Boyan Slat: Wie ein 25-Jähriger Flüsse von Plastik befreien will

Aktualisiert

Boyan SlatWie ein 25-Jähriger Flüsse von Plastik befreien will

Ocean Cleanup will die Meere von Plastik befreien. Doch das gelingt nur, wenn kein neuer Abfall mehr aus den Flüssen dazukommt.

von
jcg

Der Grossteil des Plastikmülls in den Ozeanen wird über Flüsse eingetragen. Mit einer neu entwickelten Abfangvorrichtung will die Organisation Ocean Cleanup diesen Zustrom nun auf ein Minimum begrenzen. «Wir haben jetzt ein System, das Plastik in den Flüssen einfangen kann», sagte der Leiter der Organisation, der Niederländer Boyan Slat, am Samstagabend im Hafen von Rotterdam bei der Vorstellung des Müllfängers mit der Bezeichnung Ocean Cleanup Interceptor.

Den Leitgedanken für das neue System beschrieb der 25-jährige Öko-Unternehmer bei der aufwendig inszenierten und weltweit über Youtube gestreamten Präsentation so: 80 Prozent des Plastikmülls in den Weltmeeren würden über die rund 1000 grössten Flüsse dorthin gelangen. Dieser Müllnachschub könne und müsse gestoppt werden. «Wir drehen diesen Hahn zu.»

Erste vier Müllfänger einsatzbereit

Nach vierjähriger Entwicklungszeit stünden die ersten vier Interceptor-Müllfänger bereit. Zwei sammelten bereits Plastikmüll in Flüssen in Indonesien und Malaysia ein, der dritte werde für den Einsatz im Mekongdelta in Vietnam und der vierte für einen Einsatz im Río Ozama in der Dominikanischen Republik vorbereitet. Geplant sind Interceptor-Einsätze vor allem in ärmeren Regionen der Erde, wo Millionen von Menschen an den Ufern grosser Flüsse wohnen, ohne dass es dort eine fachgerechte Müllentsorgung gibt.

Die mit Solarenergie betriebenen Vorrichtungen erinnern an riesige Siebe in Form eines Katamarans, also eines Schiffes mit zwei Rümpfen. Der Abfall wird herausgefischt und über Laufbänder in Container transportiert. Online-Sensoren melden, wenn sie voll sind. Tiere können den Angaben zufolge leicht an den Müllfängern vorbeischwimmen.

Jede einzelne dieser Vorrichtungen könne pro Tag etwa 50'000 Kilogramm Müll abfangen, was rund einer Million Plastikflaschen entspreche, erklärte Slat. Die Organisation hoffe, die Technik innerhalb von fünf Jahren auf 1000 Flüssen einsetzen zu können. «Wenn wir das schaffen, können wir unsere Ozeane wieder sauber bekommen.»

Vorbild Baltimore

Völlig neu sei die Interceptor-Technologie allerdings nicht, hiess es nach der Präsentation im US-Technikmagazin «Wired». Ähnliche Müllfänger-Vorrichtungen seien bereits jahrelang im Hafen von Baltimore eingesetzt worden. «Wissenschaftler sagen schon seit Jahren, dass der richtige Weg zur Lösung dieses Problems flussaufwärts führt», zitierte «Wired» den Direktor der Kampagne Healthy Harbor (Gesunder Hafen) in Baltimore, Adam Lindquist. «Und Nachahmung ist die schönste Form des Kompliments.»

Anfang Oktober hatte Ocean Cleanup erste Erfolge mit einem Plastikmüllfänger im Pazifik gemeldet. Das dortige System treibe nach der Überwindung technischer Probleme nun Meeresmüll mit einem riesigen Fangarm zusammen. Vor rund einem Jahr war diese Anlage von San Francisco aus zum sogenannten Great Pacific Garbage Patch (etwa: Grosser Pazifischer Müllteppich) geschleppt worden, der zwischen Kalifornien und Hawaii liegt. In diesem Strömungswirbel sollen sich nach Schätzungen von Wissenschaftlern 1,8 Billionen Plastikteile angestaut haben.

Neben Ocean Cleanup gibt es weitere Ideen, die Gewässer vom Plastik zu befreien:

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Mit dem Projekt Ocean Cleanup will der junge Niederländer Boyan Slat (Mitte) innert fünf Jahren den sogenannten Great Pacific Garbage Patch von 40'000 Tonnen Plastikmüll befreien. Er beschäftigt 65 Mitarbeiter und hat sich Investitionen von über 35 Millionen Franken gesichert.

Mit dem Projekt Ocean Cleanup will der junge Niederländer Boyan Slat (Mitte) innert fünf Jahren den sogenannten Great Pacific Garbage Patch von 40'000 Tonnen Plastikmüll befreien. Er beschäftigt 65 Mitarbeiter und hat sich Investitionen von über 35 Millionen Franken gesichert.

Ocean Cleanup
Die am Meeresgrund verankerte Vorrichtung von Ocean Cleanup besteht aus langen, luftgefüllten Plastikrohren, an denen Nylonnetze hängen. Diese ragen drei Meter ins Meer hinunter und bilden so eine Art gigantische Kehrichtschaufel. Der Plastikabfall wird durch die Meeresströmung in diese schwimmenden Barrieren getrieben, wo er alle sechs bis acht Wochen von Schiffen eingesammelt wird.

Die am Meeresgrund verankerte Vorrichtung von Ocean Cleanup besteht aus langen, luftgefüllten Plastikrohren, an denen Nylonnetze hängen. Diese ragen drei Meter ins Meer hinunter und bilden so eine Art gigantische Kehrichtschaufel. Der Plastikabfall wird durch die Meeresströmung in diese schwimmenden Barrieren getrieben, wo er alle sechs bis acht Wochen von Schiffen eingesammelt wird.

Ocean Cleanup
Die erste Ausbaustufe (System 001) soll eine Länge von 600 Metern haben. Später sollen die Barrieren im Great Pacific Garbage Patch auf Dutzende Kilometer Länge ausgebaut werden. Am 8. September soll System 001 in San Francisco zu ersten Tests in See stechen.

Die erste Ausbaustufe (System 001) soll eine Länge von 600 Metern haben. Später sollen die Barrieren im Great Pacific Garbage Patch auf Dutzende Kilometer Länge ausgebaut werden. Am 8. September soll System 001 in San Francisco zu ersten Tests in See stechen.

Ocean Cleanup

(jcg/sda)

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