Sunrise-Abos: Neue AGB sollen Kunden vom Kündigen abhalten
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Sunrise-AbosNeue AGB sollen Kunden vom Kündigen abhalten

Sunrise will chronischen Vertragswechslern das Leben schwer machen. Neu können Verträge erst sechs Monate vor Ablauf gekündigt werden.

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rkn/sas
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Sunrise passt das Kleingedruckte an: Ab Dezember 2019 können Kunden ihre Verträge frühestens sechs Monate vor Ende der Mindestdauer kündigen

Sunrise passt das Kleingedruckte an: Ab Dezember 2019 können Kunden ihre Verträge frühestens sechs Monate vor Ende der Mindestdauer kündigen

Keystone/Ennio Leanza
Seitens Sunrise lautet die Begründung, es komme immer wieder zu Missverständnissen bei Kunden, die ihren Vertrag direkt beim Abschluss kündigten.

Seitens Sunrise lautet die Begründung, es komme immer wieder zu Missverständnissen bei Kunden, die ihren Vertrag direkt beim Abschluss kündigten.

Keystone/Christian Beutler
Laut Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland ist das Verhalten von Sunrise problematisch: «Es ist für Kunden nicht nachvollziehbar, weshalb Sunrise die Kündigung nicht akzeptiert.»

Laut Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland ist das Verhalten von Sunrise problematisch: «Es ist für Kunden nicht nachvollziehbar, weshalb Sunrise die Kündigung nicht akzeptiert.»

Moneyland.ch

Wer bei Internetanschluss oder Handyabo sparen will, fährt meistens am günstigsten, wenn er regelmässig Vertrag und Anbieter wechselt. Denn die Telecomanbieter versuchen mit lukrativen Sonderangeboten Neukunden anzuwerben. Mit einer neuen Klausel macht Sunrise den chronischen Vertragswechslern nun das Leben schwer.

Ab Dezember 2019 können Kunden ihre Verträge frühestens sechs Monate vor Ende der Mindestdauer kündigen, wie das SRF berichtet. Seitens Sunrise lautet die Begründung, es komme immer wieder zu Missverständnissen bei Kunden, die ihren Vertrag direkt beim Abschluss kündigen. Dem wolle man mit der neuen Klausel vorbeugen. Laut dem Telecomanbieter gebe es sowieso nur wenige Kunden, die zu Vertragsbeginn bereits kündigen.

«Sunrise möchte mit dieser Klausel die Kündigungen von Kunden abwimmeln, die früh kündigen», sagt Telecom-Experte Ralf Beyeler von Moneyland zu 20 Minuten. In solchen Fällen dürfte das Unternehmen dem Kunden mitteilen, die Kündigung sei ungültig und darauf spekulieren, dass der korrekte Zeitpunkt später vergessen geht. Oder dass der Kunde bis dann doch mit dem Abo zufrieden ist und nicht mehr kündigen will.

Schikanöse Einschränkung

Laut Beyeler ist das Verhalten von Sunrise problematisch: «Es ist für Kunden nicht nachvollziehbar, weshalb Sunrise die Kündigung nicht akzeptiert.» Gar von einer missbräuchlichen Klausel spricht Rechtsprofessor Thomas Probst von der Universität Freiburg. Es handle sich nämlich um eine schikanöse Einschränkung des Kündigungsrechts, so Probst gegenüber SRF. Jedoch müsste ein Kunde vor Gericht klagen, damit Sunrise allenfalls den Kurs wechseln müsste.

Telecom-Experte Beyeler sieht nun den Bund am Zug: «Das Staatssekretariat für Wirtschaft sollte endlich gegen diese kundenunfreundlichen AGB-Klauseln vorgehen.» Betroffenen Kunden rät Beyeler, sich an die Schlichtungsstelle für Telekommunikationsfragen, Ombudscom, zu wenden.

Sunrise versuchte bereits in der Vergangenheit, das Kündigen zu erschweren: Vor einem Jahr hat der Konzern bei den Kunden für Unmut gesorgt, weil Kündigungen nur noch per Telefon oder Chat akzeptiert würden – per Brief oder E-Mail wollte Sunrise keine Verträge mehr aufzulösen.

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