System bald veraltet: Neue Alarmanlagen gegen «gezielte Gewalt» an Berner Schulen müssen her

Publiziert

System bald veraltetNeue Alarmanlagen gegen «gezielte Gewalt» an Berner Schulen müssen her

Die Swisscom schaltet per Ende Jahr das 2G-Netz ab. Davon ist auch das Alarmsystem der Berner Schulen, das an dieses Netz angeschlossen ist, betroffen. Nun muss die Warnanlage noch vor Ende Jahr erneuert werden.

1 / 4
Die Stadt Bern hat ein ausgeklügeltes System, um die Schulen vor «gezielter Gewalt» schützen zu können. (Bild: Polizeieinsatz wegen eines Amok-Fehlalarms bei der Berner Schulanlage Schwabgut im Februar 2018.)

Die Stadt Bern hat ein ausgeklügeltes System, um die Schulen vor «gezielter Gewalt» schützen zu können. (Bild: Polizeieinsatz wegen eines Amok-Fehlalarms bei der Berner Schulanlage Schwabgut im Februar 2018.)

20M
Da die Anlagen mit 2G laufen, werden sie Ende Jahr nicht mehr funktionieren. Das autonome Alarmierungssystem wurde 2015 in Betrieb genommen und besteht aus ca. 1600 Alarmierungsgeräten und einem Bewirtschaftungssystem, das durch die Firma AidComm AG betrieben wird.

Da die Anlagen mit 2G laufen, werden sie Ende Jahr nicht mehr funktionieren. Das autonome Alarmierungssystem wurde 2015 in Betrieb genommen und besteht aus ca. 1600 Alarmierungsgeräten und einem Bewirtschaftungssystem, das durch die Firma AidComm AG betrieben wird.

Der Stadtrat soll nun einen Kredit von 1,07 Millionen Franken, damit die Stadt das bestehende System auf den 4G-Standard weiterentwickeln kann.

Der Stadtrat soll nun einen Kredit von 1,07 Millionen Franken, damit die Stadt das bestehende System auf den 4G-Standard weiterentwickeln kann.

KEY

Darum geht es

  • Die Berner Stadtregierung will die Alarmierungseinrichtungen gegen zielgerichtete Gewalt in den Schulen erneuern.
  • Die heutigen Alarmgeräte basieren noch auf dem Mobilfunkstandard 2G, der von der Swisscom per Ende 2020 abgeschaltet wird.
  • Der Gemeinderat überweist einen entsprechenden Kreditantrag von 1,07 Millionen Franken an das Stadtparlament.
  • Damit an den Notfallkonzepten der Schulen festgehalten werden kann, ist vorgesehen,
    das bestehende System aufzurüsten.

Die Stadt Bern muss an ihren Schulen dringend die Alarmanlage gegen «gezielte Gewalt» erneuern lassen. Das heutige System läuft noch mit dem Mobilfunkstandard 2G. Aufgrund der Abschaltung des 2G-Netzes per Ende Jahr durch die Swisscom werden 95 Prozent der Alarmierungsgeräte ab Januar 2021 nicht mehr funktionieren. Um die Schüler, Lehrer und Mitarbeiter aber auch ab 2021 vor Bedrohungen warnen zu können und somit im Ernstfall Leben zu retten, muss noch vor Ende Jahr ein neues System her.

Das erneuerte und ausgebaute Sicherheits-Netzwerk soll noch vor dem Jahreswechsel eingeschaltet werden. Der Gemeinderat überweist deshalb einen entsprechenden Kreditantrag von 1,07 Millionen Franken an den Stadtrat. Der Gemeinderat hält in seinem Antrag fest: «Die Nichtumsetzung oder verspätete Umsetzung des Projekts hat zur Folge, dass ab dem 1. Januar 2021 circa 95 Prozent der Alarmierungsgeräte ausfallen.»

Ein System mit 1600 Warnanlagen

Eine im Voraus ins Leben gerufene Arbeitsgruppe namens «Alarmierung 2.0» mit Vertretenden der Polizei, den Berner Schulleitungen, den Informatikdiensten und dem städtischen Schulamt hat vorgesehen, die momentan eingesetzten 2G-Alarmierungsgeräte auf den 4G-Standard weiterzuentwickeln.

Dieses System umfasst 1600 Alarmierungsgeräte. Jeder Schulraum in der Stadt Bern ist mit einem einfach bedienbaren Alarmierungsgerät ausgerüstet. Gesteuert werden diese einzelnen Warnanlagen von einem zentralen Bewirtschaftungssystem. «Nach Auslösung des Alarms wegen einer bedrohlichen Situation erfolgt die Übermittlung des Alarms über das Mobilfunknetz an einen zentralen Alarmserver. Dieser wiederum alarmiert alle Alarmierungsgeräte innerhalb des definierten Alarmierungsperimeters. Mittels Alarmton und Textnachricht auf dem Gerätedisplay erfolgt die Information über die drohende Gefahr in alle Räume der betroffenen Schulanlage», steht in der «Bedienungsanleitung».

Nicht nur an einem schnelleren Netz ist das künftige Berner Alarmsystem angeschlossen. Die neuen Geräte sollen zudem auch über eine vorkonfigurierte Taste direkt mit der Einsatzzentrale der Polizei eine Telefonverbindung aufbauen – «damit können der Polizei einsatzrelevante Fragen beantwortet werden.»

Die Alarmierungsgeräte seien zudem permanent am Stromnetz angeschlossen, damit jederzeit die volle Akku-Kapazität aufgewiesen wird. Sie sind ebenfalls durch eine plombierte Gerätebox gegen einfache Entwendung gesichert.

«Glücklicherweise fehlen die Erfahrungswerte»

Im Ereignisfall können dank des Systems Hunderte von Personen in einer betroffenen Schulanlage mit mehreren Gebäuden flächendeckend in rund 20 Sekunden alarmiert werden. «Hinzu kommt, dass die Lehrpersonen nicht nur in der Bedienung des Alarmierungsgeräts, sondern auch bezüglich des Personenverhaltens im Ereignisfall ausgebildet sind», teilt die Stadt Bern mit.

Die Bundesstadt soll laut eigenen Angaben ein führendes Alarmsystem im Falle von «zielgerichteter Gewalt» in Schulen betreiben. Doch die Behörden halten ebenfalls fest: «Da glücklicherweise die Erfahrungswerte fehlen, lässt sich der Nutzen eines Alarmierungssystems im Falle von «zielgerichteter Gewalt» in Schulanlagen nur ansatzweise darstellen.»

(miw)

Deine Meinung