Vergewaltigungsvorwürfe: Neue Details zum geplatzten Kondom
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VergewaltigungsvorwürfeNeue Details zum geplatzten Kondom

Die Tücken der modernen Technik: Ein Fax des Anwalts von Julian Assange wurde abgefangen. Der Inhalt ist für den Wikileaks-Gründer nicht gerade schmeichelhaft.

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Die Ermittlungen gegen Julian Assange wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung stützen sich hauptsächlich auf ein gerissenes Kondom. Dem Wikileaks-Gründer wird von der schwedischen Justiz vorgeworfen, dass er das Präservativ mit Absicht platzen liess. Nun gerieten Bilder des verhängnisvollen Gummis an die Öffentlichkeit – zusammen mit dem gesamten Polizeibericht.

Das 100-seitige Dossier soll laut einem Artikel der Zeitschrift «Wired» am 23. November von Assanges schwedischem Anwalt Björn Hurtig an die Rechtskanzlei von Mark Stephens in London gefaxt worden sein. Dabei war auf dem Titelblatt ausdrücklich vermerkt worden: «Diese Information ist nur für Herrn Assange bestimmt, für keinen anderen.» Trotzdem tauchten sie nun auf der Adobe-Acrobat-Datentauschbörse auf – der Link verbreitete sich auf schwedischen Blogs und Foren wie ein Lauffeuer.

«Ans Bett gedrückt und die Kleider zerrissen»

Bereits im Dezember waren erste Inhalte des Polizeiberichts an die Öffentlichkeit gelangt. Der Fax liefert nun noch intimere Details von den Begegnungen Assanges mit der schwedischen Aktivistin Anna Ardin und der Fotografin Sophie Wilen.

Ardin hat laut diesem Protokoll bei der Einvernahme erzählt, sie habe in den Sex mit Assange eingewilligt. Doch als es so weit war, habe er sie «ans Bett gedrückt und die Kleider zerrissen». Assange habe sie zwar gleich wieder losgelassen und ein Kondom übergestülpt. Doch das habe er «während des Verkehrs» beschädigt – «absichtlich».

«Es gibt nichts zu lachen»

Das zweite Opfer, Sophie Wilen, gab der Polizei gar ganze Gespräche wieder. Assange soll in sie eingedrungen sein, während sie schlief. Als sie erwachte, habe sie sofort gefragt, ob er ein Kondom trage: «Hast du was drüber?» «Dich», antwortete Assange. «Ich hoffe, du bist nicht HIV-positiv», war ihre Bemerkung darauf. «Natürlich nicht», sagte er dann.

Laut dem Bericht fühlte Wilen, dass es «zu spät» gewesen sei, um auf den Schutz zu bestehen. Sie liess ihn gewähren. Nie zuvor hatte sie laut ihren Angaben ungeschützten Sex gehabt. «Er sagte, er wolle in mir kommen», meldete Wilen den Behörden.

Im Polizeibericht zeichnen die beiden Frauen ein schmuddeliges Bild von Julian Assange. So soll Ardin seine persönliche Hygiene kritisiert haben. Der Australier, der mehrere Tage bei ihr hauste, sei unfähig, die Klospülung zu betätigen. Geduscht habe er tagelang nicht. Auch Wilen gibt in ihren Aussagen ein bizarres Bild von Assange: «Als wir im Bett lagen, drehte ich mich zu ihm und lächelte», erzählte sie in der Einvernahme. «Wieso lächelst du, es gibt nichts zu lachen», soll er darauf geantwortet haben. Seine unfreundliche Art habe ihr Angst gemacht, sagte sie weiter.

Kondom hatte «kleine Kratzer»

Ardin hatte das gebrauchte Präservativ aufbewahrt. Erst als sie von Wilens Begegnung mit Assange hörte und die beiden Frauen zur Polizei gingen, gab sie den Pariser zur Untersuchung ab. Ardin und Wilen wollten erreichen, dass Assange einen HIV-Test abliefert. Der Wikileaks-Gründer weigerte sich.

Wilen unterzog sich zudem einer «kompletten Vergewaltigungsabklärung». Dabei wurde ihr HIV-Medikation verabreicht. Eine forensische Analyse an Ardins Kondom ergab «kleine Kratzer in der Umgebung des Risses». Der Schaden am Material zeige aber «keine Spur einer Anwendung von Gegenständen».

Julian Assange muss am 7. und 8. Februar wieder vor einem Londoner Gericht erscheinen. Dort wird er vermutlich erneut gegen seine Auslieferung nach Schweden kämpfen. Doch nach diesem Polizeibericht dürfte es ihm womöglich schwerfallen, die Vergewaltigungsvorwürfe als «Racheaktion der USA» gegen ihn und sein Projekt Wikileaks darzustellen.

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