Nach heftiger Kritik – Busfabrikant stoppt Produktion in Belarus und stockt in der Schweiz auf

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Nach heftiger KritikBusfabrikant stoppt Produktion in Belarus und stockt in der Schweiz auf

Die Basler Verkehrsbetriebe haben bei der Solothurner Hess AG Elektrobusse bestellt. Diese sollen nun vollständig in der Schweiz produziert werden. Das Unternehmen geriet in Kritik wegen seiner Produktionsstätte in Minsk.

von
Lukas Hausendorf
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Die BVB beschafft bei Hess neue Elektrobusse, diese werden aber zum Teil in Belarus gefertigt. Nach Kritik stellt die Hess nun aber ihre Produktion in Minsk vorläufig ein.

Die BVB beschafft bei Hess neue Elektrobusse, diese werden aber zum Teil in Belarus gefertigt. Nach Kritik stellt die Hess nun aber ihre Produktion in Minsk vorläufig ein.

Hess Bus
Die acht Hess-Busse, die die BVB bestellt hat, sollen auf der Flughafenlinie zum Einsatz kommen. Wegen der Produktionsverlagerungen wird es nun zu Lieferverzögerungen kommen.

Die acht Hess-Busse, die die BVB bestellt hat, sollen auf der Flughafenlinie zum Einsatz kommen. Wegen der Produktionsverlagerungen wird es nun zu Lieferverzögerungen kommen.

20min/Michael Scherrer
Die Hess AG beschäftigt im Industriepark Great Stone bei Minsk rund 60 Mitarbeitende. Diese werde man weiterhin bezahlen. Man habe eine soziale Verantwortung ihnen gegenüber, so die Hess AG.

Die Hess AG beschäftigt im Industriepark Great Stone bei Minsk rund 60 Mitarbeitende. Diese werde man weiterhin bezahlen. Man habe eine soziale Verantwortung ihnen gegenüber, so die Hess AG.

Wikipedia

Darum gehts

  • Die Basler Verkehrsbetriebe beschaffen acht neue Elektrogelenkbusse bei der Solothurner Hess AG.

  • Diese betreibt ein Werk in Belarus, wo ein Teil der Produktion der Busse hätte stattfinden sollen.

  • Nachdem Kritik laut wurde, weil Belarus den Russen als Truppenstützpunkt dient, stellt Hess die Produktion dort nun vorläufig ein.

Ende vergangener Woche machte die «Basler Zeitung» publik, dass die neuen Elektrobusse, die die Basler Verkehrs-Betriebe bei der Solothurner Hess AG bestellt haben, in Belarus gefertigt werden sollen. Als die Beschaffung der acht Busse vor über einem Jahr beschlossen worden war, war das politisch noch unverdächtig. Doch jetzt, da Belarus faktisch als Truppenstützpunkt für Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine dient, ist dies plötzlich brisant. «Millionengeschäft zu Kriegszeiten», titelte die BaZ. 

Dies blieb nicht ohne Folgen. Das Bellacher Unternehmen hat auf die Kritik reagiert und angekündet, sein Werk in der belarussischen Hauptstadt Minsk vorerst stillzulegen. «Wir planen im Moment, 100 Prozent der Produktion zurückzunehmen nach Bellach», sagt der CEO der Hess AG, Alex Naef, gegenüber Radio SRF. Die rund 60 belarussischen Mitarbeitenden blieben aber angestellt. Man habe ihnen gegenüber eine soziale Verantwortung, so Naef. 

Die Basler Elektrogelenkbusse sollen nun komplett im Stammwerk in Bellach hergestellt werden. «Diese Rückverlagerung bedeutet eine deutliche Stellenerhöhung in Bellach», so Naef zu SRF. Die Hess AG sei bereits daran, Personal zu rekrutieren, und suche nach weiteren Räumlichkeiten für die Produktion.

BVB nimmt Verzögerungen gerne in Kauf

Der Solothurner Fahrzeughersteller ist kein Einzelfall. Die Thurgauer Stadler Rail unterhält ebenfalls einen grösseren Produktionsstandort in Belarus und kündete bereits an, diese Kapazitäten in die EU zu verlagern. Belarus stand aber schon vor der russischen Invasion auf der Schweizer Sanktionsliste wegen gravierender Menschenrechtsverletzungen.

Für die Basler Verkehrs-Betriebe geht dieser Schritt mit Lieferverzögerungen einher. Das sei nicht mit einer E-Mail gemacht, so Hess-CEO Naef. Damit hat BVB-Direktor Bruno Stehrenberger kein Problem. «Das nehmen wir sehr gerne in Kauf, wenn wir dafür Busse bekommen, an denen sich die Bevölkerung freuen kann», lässt er sich zitieren.  

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