18.06.2019 09:28

«Blablabus» und Marino

Neue Fernbus-Betreiber locken mit Tiefstpreisen

Flixbus-Konkurrenten drängen in die Schweiz. Nun drohe ein harter Preiskampf, sagt ein Experte.

von
ehs
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Blablacar, eine Firma, die bisher ein Mitfahrportal betrieb, lanciert mit eigenen Fernbussen unter dem Namen Blablabus eine Alternative zum deutschen Fernbus-Riesen Flixbus.

Blablacar, eine Firma, die bisher ein Mitfahrportal betrieb, lanciert mit eigenen Fernbussen unter dem Namen Blablabus eine Alternative zum deutschen Fernbus-Riesen Flixbus.

Blablabus
Blablabus kommt auch in die Schweiz. Bereits aktiv sind Linien von Genf nach Mailand, Paris, Lyon, Grenoble und Chamonix, die das Unternehmen vom früheren Konkurrenten Ouibus übernommen hat. Dabei soll es nicht bleiben.

Blablabus kommt auch in die Schweiz. Bereits aktiv sind Linien von Genf nach Mailand, Paris, Lyon, Grenoble und Chamonix, die das Unternehmen vom früheren Konkurrenten Ouibus übernommen hat. Dabei soll es nicht bleiben.

Blablabus
Ein Blablabus-Sprecher sagt, die Firma werde bis Ende Jahr 70 Linien eröffnen und 400 Orte in ganz Europa anfahren. Fernbus-Experte Patrick Angehrn geht davon aus, dass bald neue Linien in die Schweiz folgen.

Ein Blablabus-Sprecher sagt, die Firma werde bis Ende Jahr 70 Linien eröffnen und 400 Orte in ganz Europa anfahren. Fernbus-Experte Patrick Angehrn geht davon aus, dass bald neue Linien in die Schweiz folgen.

Blablabus

Ein neuer Fernbus-Anbieter will Europa erobern. Blablacar, eine Firma, die bisher ein Mitfahrportal betrieb, lanciert mit den eigenen Fernbussen unter dem Namen Blablabus eine Alternative zum deutschen Fernbus-Riesen Flixbus. In Deutschland tritt Blablabus Ende Juni in den Markt ein – und bietet zum Start Fahrten für 99 Cent an.

Blablabus kommt auch in die Schweiz. Bereits aktiv sind Linien von Genf nach Mailand, Paris, Lyon, Grenoble und Chamonix, die Blablabus vom früheren Konkurrenten Ouibus übernommen hat. Dabei dürfte es nicht bleiben. Das Unternehmen will sein Netz schon bald ausbauen.

Kein Gesuch eingegangen

Wann eine Offensive in der Schweiz startet, ist nicht klar. Beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ist noch kein Gesuch eingegangen. Ein solches müsste vom BAV bewilligt werden, das gilt allerdings als Formsache. Solange Blablabus zwischen Schweizer Städten keine Passagiere transportiert, sondern nur auf Linien ins Ausland, benötigt die Firma keine Konzession.

Ein Blablabus-Sprecher sagt zu 20 Minuten, die Firma werde bis Ende Jahr 70 Linien eröffnen und 400 Orte in ganz Europa anfahren. Blablabus wolle in Kombination mit dem eigenen Mitfahrportal zum «wichtigsten Marktplatz für Reisen auf der Strasse» werden.

«Bezahlen, damit Leute mitfahren»

Patrick Angehrn, ein Fernbus-Experte, der bereits bei verschiedenen Fernbus-Anbietern gearbeitet hat und zurzeit für den österreichischen Anbieter Dr. Richard den Aufbau eines Schweizer Fernbus-Angebots plant (siehe Box), geht von einer baldigen Offensive von Blablabus in der Schweiz aus. «Die Nachbarländer werden wohl als Nächstes folgen», sagt er. «Gegen Flixbus kann Blablabus nur ankommen, wenn die Firma schnell ein grosses Netzwerk in ganz Europa anbietet – und zwar sehr günstig.»

Im Fernbusmarkt funktioniere alles über den Preis, so Angehrn. Das zeigten schon die günstigen Einführungsangebote von Blablabus in Deutschland. «Der nächste Schritt wäre, Passagiere fürs Mitfahren zu bezahlen, um Kunden zu gewinnen», so Angehrn lachend. Aussichtslos sei der Kampf von Blablabus gegen den dominierenden Anbieter Flixbus keineswegs. «Die Firma hat zahlreiche grosse institutionelle Anleger und damit viel Geld im Rücken. Zudem hat sie Millionen Kundendaten von der Mitfahrplattform. Ich sehe sie als einzigen ernsthaften Konkurrenten von Flixbus.»

Marino Bus baut aus

Nicht nur Blablabus baut aus. Auch die italienische Firma Marino will einen grösseren Anteil vom Schweizer Kuchen. Vor kurzem hat sie die Bewilligung für eine Linie von Turin über Chiasso, Lugano, Olten und Basel nach Luxemburg und Köln erhalten. Wann sie startet, ist noch unklar.

Kürzlich hat Marino auch das Angebot auf den Strecken von Italien über Luzern, Zürich und Winterthur nach Deutschland vergrössert und fährt neu von Turin über die Schweiz nach Stuttgart, Mannheim und Frankfurt. Für die Fahrt von Zürich nach Frankfurt verlangt Marino umgerechnet 20 Franken – und unterbietet damit selbst Flixbus. Der Preiskampf hat erst begonnen.

Das ändert sich bei Schweizer Fernbussen

Seit einem Jahr fahren Fernbusse auch innerhalb der Schweiz. Der Anbieter Eurobus, der mit Flixbus kooperiert, fährt mit seinen Doppelstock-Bussen auf den Linien Basel-Zürich-Lugano, St. Gallen-Zürich-Genf und Montreux-Bern-Zürich. Wie viele Passagiere die Fernbusse nehmen, gibt Geschäftsführer Roger Müri nicht bekannt. Die Entwicklung sei aber erfreulich. Trotzdem sollen die Fahrpläne angepasst werden. So will Eurobus in Zukunft neue Früh- und Spätverbindungen an die Flughäfen Basel und Zürich, und Genf anbieten – zu Zeiten, zu denen diese mit dem ÖV nicht erreichbar sind. Dafür dürfte das Tages-Netz angepasst werden. Die neuen Linien müssen noch vom Bundesamt für Verkehr (BAV) bewilligt werden, Eurobus will laut Müri spätestens auf den Fahrplanwechsel im Dezember die Anpassungen vornehmen In den Startlöchern steht auch der österreichische Fernbus-Betreiber Dr. Richard, der ebenfalls ein Schweizer Netz und Früh- und Spätverbindungen an die Flughäfen anbieten will. Eine Bewilligung hat die Firma dafür noch nicht erhalten.

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