«Dämonen 2»: Netflix zeigt verbotenen Horrorfilm
Publiziert

«Dämonen 2»Netflix zeigt verbotenen Horrorfilm

Für die einen Kunst, für andere Schund: Horrorfilme wie «Dämonen 2» standen jahrelang auf dem Index. Jetzt zeigt Netflix den umstrittenen Film.

von
Catharina Steiner
Achtung, Lebensgefahr!

In «Dämonen 2» erleben Kinobesucher eine blutige Überraschung. Deshalb wurde der Film in Deutschland beschlagnahmt.

Titanus Filmverleih

Darum gehts

  • Viele Horror-Klassiker standen etliche Jahre auf dem Index.

  • Netflix zeigt jetzt die ehemals verbotenen Filme «Dämonen» und «Dämonen 2».

  • Auch Streifen wie «Chucky – die Mörderpuppe» durften lange nicht unzensiert vorgeführt werden.

  • Jetzt kommen immer mehr unzensierte Fassungen auf den Markt.

Seit einigen Wochen überschwemmt Netflix seine Plattform mit älteren europäischen Filmen. Vermutlich weniger der Kunst zuliebe als der Quote: In Europa sind Streamer dazu verpflichtet, 30 Prozent europäische Produktionen auf ihren Plattformen anzubieten. Seit letzter Woche sind nun zahlreiche Streifen aus Italien verfügbar. Darunter auch zwei Horrorfilme, die lange auf dem Index standen: «Dämonen» und «Dämonen 2», wobei letzterer eigentlich Teil eins der Reihe ist. Auf Netflix wird «Dämonen 2» deshalb als «Demoni» betitelt. Aber erstmal mehr zum Film:

«Dämonen 2», 1985

Die Story des Films ist ebenso einfach wie effektiv: Zwei Freundinnen bekommen Tickets für eine Vorführung in einem Berliner Gothic-Kino. Die Vorführung wird jedoch jäh durch einen wahr gewordenen Albtraum unterbrochen, als sich plötzlich alle im Publikum in Monster verwandeln, die Blut sehen wollen. Das Ergebnis: Ein irrer Psycho-Trip mit ultrabrutalen Splatter-Einlagen.

«Dämonen 2», hinter dem der als Produzent zur Horror-Legende gewordene Dario Argento steht, wurde in Deutschland wegen seiner expliziten Gewaltszenen zeitweise beschlagnahmt. Zeitweise erfolgte sogar ein Einziehungsbeschluss: Der Filmverleiher musste sämtliche Kopien des Films aus dem Handel ziehen. Die Sehgewohnheiten haben sich inzwischen geändert, der Streifen steht nicht mehr auf dem Index. Netflix zeigt den Film angeblich sogar in einer unzensierten Fassung.

Ein Filmstill aus «Dämonen 2», der auf Netflix unter «Demoni» zu finden ist.

Ein Filmstill aus «Dämonen 2», der auf Netflix unter «Demoni» zu finden ist.

Titanus Filmverleih

«Tanz der Teufel», 1981

Der Film, der in den USA als «The Evil Dead» bekannt ist, ist ein absoluter Genre-Klassiker und machte Sam Raimi schlagartig bekannt. Heute macht der Starregisseur weniger Splatter, sondern mehr Blockbuster a la «Spider-Man» oder «Doctor Strange 2». Sein Frühwerk, ein blutiges Trash-Fest über fünf Freunde, die in einer Waldhütte von fleischfressenden Monstern heimgesucht werden, ist zwar ganz sicher kein ernstgemeinter Schocker. Trotzdem wurde auch er in der unzensierten Fassung beschlagnahmt.

Der Grund für diesen drastischen Umgang mit dem Brutalo-Film dürfte die sexuelle Gewalt im Film sein. Eine Vergewaltigungs-Szene im Film bereut Raimi übrigens bis heute selbst.

«Chucky – die Mörderpuppe, 1988

Der kleine Andy ist im siebten Himmel, als seine Mutter ihm eine sprechende Puppe schenkt, die er sich sehnlichst gewünscht hat. Aber das vermeintlich harmlose Spielzeug ist von einem gerade verstorbenen Serienmörder besessen und treibt sein blutiges Spiel nun in Andys Kinderzimmer. Der Film gilt als absoluter Klassiker des Genres und hat Millionen von Menschen Albträume beschert.

«Chucky - Die Mörderpuppe» war seit 1990 auf dem Index für jugendgefährdende Medien, die Teile zwei und drei ereilte dieses Schicksal ebenfalls. Erst 2011 wurde der Film in der ungeschnittenen Version für alle ab 16 Jahren freigegeben. 2019 kam dann das Remake in die Kinos.

Das begehrte Geburtstagsgeschenk Chucky entpuppt sich leider als Killer-Maschine.

Das begehrte Geburtstagsgeschenk Chucky entpuppt sich leider als Killer-Maschine.

United Artists

«Nackt und zerfleischt», 1980

Im Film reist ein Anthropologe in den Amazonas, um eine verschollene Dokumentarfilm-Crew zu finden. Er findet dort aber nur eine Kamera und die menschlichen Überreste der Filmleute. Zurück in New York sichten die Produzenten die Videoaufnahmen, die die Tötung des Teams und sexuelle Gewalt gegenüber Einheimischen des Kannibalen-Stamms zeigen.

Der italienische Schocker (Originaltitel «Cannibal Holocaust») ist wegen seiner extrem realistisch wirkenden Gewaltdarstellungen in über 18 Ländern verboten worden. Mehr noch: Der Dreh brachte Regisseur Ruggero Deodato auch eine Gerichtsverhandlung ein, da man ihm vorgeworfen hatte, echte Leichen für den Film verwendet zu haben. Diese Vorwürfe konnte er aber entkräften. Der Film steht im Gegensatz du den oben aufgeführten Filmen, bis heute auf dem Index.

Eine Crew bricht in den Amazonas auf, um einen Stamm zu filmen – mit schrecklichen Folgen.

Eine Crew bricht in den Amazonas auf, um einen Stamm zu filmen – mit schrecklichen Folgen.

Grindhouse Releasing

Deine Meinung