Aus eins mach zwei: Neue Faultierart mit «Kokosnusskopf» im brasilianischen Dschungel entdeckt

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Aus einer werden zweiNeue Faultierart mit «Kokosnusskopf» im brasilianischen Dschungel entdeckt

Brasilianische Forschende schauten bei einer bekannten Kragenfaultierart noch einmal genauer hin und erkannten, dass es sich in Wirklichkeit um zwei Faultierarten handelt.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Dieses Kragenfaultier hat seit neustem eine neue Bezeichnung. Wurden er und seinesgleichen bisher zur Art Bradypus torquatus (nördliches Kragenfaultier) gezählt, gehören sie nun der Art Bradypus crinitus (südliches Kragenfaultier, im Bild) an. 

Dieses Kragenfaultier hat seit neustem eine neue Bezeichnung. Wurden er und seinesgleichen bisher zur Art Bradypus torquatus (nördliches Kragenfaultier) gezählt, gehören sie nun der Art Bradypus crinitus (südliches Kragenfaultier, im Bild) an. 

Suelen Sanches
Diese Umbenennung verdanken die Tiere einem Team von brasilianischen Zoologinnen und Zoologen. Sie haben bei den Tieren noch einmal genauer hingeschaut und auch eine Genanalyse vorgenommen. (Im Bild: die Forschungsgruppe und ein nördliches Kragenfaultier.)

Diese Umbenennung verdanken die Tiere einem Team von brasilianischen Zoologinnen und Zoologen. Sie haben bei den Tieren noch einmal genauer hingeschaut und auch eine Genanalyse vorgenommen. (Im Bild: die Forschungsgruppe und ein nördliches Kragenfaultier.)

Instituto Tamanduá
Bei beiden Arten von Untersuchungen zeigten sich Unterschiede. Die der Genanalyse bezeichnen die Forschenden sogar als «erheblich». (Im Bild: nördliches Kragenfaultier.)

Bei beiden Arten von Untersuchungen zeigten sich Unterschiede. Die der Genanalyse bezeichnen die Forschenden sogar als «erheblich». (Im Bild: nördliches Kragenfaultier.)

Instituto Tamanduá

Darum gehts

Die Familie der Kragenfaultiere in Brasilien ist grösser geworden. Dies nicht etwa, weil ein Faultierpaar Nachwuchs bekommen hätte, sondern weil Zoologinnen und Zoologen herausgefunden haben, dass die im Atlantischen Regenwald (Mata Atlântica) lebenden Tiere nicht einer Art angehören, wie bis anhin gedacht, sondern zweien. Die Exemplare im nördlichen Teil des Gebiets unterscheiden sich genetisch von denen im Süden, so das Team um Daniel M. Casali von der Bundesuniversität von Minas Gerais im brasilischen Belo Horizonte im «Journal of Mammology».

So gingen die Zoologen vor

Freud und Leid sind nah beieinander

Das Kragenfaultier (Bradypus torquatus) ist seit dem Jahr 1811 bekannt. Rund vier Jahrzehnte später war erstmals die Rede davon, dass es sich dabei um mehr als eine Art handeln könnte: Im Jahr 1850 behauptete der britische Zoologe John Edward Gray, eine zweite Art entdeckt zu haben, die er Bradypus crinitus nannte. Zu der Vermutung habe ihn der Fund eines «seltsamen Schädels» veranlasst, berichtet Newscientist.com (Bezahlartikel). Grays Einschätzung wurde jedoch später von anderen Forschenden zurückgewiesen. Doch die neue Studie beweist nun, dass er recht hatte. «Unser Ansatz zeigt, dass es zwei Arten von Kragenfaultieren gibt: das nördliche Kragenfaultier (Bradypus torquatus) und das südliche Kragenfaultier (Bradypus crinitus)», so die Forschenden.

Die Neuentdeckung birgt aber nicht nur Grund zur Freude, wie Iflscience.com unter Berufung auf die Zoologinnen und Zoologen schreibt: Die Unterscheidung der zwei Arten stelle Naturschützer vor noch grössere Herausforderungen als bisher. «Mit der hier vorgeschlagenen neuen taxonomischen Einteilung wird die geografische Verbreitung der einzelnen Arten relativ klein.» Zudem teilten sich die wenigen Tiere nun auf zwei Populationen auf. Entsprechend müsse man beide Arten «wahrscheinlich als bedroht» einstufen.

Eines der am stärksten bedrohten Säugetiere Südamerikas

Kragenfaultiere gehören zur Familie der Dreifinger-Faultiere. Typische Merkmale sind eine einheitlich braune Fellfärbung und eine dunkle Mähne am Nacken, weswegen ihnen nachgesagt wird, einen «Kokosnusskopf» zu haben. Vertreter der Art leben hauptsächlich in Bäumen und gelten als einzelgängerisch. Sie ernähren sich hauptsächlich von Blättern, selten von Früchten und Blüten. Dabei schlafen sie wie ihre Verwandten, die Zweifinger-Faultiere, auch mal gerne ein:

Flori lebt im Zoo Dortmund und macht seiner Art alle Ehre: Sogar beim Essen schläft er ein.

(Video: 20min/fee)

Der Bestand des Kragenfaultiers ist durch Waldzerstörung gefährdet, die Art gehört zu den am stärksten bedrohten Säugetieren Südamerikas.

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