«Ein Wendepunkt»: Neue Hoffnung für die Therapie von Endometriose

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«Ein Wendepunkt»Neue Hoffnung für die Therapie von Endometriose

Schmerzen beim Sex, auf dem WC, während der Periode, im Alltag – das sind Anzeichen einer Endometriose. Jede zehnte Frau leidet daran. Dank eines neuen Zellatlas soll ihnen künftig schneller und besser geholfen werden können.

von
Fee Anabelle Riebeling

Sarina hat seit ihrer ersten Mens heftige Schmerzen. Ärzte sagten ihr, die Schmerzen seien normal oder gar psychosomatisch. Bis herausgefunden wurde: Sarina hat Endometriose.

F. Naef / A. Zingg

Darum gehts

  • Obwohl Endometriose zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen gehört, ist sie recht unerforscht. 

  • Entsprechend übersichtlich sind die bisherigen Therapiemassnahmen. 

  • Ein US-Forschungsteam hat nun einen Zellatlas erstellt, der Diagnose und Behandlung massiv verbessern soll. 

«Ich kann nicht mehr laufen, ich kann nicht liegen, ich schwitze einfach und weine.» Mit diesen Worten beschrieb Moderatorin Gülsha Adilji, wie sich Endometriose (siehe Box) anfühlt. Als «innerliches Verbrennen» beschreibt es 20-Minuten-Leserin Sarina (siehe Video) und Userin Sandra würde sich «lieber die Eingeweide rausreissen», als weiterhin solche Schmerzen zu haben.

So oder so ähnlich geht es weltweit rund zehn Prozent aller Frauen. US-Schauspielerin Amy Schumer mussten aufgrund ihrer Endometriose-Erkrankung Gebärmutter und Blinddarm entfernt werden. 

Das ist Endometriose

Die Gebärmutterschleimhaut baut sich auf, um dem befruchteten Ei einen Platz zum Einnisten zu schaffen. Dies geschieht normalerweise in der Gebärmutter. Manchmal siedeln sich die Schleimhautzellen jedoch auch ausserhalb an – etwa im Bauchraum, im Bereich der Eierstöcke und des Darms – und wuchern dort. Dann lautet die Diagnose Endometriose. Obwohl die chronisch-entzündliche Unterleibserkrankung zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen zählt, handelt es sich um eine eher unbekannte Krankheit und es kann Jahre dauern, bis die Endometriose als solche erkannt wird. Typische Symptome sind Schmerzen während der Periode, beim Stuhlgang, Wasserlassen und Sex. Auch ein gestörter Zyklus, auffallende Müdigkeit und Erschöpfung sowie eine erhöhte Infektanfälligkeit, insbesondere während der Menstruation, zählen dazu. Ausserdem: Blut im Urin und im Darm.

Bisher gibt es nur zwei Therapiemöglichkeiten

Die chirurgische Entfernung des wuchernden Gewebes ist eine von zwei Behandlungsmöglichkeiten, die Betroffenen bisher zur Verfügung stehen. Bei der anderen handelt es sich um eine Hormontherapie. Der Erfolg beider sei jedoch unterschiedlich. Zudem tauche die Krankheit häufig nach der Behandlung wieder auf, so Matthew Siedhoff vom Cedars-Sinai Medical Center. Der Endometriose-Spezialist aus Los Angeles hat gemeinsam mit anderen Fachleuten einen Zellatlas erstellt: eine Datenbank, die Diagnose und Behandlung der Erkrankung massiv verbessern soll. Das Team berichtet davon im Fachjournal «Nature Genetics».

«Endometriose ist eine wenig erforschte Krankheit, was zum Teil an den begrenzten zellulären Daten liegt, die die Entwicklung wirksamer Behandlungen behindert haben. In dieser Studie haben wir eine neue Technologie, die Einzelzellgenomik, angewandt, die es uns ermöglicht hat, ein Profil der vielen verschiedenen Zelltypen zu erstellen, die zu der Krankheit beitragen», sagte die Hauptautorin der Studie, Kate Lawrenson. Die Technologie liefert Antworten auf die Frage, wann welche Gene in welcher Zelle aktiv sind.

Rund jede zehnte Frau ist von Endometriose betroffen. 

Rund jede zehnte Frau ist von Endometriose betroffen. 

Getty Images/iStockphoto

Zellatlas ist riesiger Datenschatz

Der Zellatlas basiert auf der Analyse von fast 400’000 einzelnen Zellen von 21 Frauen, von denen einige an Endometriose leiden. «Wir waren in der Lage, die molekularen Unterschiede zwischen den wichtigsten Subtypen der Endometriose zu identifizieren», so Lawrenson.

Endometriose-Subtypen

Die Forschenden sind optimistisch, dass diese neue Datenbank zu einer verbesserten Behandlung der Erkrankung führt. Sie haben bereits damit begonnen, den neuen Zellatlas zu nutzen, um therapeutische Ziele in einem Mausmodell der Krankheit zu testen. «Diese Ressource kann nun von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der ganzen Welt genutzt werden, um bestimmte Zelltypen zu untersuchen, auf die sie spezialisiert sind. Das führt hoffentlich zu einer effizienteren und effektiveren Diagnose und Behandlung von Endometriose-Patienten», so Lawrenson. «Das ist wirklich ein Wendepunkt!» 

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