Rund 100 Personen betroffen – Neue, aggressivere HIV-Variante in den Niederlanden entdeckt
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Rund 100 Personen betroffenNeue, aggressivere HIV-Variante in den Niederlanden entdeckt

Die Entdeckung einer gefährlicheren Variante des HI-Virus zeigt, dass Pandemieviren nicht unbedingt milder werden: Die sogenannte VB-Mutante hat eine höhere Viruslast, ist leichter übertragbar und kann im Körper mehr Schaden anrichten.

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Viren verändern sich im Laufe der Zeit. Sie mutieren. Das hat die Covid-19-Pandemie eindrucksvoll gezeigt. (Im Bild: Mers-CoV-Viren)

Viren verändern sich im Laufe der Zeit. Sie mutieren. Das hat die Covid-19-Pandemie eindrucksvoll gezeigt. (Im Bild: Mers-CoV-Viren)

Symbolbild/Unsplash
Auch das HI-Virus mutiert – und das, wie sich zeigt, nicht unbedingt zum Guten, wie britische Forschende im Fachjournal «Science» schreiben. (Im Bild: HI-Viren unter dem Transmissionselektronenmikroskop)

Auch das HI-Virus mutiert – und das, wie sich zeigt, nicht unbedingt zum Guten, wie britische Forschende im Fachjournal «Science» schreiben. (Im Bild: HI-Viren unter dem Transmissionselektronenmikroskop)

Wikimedia Commons/CDC/PD
Das Team hat in den Niederlanden eine bislang unbekannte, ansteckendere Variante des HI-Virus entdeckt. 

Das Team hat in den Niederlanden eine bislang unbekannte, ansteckendere Variante des HI-Virus entdeckt. 

Symbolbild/Unsplash

Darum gehts

  • Bei rund 100 Personen in den Niederlanden haben Forschende eine besonders virulente Variante von HIV identifiziert.

  • Im Vergleich zu anderen Varianten führt die sogenannte VB-Variante unbehandelt zu einer deutlich höheren Viruslast und schädigt das Immunsystem der Betroffenen doppelt so schnell.

  • Dennoch sehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keinen Grund zur Sorge. 

In einer Langzeitstudie haben Forscher und Forscherinnen eine bislang unbekannte, ansteckendere Variante des HI-Virus in den Niederlanden entdeckt. Die sogenannte VB-Variante von HIV-1 weise eine etwa 3,5 bis 5,5 Mal höhere Viruslast auf, sei leichter übertragbar und habe das Potenzial, grössere Schäden am Immunsystem anzurichten, schreiben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der britischen Universität Oxford im Fachjournal «Science». Zwei deutsche Experten sehen aber nicht die Gefahr einer schnellen Ausbreitung der neuen Variante.

Für Infizierte in Behandlung besteht der Studie zufolge wohl keine grössere Gefahr: Nach Beginn der Behandlungen hatten die VB-Patienten und -Patientinnen demnach ähnliche Verläufe wie andere Patienten und Patientinnen. Die Ergebnisse machten es umso wichtiger, dass Menschen mit einem gewissen HIV-Risiko Zugang zu regelmässigen Tests haben, um frühzeitige Diagnosen und Behandlungen zu ermöglichen, hiess es. «Das begrenzt die Zeit, in der HIV das Immunsystem schädigen und die Gesundheit gefährden kann», sagte einer der beteiligten Forscher aus Oxford, Christophe Fraser, einer Mitteilung zufolge.

«Weiteres Puzzlestück für unser Verständnis der Evolution von HIV»

Die VB-Variante wurde als Erstes in einem langfristig angelegten Monitoring-Projekt namens Beehive entdeckt, das Proben aus Europa und Uganda sammelt und analysiert. Dabei fielen 17 Fälle der Variante auf, 15 davon aus den Niederlanden. In Tests von weiteren Tausenden in den Niederlanden getesteten Patienten und Patientinnen fand man 92 weitere Infizierte mit der VB-Variante. Diese soll sich während der 1980er- und 1990er-Jahre in dem Land verbreitet haben. Seit etwa 2010 soll sich die Verbreitung den Forschern und Forscherinnen zufolge jedoch wieder verlangsamt haben.

Die Studie sei «ein weiteres Puzzlestück für unser Verständnis der Evolution von HIV», sagte der Virologe Maximilian Muenchoff von der Ludwig-Maximilians-Universität München der Deutschen Presse-Agentur. Der Experte macht sich jedoch wenige Sorgen darum, dass die Variante der HIV-Epidemie neuen Schwung verleihen könnte. «Die Effekte sind zwar statistisch signifikant, aber im grossen epidemiologischen Kontext eher nebensächlich.» Das sehe man auch daran, dass die Variante schon seit Jahrzehnten zirkuliere, ohne andere Varianten verdrängt zu haben. Für behandelte Patienten und Patientinnen seien ohnehin die Therapie und ein gesunder Lebensstil entscheidender als die virologischen Faktoren.

Der Virologe Hans-Georg Kräusslich von der Universität Heidelberg rechnet auch nicht damit, dass die entdeckte Variante zu einem schnelleren Verlauf der HIV-Infektion hin zu einer Aids-Erkrankung führen wird, und sagte der dpa: «Angesichts des langen Zeitraums und der recht geringen Zahl spricht nichts für eine rasche Ausbreitung.» So sieht es auch der HIV-Forscher Joel O. Wertheim. Wie er im Journal «Science» schreibt, stellt VB keine Krise für die öffentliche Gesundheit dar. Sie sei mit bewährten Massnahmen gut zu kontrollieren. 

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