Erste Lehrlinge starten : Neue Berufe - zwischen Fäkalien und High-Tech

Aktualisiert

Erste Lehrlinge starten Neue Berufe - zwischen Fäkalien und High-Tech

Entwässerungstechnologen und Mechatroniker: Weil die Arbeitswelt immer komplexer wird, werden bestehende Lehrgänge angepasst und neue Lehren geschaffen.

von
Florian Meier

Tim Wernli (16) steigt an einer Leiter in den Kanal hinunter. Mit einer grossen Taschenlampe leuchtet er abwechslungsweise in die verschiedenen Abwasserrohre, die hier zusammenkommen. Eines der Rohre ist verstopft und muss gespült werden. Mit prüfenden Blicken späht Wernli in das verwinkelte Abwassersystem und stellt nach einiger Zeit das gesuchte Rohr sicher.

Wernli gehört zu den ersten Lehrlingen schweizweit, die sich zum Entwässerungstechnologen ausbilden lassen. Dieser unterhält, kontrolliert und repariert Abwassersysteme. Damit ist er einer von 16 Auszubildenden in der Deutschschweiz, die den neu geschaffenen Lehrgang in Angriff genommen haben. «Ich wollte schon immer etwas Handwerkliches machen», meint er. Ausserdem begeistere ihn die Arbeit im Untergrund und was es alles brauche, damit die ganzen Abwasserleitungen funktionierten.

«Bis heute wurde diese Aufgabe von Quereinsteigern erledigt, die einmal eine Ausbildung als Sanitär, Maurer oder Koch gemacht hatten», sagt Sandra Bruder, Projektleiterin des neuen Lehrgangs. Da die Anforderungen der Kunden aber stetig steigen würden und eine immer höhere Qualität erwartet werde, habe man sich vor sechs Jahren dazu entschieden, einen eigenen Lehrgang ins Leben zu rufen.

Auch schulische Anforderungen gestiegen

Aufgrund des wirtschaftlichen Wandels wurden diesen Sommer drei neue Lehrgänge geschaffen und sieben Lehrgänge angepasst. So lassen sich etwa erstmals 25 Lehrlinge zum Netzelektriker ausbilden, wie Radio SRF berichtete. Diese erstellen, unterhalten und reparieren Daten- und Kommunikationsnetze.

Auch in der Autobranche werden die Lehrgänge angepasst. Der Automechaniker muss zunehmend auch in Sachen Elektronik fit sein. Aus diesem Grund wurde ein Lehrgang für Automechatroniker eingeführt, eine Verbindung zwischen Automechaniker und Autoelektriker. «In den letzten Jahren wurden die Ausstattungen immer anspruchsvoller und die Elektronik immer wichtiger», sagt Ernst Grogg vom Autohaus Hard AG Langenthal. Aus diesem Grund sei es enorm wichtig, dass Fachleute mit den Fahrzeugen arbeiteten, die auch wirklich etwas von der Technik verstünden. Als Folge davon seien auch die schulischen Anforderungen an die Lehrlinge enorm gestiegen. Bereits erfolgt eine zweite Lehrgangsrevision: Wer Automechatroniker lernt, muss sich entscheiden, ob er zum Spezialisten für Privatfahrzeuge oder zum Spezialisten für Lastwagen werden will.

Die Video-Reportage über Netzelektriker:

Zu wenig angehende Gemüsegärtner

70000 Lehrlinge beginnen in diesen Wochen ihre Berufsausbildung. Einzelne Branchen aber leiden unter Lehrlingsmangel. Für den Beruf des Gemüsegärtner sind diesen Sommer beispielsweise zwischen 60 und 70 Lehrstellen zu besetzen. Bis heute haben aber nur sieben zukünftige Gemüsefachkräfte einen Lehrvertrag unterzeichnet, berichtet der Landwirtschaftliche Informationsdienst. «Es ist gut möglich, dass einige Betriebe aus diesem Grund schliessen müssen», sagt Bruno Stucki vom Verband Schweizer Gemüseproduzenten. Es sei generell schwierig, für die Landwirtschaft neue Lehrlinge zu rekrutieren. «Es werden auch dringend Obstfachleute, Geflügelfachleute oder Winzer gesucht», so Stucki.

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