Forschungserfolg: Neue Hoffnung für Manisch-Depressive

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ForschungserfolgNeue Hoffnung für Manisch-Depressive

Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Diese Zustände sind typisch für Menschen mit einer bipolaren Störung. Forscher haben Gene entdeckt, die den Weg zu neue Therapien ebnen.

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Allfällige neue Therapien könnten auch Catherine Zeta-Jones helfen. Sie hat ihre bipolare Störung öffentlich gemacht.

Allfällige neue Therapien könnten auch Catherine Zeta-Jones helfen. Sie hat ihre bipolare Störung öffentlich gemacht.

Catherine Zeta-Jones und Sinead O'Connor stehen öffentlich dazu: Sie leiden an einer bipolaren Störung, bei der auf manische Hyperaktivität abgrundtiefe Depression folgt. An der Störung sind erbliche Faktoren stark beteiligt. Ein deutsch-schweizerisches Forscherteam hat nun zwei neue Risiko-Gene entdeckt und hofft, dass dieses Wissen neue Wege für Therapien aufzeigt.

Enorme Datenbasis

«Offenbar sind sehr viele verschiedene Gene an der bipolaren Störung beteiligt und wirken mit Umweltfaktoren auf komplexe Weise zusammen», liess sich Mitautor Sven Cichon vom Universitätsspital Basel in einer Mitteilung der Uni Basel zitieren. Die Störung, auch als manisch-depressive Krankheit bekannt, betrifft rund ein Prozent der Bevölkerung einmal im Leben.

Dank einer enorm grossen Datenbasis mit fast 10'000 Betroffenen und 14'000 Gesunden konnten die Forscher in ihrer Studie die Beiträge der einzelnen Gene herausfiltern. «Diese Beiträge sind so gering, dass sie normalerweise im Grundrauschen genetischer Unterschiede nicht zu erkennen sind», sagte Cichon.

Fünf Risikoregionen identifiziert

Mit automatisierten Analyseverfahren erfasste das Team unter Leitung der Universität Bonn im Erbgut der Teilnehmenden rund 2,3 Millionen verschiedene genetische Marker. Die statistische Auswertung förderte fünf Risikoregionen auf der DNA zu Tage, die mit der bipolaren Störung zusammenhängen.

Zwei der Gene wurden neu entdeckt, drei schon aus früheren Studien bekannte Gene wurden bestätigt. Die Forscher berichten darüber im Fachjournal «Nature Communications».

Signalleitung in Nervenzellen

Besonders interessant finden die Forscher eine der neu entdeckten Genregionen: Sie codiert ein Enzym, das an der Weiterleitung von Signalen in Nervenzellen hinein beteiligt ist. «Das passt sehr gut zu Beobachtungen, dass bei Patienten mit bipolarer Störung die Signalübertragung in bestimmten Regionen des Gehirns beeinträchtigt ist», erklärte der Bonner Studienleiter Markus Nöthen.

Mit der Suche nach beteiligten Genen klären die Wissenschaftler die biologischen Grundlagen der manisch-depressiven Krankheit Schritt für Schritt auf. Das Ziel ist es, Ansatzpunkte für neue Therapien zu identifizieren.

(fee/sda)

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