Stadtzürcher Abstimmung - Neubauten, die Schatten werfen, sollen am Zürichsee verboten werden
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Stadtzürcher AbstimmungNeubauten, die Schatten werfen, sollen am Zürichsee verboten werden

Eine Initiative will, dass keine neuen Grossbauten mehr am Seeufer entstehen. Grund: Sie werfen zu viel Schatten auf die Grünflächen.

von
Lynn Sachs
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Die geplante ZKB-Seilbahn vom Mythenquai zum Zürichhorn war für Peter-Wolfgang von Matt der Auslöser, um eine Initiative zu starten.

Die geplante ZKB-Seilbahn vom Mythenquai zum Zürichhorn war für Peter-Wolfgang von Matt der Auslöser, um eine Initiative zu starten.

Zürcher Kantonalbank
Der Initiant Peter-Wolfgang von Matt will, dass Bauprojekte, die viel Schatten werfen, am Seeufer verboten werden.

Der Initiant Peter-Wolfgang von Matt will, dass Bauprojekte, die viel Schatten werfen, am Seeufer verboten werden.

Ela Çelik/Tamedia
«Die ZKB-Seilbahn-Stationen sollen auf öffentlichen Flächen zu stehen kommen. Die betroffenen Wiesen werden als Badeorte genutzt. Da ist man auf die direkte Sonneneinstrahlung angewiesen», so von Matt.

«Die ZKB-Seilbahn-Stationen sollen auf öffentlichen Flächen zu stehen kommen. Die betroffenen Wiesen werden als Badeorte genutzt. Da ist man auf die direkte Sonneneinstrahlung angewiesen», so von Matt.

Zürcher Kantonalbank

Darum gehts

  • Ein parteiloses Komitee will, dass Bauten, die viel Schatten werfen, am See nicht mehr gebaut werden dürfen.

  • So sollen die Grünflächen am Ufer geschützt werden.

  • Der Initiant bekämpft mit der Vorlage die Seilbahn der Zürcher Kantonalbank, die über den Zürichsee schweben soll.

Scheint die Sonne, strömen die Zürcherinnen und Zürcher auf die Wiesen und Plätze entlang des Zürcher Seebeckens. Eine Initiative will, dass die Stadt Zürich den öffentlichen Grünraum am Seeufer vor Schattenwurf schützt. Die sogenannte «Besonnungsinitiative» eines parteiunabhängigen Komitees kommt am 26. September an die Urne.

Was soll geändert werden?

Die Vorlage fordert, dass bauliche Veränderungen, welche die Grünflächen am See zusätzlich beschatten, verhindert werden. Somit sollen Bauten, die viel Schatten erzeugen, in Zukunft am See nicht mehr gebaut werden dürfen. Dazu soll eine Beschränkung der maximalen Gebäudehöhe gemäss dem aktuellen Baubestand eingeführt werden.

Wie kam es dazu?

Der Initiant Peter-Wolfgang von Matt aus Wollishofen hat die Initiative als direkte Reaktion auf das «Züribahn»-Projekt der Zürcher Kantonalbank (ZKB) lanciert. Die ZKB wollte zu ihrem 150. Jubiläum eine Seilbahn über den Zürichsee schweben lassen. Dieses Projekt ist wegen fehlender Bewilligungen bis anhin noch nicht zustande gekommen (siehe Info-Box).

Trotzdem ist das Projekt von Matt ein Dorn im Auge. «Die Seilbahn-Stationen sollen auf öffentlichen Flächen am Mythenquai und am Zürichhorn zu stehen kommen. Die betroffenen Wiesen werden als Badeorte genutzt. Da ist man auf die direkte Sonneneinstrahlung angewiesen.» Auch die Grossüberbauung auf dem Areal der Franz-Garagen bei der Roten Fabrik wolle er, auch nach dem Aushub, weiterhin verhindern. Laut dem Stadtrat hätte eine Annahme der Initiative auf bereits bewilligte Bauprojekte, wie die Franz-Garage, jedoch rückwirkend keinen Einfluss.

