Jugendstraftäter: Neue Anklage gegen Carlos
Aktualisiert

JugendstraftäterNeue Anklage gegen Carlos

Der Jugendstraftäter Carlos muss sich erneut vor Gericht verantworten – wegen eines Körperverletzungsdelikts.

von
woz
1 / 6
Carlos werde «immer wieder gegen Material und / oder Personen tätlich», schrieb das Obergericht. Mit 15 Jahren hat er einem Kontrahenten im Streit ein Messer in den Rücken gestochen. Weil er für alle üblichen Institutionen für junge Straftäter – selbst für die Psychiatrie – untragbar war, wurde er in einem Spezialprogramm betreut.

Carlos werde «immer wieder gegen Material und / oder Personen tätlich», schrieb das Obergericht. Mit 15 Jahren hat er einem Kontrahenten im Streit ein Messer in den Rücken gestochen. Weil er für alle üblichen Institutionen für junge Straftäter – selbst für die Psychiatrie – untragbar war, wurde er in einem Spezialprogramm betreut.

Illustration: Robert Honegger
Medienrummel um einen jugendlichen Straftäter: Carlos auf seinem Bett in seiner damaligen Wohnung in Reinach. (Screenshot SRF)

Medienrummel um einen jugendlichen Straftäter: Carlos auf seinem Bett in seiner damaligen Wohnung in Reinach. (Screenshot SRF)

Keystone
Dokumentation als Auslöser: Der Fall wurde durch ein Filmporträt des Schweizer Fernsehens über Jugendanwalt Hansueli Gürber publik. Dieser hatte die Sondermassnahmen für Carlos angeordnet.

Dokumentation als Auslöser: Der Fall wurde durch ein Filmporträt des Schweizer Fernsehens über Jugendanwalt Hansueli Gürber publik. Dieser hatte die Sondermassnahmen für Carlos angeordnet.

Sabina Bobst

Der als Carlos bekannt gewordene Zürcher Jugendstraftäter wurde erneut wegen Körperverletzung angeklagt. «Wir können bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft am 8. November 2016 gegen ihn beim Bezirksgericht Zürich Anklage wegen eines Köperverletzungsdelikts erhoben hat», teilt die Oberstaatsanwaltschaft Zürich TeleZüri mit. Ob Carlos derzeit in Haft ist, ist nicht bekannt.

Seit August 2015 ist Carlos ein freier Mann. Das Bezirksgericht Dietikon ZH hatte ihn damals zwar zu eine Geldstrafe verurteilt, weil er in einer Gefängniszelle randaliert hatte. Weil er aber zuvor zu Unrecht inhaftiert worden war, war diese Strafe damit abgegolten.

Hansueli Gürber im Interview

Hansueli Gürber wurde bekannt, weil er Carlos ein teures Sondersetting ermöglichte.

«Sondersetting» für 29'000 Franken

Carlos war im Sommer 2013 in die Schlagzeilen geraten. In einem Dokumentarfilm präsentierte der damalige Zürcher Jugendanwalt Hansueli Gürber den «Fall» des seit seiner Kindheit äusserst schwierigen Jugendlichen als Beispiel dafür, dass eine gezielte Ausnahme-Behandlung durchaus Erfolg haben kann.

Der Jugendliche hatte einen anderen jungen Mann mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt. Als der Film ausgestrahlt wurde, befand er sich seit gut einem Jahr in einem so genannten «Sondersetting», rundum betreut und überwacht. Und zum ersten Mal griff eine Massnahme: Carlos hielt sich an die Regeln.

Angesichts der hohen Kosten – 29'000 Franken pro Monat – ging allerdings ein Aufschrei der Empörung durch Medien und Öffentlichkeit. Dazu kam die Tatsache, dass Carlos Thai-Boxen trainieren durfte.

Deine Meinung