beiden bislang produzierten originalen Netflix-Formate sind seither Kult. Kevin Spacey heimst als ruchloser Politiker Francis Underwood in «House of Cards» Preis um Preis ein, und das taffe Gefängnisdrama «Orange is the New Black» lenkte den Scheinwerfer auf den bislang wenig erforschten Mikrokosmos Frauenknast und erregte damit grosse Aufmerksamkeit. Nun muss der Anbieter nachlegen und versucht es mit dem Historiendrama «Marco Polo», der an den HBO-Kassenschlager «Game of Thrones» erinnert. Doch anders als bei «House of Cards» und «Orange is the New Black» kommt die neue Serie rund um den venezianischen Handelsreisenden bei dem Gros der Kritiker nicht gut weg.

«Uninspirierte Dialoge»

Zwar sehe das Spektakel ansprechend aus, da sind sich viele US-Kritiker einig, aber die Geschichte sei höchstens durchschnitt. Zu offensichtlich sei, dass der Dienst mit allen Mitteln versuche, auf Mainstream zu machen, um auch bei der breiten Masse an TV-Konsumenten zu punkten. Schliesslich muss Netflix nach der Expansion ins Ausland kräftig wachsen, um kostendeckend zu operieren. Das scheint zu Lasten der Kreativität zu gehen. «Die Serie leidet unter einem tiefen Mangel an Spannung und Relevanz, mit Handlungssträngen, die steif und vorhersehbar sind», schreibt etwa die «Washington Post».

Auch die «New York Times» findet keine netten Worte für das Drama und schreibt von «uninspirierten Dialogen und kryptischem Unsinn». Ein Schlag ins Gesicht für die erfolgsverwöhnten Netflix-Bosse. Auf metacritics.com, einem Portal, das Rezensionen sammelt und analysiert, schafft «Marco Polo» bloss einen Wert von 47. Von 18 Kritiken sind bloss drei positiv, der Rest ist im Urteil entweder negativ oder gemischt. Zum Vergleich: «House of Cards» kommt auf den Wert 80, «Orange is the New Black» gar auf 89. Und das, obwohl die zehn Folgen von «Marco Polo» mit insgesamt 90 Millionen Dollar zu Buche geschlagen haben. Autsch.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Kritikerportal Rottentomatoes.com. Dort erfährt das Historiendrama eine Zustimmung von gerade Mal 19 Prozent. Immerhin, und das ist das Wichtigste: «Marco Polo» scheint beim Publikum besser anzukommen als bei den Kritikern. 81 Prozent der abstimmenden User auf Rottentomatoes.com gaben an, dass ihnen die Serie gefällt. Und auch auf Twitter finden sich unter der Kritik auch viele positive Stimmen.

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