Schweizer Bankkonto: Neue Attacke auf «Swiss Mitt»
Aktualisiert

Schweizer BankkontoNeue Attacke auf «Swiss Mitt»

Zweimal Bad News für Mitt Romney: Die Demokraten nehmen erneut sein UBS-Konto ins Visier, und ein schwuler Sprecher wirft nach Angriffen von konservativer Seite das Handtuch.

von
pbl

Das Image der Schweizer Banken in den USA ist miserabel, und der Steuerstreit ist daran nur bedingt schuld. Vielmehr hat die amerikanische Unterhaltungsindustrie das «Swiss Bank Account» zu einem Synonym für dunkle Geschäfte gemacht. Dies war auch den Beratern von Mitt Romney klar, die den mutmasslichen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner bereits 2010 dazu gedrängt hatten, sein Konto bei der Grossbank UBS aufzulösen.

Als die Transaktion mit der Veröffentlichung von Romneys Steuererklärung publik wurde, erhielt er prompt den Übernamen «Swiss Mitt» verpasst, in Anspielung auf den amerikanischen Schokolade-Produzenten Swiss Miss. Wie von Romneys Entourage befürchtet, griffen seine Gegner die Steilvorlage sofort auf: Anfang März stellte Ted Strickland, der ehemalige demokratische Gouverneur von Ohio, Mitt Romneys Bekenntnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika in Frage.

Job-Vernichter mit Schweizer Bankkonto

Vor drei Wochen legte Senator Dick Durbin nach, und nun hat das Wahlkampfteam von Präsident Barack Obama ein Video veröffentlicht, das ebenfalls auf Romneys «Swiss Connection» zielt. Als Private-Equity-Manager habe Mitt Romney «amerikanische Jobs in Länder wie Mexiko und China verlagert» und als Gouverneur von Massachusetts staatliche Stellen «in ein Call-Center in Indien», heisst es darin. «Genau das erwartet man von einem Typen, der ein Schweizer Bankkonto besass.»

Eine Sprecherin von Mitt Romney beschuldigte Obama laut der «Huffington Post», er wolle mit solchen «Nebensächlichkeiten» nur von den eigentlichen Themen ablenken. Doch die Crew des Präsidenten lässt nicht locker. «Es gibt nur zwei Gründe, um ein Schweizer Bankkonto zu besitzen: sich gegen den Dollar abzusichern oder zu vermeiden, einen gerechten Anteil an Steuern zu bezahlen», twitterte Obamas Wahlkampf-Sprecher Ben LaBolt. Das Video soll in Iowa, Ohio und Virginia am Fernsehen ausgestrahlt werden – drei so genannte «Swing States», die im Herbst besonders heftig umkämpft sein werden.

Schwuler Sprecher unter Beschuss

Nicht nur das Swiss Bank Account wird für Romney zu Hypothek – der republikanische Kandidat sieht sich auch mit einer Kontroverse um das Reizthema Homo-Ehe konfrontiert. Am Dienstag trat sein aussenpolitischer Sprecher Richard Grenell nach nur zwei Wochen im Amt zurück. Der bekennende Schwule befürwortet die gleichgeschlechtliche Ehe und sah sich deshalb mit massiven Angriffen von rechter Seite konfrontiert. Ein Kolumnist des Magazins «National Review» unterstellte Grenell gar, er werde zu Obama «überlaufen», falls der Präsident sich am Parteikonvent der Demokraten für die Homo-Ehe ausspreche.

Eine «extrem voreingenommene Diskussion über persönliche Dinge» schränke seine Möglichkeiten ein, sich im Wahlkampf «klar und deutlich» zu äussern, hielt Grenell in seinem Rücktrittsschreiben fest, das der «Washington Post» vorliegt. Romneys Wahlkampfleiter Matt Rhoades zeigte sich enttäuscht. Laut der «Post» haben hochrangige Romney-Mitarbeiter und «angesehene Republikaner» am Wochenende vergeblich versucht, Richard Grenell vom Rücktritt abzuhalten. Die Affäre um den schwulen Pressesprecher zeigt, dass Mitt Romney nicht nur von links Gefahr droht, sondern auch aus den eigenen Reihen.

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