USA: Neue Börsenregeln nach Crash
Aktualisiert

USANeue Börsenregeln nach Crash

Nach dem dramatischen Kurssturz des Dow-Jones-Index von Anfang Mai wird der Wertpapierhandel an amerikanischen Börsen eingeschränkt.

Nach den neuen Regeln der US-Börsenaufsicht SEC wird der Handel von S&P 500-Aktien (Aktien der 500 grössten börsennotierten US-Unternehmen) für fünf Minuten unterbrochen, sobald der Kurs binnen fünf Minuten um 10 Prozent oder mehr fällt oder steigt.

Eine solche Pause gebe den Märkten die Gelegenheit, neue Käufer oder Verkäufer anzuziehen, einen «vernünftigen» Marktpreis festzulegen und den Handel «in fairer und ordentlicher Weise» weiterzuführen, heisst es in einer Mitteilung der SEC.

Diese automatische Abschaltfunktion soll vorerst mit einem Pilotprogramm bis 10. Dezember getestet werden; danach entscheiden Behörden und Börsen, ob die Regeln angepasst und noch auf weitere Aktien ausgedehnt werden sollen. Die Aufsichtsbehörde gibt nun allen Beteiligten zehn Tage Zeit, die Massnahme zu prüfen und zu kommentieren - anschliessend startet die Pilotphase.

Unterschiedliche Regeln verschlimmerten Kurssturz vermutlich

«Wir glauben weiterhin, dass der Kurssturz von unterschiedlichen und einander widersprechenden Regeln der diversen Börsen verschärft worden ist», sagte SEC-Chefin Mary Schapiro am Dienstag. «Deshalb ist es wichtig, dass alle Börsen sich schnell einig geworden sind, allgemein geltende Schwellen einzubauen, die sich notfalls aktivieren.»

Anfang Mai war der Dow um zeitweise 1000 Punkte abgestürzt und hatte Märkte weltweit verunsichert. Die US-Behörden stehen unter Druck, rasch Massnahmen einzuleiten, um eine Wiederholung der Turbulenzen zu verhindern. (sda)

EU ruft zu koordiniertem Handeln auf

Die EU-Kommission hat nach dem Alleingang Deutschlands beim Verbot bestimmter Leerverkäufe zu einem europaweit abgestimmten Handeln aufgerufen.

Er nehme die Entscheidung Deutschlands zur Kenntnis und verstehe die Besorgnisse der deutschen und der österreichischen Regierung, erklärte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Mittwoch in Brüssel. «Diese Massnahmen werden effizienter, wenn sie auf europäischer Ebene koordiniert werden.»

Der Ausschuss der europäischen Finanzaufsichtsbehörden (CESR) habe die Beratungen in den vergangenen Stunden darüber aufgenommen. Barnier ergänzte, er sei damit einverstanden, über das Thema am Rande des Treffens der EU-Finanzminister am Freitag in Brüssel zu sprechen.

Keine Regelverschärfungen in der Schweiz

Während in Deutschland und den USA die Regeln für den Börsenhandel verschärft wurden, hält die Schweizer Börse an ihrem Reglement fest. Es bleibe alles beim alten, sagte Sprecher Werner Vogt am Mittwoch auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

In der Schweiz sind ungedeckte Leerverkäufe seit geraumer Zeit verboten. Gedeckte Leerverkäufe sind indes erlaubt. Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Mitte September 2008, als die Börsen rund um den Globus abstürzten, sah sich die Eidg. Bankenkommission (EBK) allerdings veranlasst, das Verbot den Marktteilnehmern in Erinnerung zu rufen.

Die Schweizer Börse kennt auch bereits seit langem Handelsunterbrüche bei Kurssprüngen. So wird etwa bei Aktien von Schweizer Grosskonzernen der Handel für fünf Minuten unterbrochen, wenn der folgende Preis um 1,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Referenzpreis abweichen würde. Bei Aktien kleinerer Unternehmen oder bei Anleihen führen andere Kurssprünge zu Handelsunterbrüchen.

Ebenfalls verboten sei die Verbreitung von irreführenden Gerüchten und das Streuen von wahrheitswidrigen Informationen. (SDA)

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