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GraubündenNetz von Ersthelfern soll bei Unfällen Leben retten

Im Kanton Graubünden wird eine 350-köpfige Gruppe von sogenannten First Responders aufgebaut.

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First Responders werden beispielsweise für Wiederbelebungsmassnahmen geschult. 
First Responders werden beispielsweise für Wiederbelebungsmassnahmen geschult. 
Foto: LAB
Die First-Responder-Gruppen werden mit Notfallrucksäcken ausgestattet. 
Die First-Responder-Gruppen werden mit Notfallrucksäcken ausgestattet. 
Foto: LAB
First Responder Eduard Schaffer verpasst dem Phantom eine Herzmassage. (Archivbild)

First Responder Eduard Schaffer verpasst dem Phantom eine Herzmassage. (Archivbild)

 Foto: Andreas Blatter, BZ

Darum geht es

  • Im Kanton Graubünden wird mit sogenannten First Responders eine Lücke im Gesundheitswesen geschlossen.
  • Siebzig Gruppen à fünf Personen sollen über den Gebirgskanton verteilt bei Notfällen die Erstversorgung übernehmen, bis professionelle Einsatzkräfte eintreffen.
  • Vor allem bei Herz-Kreislauf-Stillständen, Atemnot, Brustschmerzen oder Bewusstlosigkeit von Personen sollen die First Responders zum Einsatz kommen.
  • Im Kanton Zürich gibt es ein ähnliches Projekt. Dort nehmen aber Polizisten die Aufgabe der First Responders wahr.

Im Kanton Graubünden wird eine neue Organisation mit Ersthelfenden nach Unfällen aufgebaut. 350 sogenannte First Responders Plus sollen Verunfallten rasch helfen, bis die professionellen Retter zur Stelle sind. Die Kantonsregierung beauftragte die Alpine Rettung Schweiz mit dem Aufbau der Organisation First Responders Plus, wie sie am Donnerstag mitteilte. Es wurde eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Ziel ist es, bis im nächsten Jahr siebzig Gruppen mit je fünf Mitgliedern auf die Beine zu stellen.

Notfallrucksack für jede Gruppe

Jede First-Responders-Plus-Gruppe wird mit einem Notfallrucksack, einem automatisierten externen Defibrillator sowie mit dem notwendigen Sanitätsmaterial ausgerüstet. Die neue Organisation schliesst gemäss Regierungsangaben eine Lücke im Rettungswesen.

In Graubünden wird die Bezeichnung First Responders Plus verwendet, weil die Helferinnen und Helfer über viele Fähigkeiten verfügen sollen. Neben der Ausbildung für die Behandlung eines Herznotfalls sollen sie imstande sein, schnell zu handeln in Notfallsituationen wie Kreislaufstillstand, Bewusstlosigkeit, bei starken Blutungen, Brustschmerzen oder Atemnot.

First Responders bei Kapo Zürich

Sogenannte First Responders gibt es in anderer Art auch im Kanton Zürich. Dort leisten Zürcher Kantonspolizisten seit einiger Zeit als First Responders auch Hilfe bei medizinischen Notfällen. In der sechsmonatigen Pilotphase wurden sie über zweihundert Mal zu einem Notfall aufgeboten. Die Einsätze wurden mittlerweile in den Arbeitsalltag der Polizei integriert. First Responders werden parallel zum Rettungsdienst aufgeboten und sollen möglichst rasch entsprechend ihrer Ausbildung und ihrer Ausrüstung erweiterte Erste Hilfe leisten. Während des Pilotbetriebs hat die Kantonspolizei gemäss einer Mitteilung vom Mittwoch durchschnittlich knapp sechseinhalb Minuten gebraucht, bis die Einsatzkräfte vor Ort waren und helfen konnten.

Defibrillatoren in Polizeiautos

Geht ein Notruf ein, verständigt die Zentrale von Schutz & Rettung Zürich die Einsatzzentrale der Kantonspolizei. Diese wiederum bietet dann Kantons- oder Kommunalpolizeipatrouillen in der Nähe auf. Viele Patrouillenfahrzeuge sind mit externen Defibrillatoren ausgerüstet, die bei Herzrhythmusstörungen zum Einsatz kommen.

Zürcher Regierung will keine Laien

Im Kanton Zürich existiert ein First-Responder-System in Form eines Netzwerks von professionellen Rettungsorganisationen. Gemäss einer Antwort des Regierungsrates auf eine Anfrage im Kantonsrat sind neben der Kantonspolizei die Stadtpolizeien Zürich und Winterthur sowie verschiedene lokale Feuerwehren und regionale Ärztegesellschaften Mitglieder dieses Netzwerks. Den Aufbau eines laienbasierten Systems hingegen hält der Regierungsrat im dicht besiedelten und gut erschlossenen Kanton Zürich nicht für notwendig.

(SDA)

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