ZKB-Seilbahn-Projekt

Die Zürcher Kantonalbank wollte zu ihrem 150. Jubiläum die «ZüriBahn», eine Seilbahn vom Mythenquai zum Zürichhorn, schweben lassen. In 18 Kabinen hätten jeweils rund zwanzig Personen über den See fahren können. Wie die «Neue Zürcher Zeitung» jedoch schreibt, haben Rekurse das Projekt blockiert und zu juristischen Auseinandersetzungen geführt. Wann genau die Seilbahn in Betrieb genommen wird, sei noch unklar, sagte der Mediensprecher Yannik Primus im Artikel. «Das Projekt befindet sich nach wie vor im Bewilligungsverfahren. Wir warten die Urteile der zuständigen Gerichte ab.»

Das sagen die Befürworter

«Das Seebecken ist ein einmaliger Grünraum, der besonderen Schutz verdient und ungeschmälert erhalten bleiben muss», sagt Felix Moser, Präsident der Grünen der Stadt Zürich. Neue Bauvorhaben sollen dem Rechnung tragen müssen. «Der Schattenwurf, den diese Gebäude und Anlagen verursachen, darf diesen für die Bevölkerung wichtigen Erholungsraum am See nicht beeinträchtigen.»

Der Druck um das Seebecken sei riesig, so Moser. «Einzelne Areale sind zu dicht und zu hoch überbaut. Dies ist nicht nur wegen der Beschattung vom Freiraum problematisch, sondern auch wegen dem Orts- und Landschaftsbild.» Mit Annahme der Initiative könnten solche Projekte eingeschränkt werden. Auch die Alternative Liste (AL) spricht sich für das Anliegen aus.

Das sagen die Gegner

Die FDP-Kantonsrätin Sonja Rueff-Frenkel lehnt die Vorlage ab. «Die Initiative schiesst über das Ziel hinaus und ist unnötig.» Der Schattenwurf werde als Vorwand benutzt, um ausgewählte Bauprojekte zu verhindern. Eine Annahme der Initiative wäre verheerend und würde die Entwicklung verhindern, findet Rueff-Frenkel. «Wenn entlang des Seeufers nicht mehr gebaut werden darf, gebe es eine grosse Rechtsunsicherheit für hängige Projekte. Ebenfalls wäre es ein krasser Eingriff in die Eigentumsgarantie.»

Auch der Stadtrat und der Gemeinderat lehnen die Vorlage ab. Die geltende Bau- und Zonenordnung schränke die Baumöglichkeiten am Seeufer bereits heute stark ein. Dadurch werde unter anderem verhindert, dass öffentliche Grünflächen künftig deutlich stärker beschattet werden. Es sei zudem fraglich, ob eine solche städtische Regelung aufgrund des übergeordneten Rechts und der Richtplanung vom Kanton genehmigt werden könnte.

Bezüglich der ZKB-Seilbahn schreibt die Stadt: «Für die vom Initiativkomitee genannte ZKB-Seilbahn ist nicht die Stadt, sondern der Kanton Zürich zuständig, weshalb die Initiative auch auf dieses Projekt keinen unmittelbaren Einfluss hat.»

Die SP, SVP, GLP und EVP sprechen sich ebenfalls gegen die Vorlage aus.

Neue Wache für Schutz und Rettung

Ebenfalls wird in der Stadt Zürich über den Neubau der «Wache Nord» in Oerlikon abgestimmt. Für 107 Millionen Franken soll an der Binzmühlstrasse ein 24-Stunden-Betrieb von Sanität, Berufs- und Milizfeuerwehr gebaut werden. Ziel ist, dass die Rettungsdienste innert zehn Minuten ihren Einsatzort im Norden der Stadt erreichen können. Der Gemeinderat stimmte der Vorlage einstimmig zu. Die SP, SVP, Mitte, Grünen, GLP, AL und EVP unterstützen die Initiative. Die FDP hat eine Stimmfreigabe entschieden.

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