Nette Nachbarn: Streit endet mit Kieferbruch

Aktualisiert

Nette Nachbarn: Streit endet mit Kieferbruch

Zwei Nachbarn in Schlatt TG streiten über ein Fahr- und Fusswegrecht. Ein Dritter greift ein und steht am Schluss mit einem doppelten Kieferbruch da.

Heute Dienstag musste sich das Thurgauer Obergericht als Berufungsinstanz mit dem Krach befassen.

Das Bezirksgericht Diessenhofen hatte den einen der streitenden Nachbarn der einfachen Körperverletzung schuldig befunden und ihn zu einer Woche Gefängnis bedingt verurteilt. Zudem sollte er dem Verletzten 5000 Franken Genugtuung bezahlen und einen Teil von dessen Anwaltskosten übernehmen.

Vom Freispruch bis zu 35 Tagessätzen

Damit war der Verurteilte nicht einverstanden. Er ging in Berufung, Staatsanwalt und Geschädigter schlossen sich an. Der Anwalt des Verurteilten verlangte am Dienstag Freispruch oder maximal sieben Tagessätze zu je 80 Franken Strafe, bedingt auf zwei Jahre und stark reduzierte Entschädigungszahlungen.

Der Staatsanwalt und der Geschädigte wollten 28 bis 35 Tagessätze Strafe, bedingt auf zwei Jahre. Zudem solle es mindestens bei den erstinstanzlichen Entschädigungszahlungen bleiben.

Gefängnisstrafen stehen nicht mehr zur Debatte, weil das am 1. Januar in Kraft getretene geänderte Strafgesetz diese für solche Fälle nicht mehr vorsieht. Das Urteil des Obergerichts steht noch aus.

Ein Zaun behindert die Zufahrt

Angefangen hat alles mit einem grundbuchamtlich eingetragenen Fahr- und Fusswegrecht. Dieses sollte es Nachbar B gestatten, über das Grundstück von Nachbar A seinen Park- und Lagerplatz zu erreichen. Irgendwann begann Nachbar A damit, immer mal wieder diese Zufahrt durch einen selbstgebauten Zaun zu behindern.

So der am Dienstag unbestrittene Ausgangspunkt dessen, was am Abend des 18. April 2005 passierte: Damals kamen Nachbar B und sein Freund C von einer Feuerwehrübung zurück. Als sie auf den umstrittenen Parkplatz fahren wollten, war die Zufahrt wieder blockiert.

Ein Freund baut ab

C schritt zur Tat, baute den Zaun ab und legte - oder warf - dessen Bestandteile vor das Tor von Nachbar A. Der sah das, man begann zu streiten und am Schluss hatte C einen doppelt gebrochenen Unterkiefer und B eine Verletzung im Mund. Letztere hatte Nachbar A verursacht, als er im Streit in den Mund von Nachbar B fasste und ihn dort kratzte.

Woher der doppelte Kieferbruch kam, war auch am Dienstag noch umstritten. Nach Meinung von Nachbar C und dem Bezirksgericht Diessenhofen hat ihn Nachbar A verursacht. Er soll C von hinten mit der Faust an den Kiefer geschlagen haben, als dieser bereits dabei war, von A weg zu gehen.

War es das Tor oder der Nachbar?

A dagegen behauptet, er habe nicht geschlagen. Möglicherweise sei C von dem schweren Eisentor getroffen worden, das nach aussen «aufgespickt» sei, als er dagegen drückte, um zu verhindern, dass C auf den Hof kam.

Diese Version war dem Bezirskgericht unwahrscheinlich erschienen: Das Tor öffnet sich eigentlich nach innen und kann nur bis maximal 15 Grad nach aussen gedrückt werden. Zudem passe die Art der Verletzung nicht zu dieser Version der Geschichte. Einig sind sich alle, dass C erst verletzt wurde, als er sich bereits vom Tor entfernte.

(sda)

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