Aktualisiert 21.04.2006 11:07

Neue Cailler-Schoggi boomt

Die neu lancierte Cailler-Schoggi ist in aller Munde- trotz kritischer Medienberichte und Streit mit Denner. Die ersten Verkaufszahlen zeigen, dass der Relaunch der Traditionsmarke ein voller Erfolg ist.

Mit grossem Werbeaufwand wurden die von Stararchitekt Jean Nouvel neu gestalteten Cailler-Schokoladen Ende Februar lanciert. Seither wurde bereits ein Viertel der geplanten Gesamtjahresmenge ausgeliefert, wie Nestlé am Freitag mitteilte.

Gemäss der Nestlé-Marktforschung legten die Verkäufe um 152 Prozent zu. Dies wird bei Coop, einem der wichtigsten Verkäufer von Cailler-Schokolade, auf Anfrage bestätigt: Die neue Schoggi sei ein «Riesenerfolg», sagt Sprecher Karl Weisskopf.

Und dies, obschon keine besonderen Aktionen durchgeführt wurden, sondern vielmehr einzelne Cailler-Produkte teurer verkauft wurden als noch in der alten Verpackung.

Umstrittene Verpackung

Diese neue, zum Teil aus PET-Material bestehende Verpackung gab denn auch wegen ihrer Ökobilanz zu Kritik Anlass. Im Zentrum stand dabei eines der bekanntesten Cailler-Produkte, die «Frigor»-Carrés.

Nestlé-Sprecher Philippe Oertlé relativiert: Gerade mal 20 Prozent der gesamten Frigor-Verpackung seien aus PET. Er räumt ein, dass die Ökobilanz «nicht die beste» sei. Die Kunden stört dies offenbar nicht: Frigor ist ein Renner und wurde zweieinhalb mal mehr verkauft als üblich.

Von den Kunden erhielt die neue Frigor gute Noten. Anders sieht das der Chef des Discounters Denner, Philippe Gaydoul: Ein «Marketing-Gag» sei es, der «einen Haufen unnötiger Verpackung» produziere.

Zudem habe die «aufwändige und ökologisch sinnlose Verpackung» Cailler zu einer «ungerechtfertigten und einseitigen Preiserhöhung» veranlasst, kritisierte Denner in grossen Zeitungsinseraten.

Streit wegen Preis

Um die schöne neue Cailler ist zwischen Nestlé und Denner ein eigentlicher Schoggi-Krieg entbrannt. Denner weigert sich, die neuen Preise zu bezahlen, und Nestlé hat ihre Lieferungen eingestellt.

Insgesamt schlugen die Cailler-Produkte um rund 0,8 Prozent auf, wie Nestlé-Sprecher Oertlé sagt. Für Denner waren es indes 8 Prozent, weil die Konditionen für den Discounter neu ausgehandelt wurden.

Diese habe Denner akzeptiert, unterstreicht Nestlé. Erst als realisiert wurde, dass damit nicht genügend Marge erzielt werden könne, habe Denner «von Nestlé ultimativ wesentlich günstigere Lieferbedingungen» verlangt.

Denner widerspricht dieser Darstellung. Nestlé könne nicht «plötzlich kommen und sagen 'Wir haben gemerkt, dass ihr jahrelang profitiert habt, und nun korrigieren wir das'», sagte Gaydoul jüngst.

Im September noch mehr Süsses

Denner drohte zudem damit, wegen der Preispolitik von Nestlé bei der Wettbewerbskommission (Weko) vorstellig zu werden. Bis zum Freitag tat Denner dies aber nicht, wie bei der Weko zu erfahren war.

Denner erklärte, man wolle Cailler-Produkte verkaufen, aber nur zu den selben Konditionen wie bisher. Nestlé dagegen will hart bleiben. Doch sei Cailler für alle da, sagte Oertlé, auch wenn man die Marke als Premium-Produkt neu positioniert habe.

Nelly Wenger, Chefin von Nestlé Schweiz, sieht damit ihre Strategie bestätigt. «Wir hoffen, dass es weitergeht», sagte Oertlé. Für September stellt er zwölf süsse Neuigkeiten in Aussicht. Ob diese den Weg in die Denner-Regale finden werden, wird sich weisen. (sda)

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