«Operation Gegossenes Blei»: Neue israelische Angriffswelle überzieht Gaza
Aktualisiert

«Operation Gegossenes Blei»Neue israelische Angriffswelle überzieht Gaza

Israel hat seine Luftangriffe auf den Gazastreifen in der Nacht zum Montag fortgesetzt. Kampfflugzeuge beschossen kurz nach Mitternacht die Islamische Universität in Gaza. An der Grenze zum abgeriegelten Palästinensergebiet hat Israel auch Panzerverbände zusammengezogen.

Auf dem Gelände der Islamischen Universität ist nach Hamas-Angaben ein Gebäude mit Labors zerstört worden. Eine israelische Armeesprecherin bestätigte die Angaben. Die Einrichtung sei von der Hamas zur Entwicklung von Waffen und Sprengstoffen benutzt worden, sagte sie.

In Gaza wurden neben der Islamischen Universität ein Gelände der Hamas-Regierung und ein von ihr genutztes Gästehaus beschossen. Ausserdem wurde das Gebäude neben dem Haus von Hamas-Führer Ismail Hanijah in einem Flüchtlingslager nahe Gaza bombardiert. Hanija hielt sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in dem Haus auf.

Palästinensischen Sanitätern zufolge kamen sieben Menschen, darunter fünf kleine Schwestern, bei einem Luftangriff auf ein Haus im Norden des Küstengebiets ums Leben. Drei weitere Kleinkinder seien beim Beschuss eines Hauses in Rafah getötet worden. Dieser Angriff habe vermutlich einem verlassenen Nachbargebäude gegolten, das einem hochrangigen Hamas-Extremisten gehörte, hiess es.

Ausserdem wurden bei einem Luftangriff auf das Flüchtlingslager Dschebalija nach palästinensischen Angaben vier Menschen getötet, darunter ein 14 Monate altes Baby. In Rafah im südlichen Gazastreifen seien bei einem Luftangriff ein Kleinkind und seine beiden Brüder im Teenageralter getötet worden. Der Angriff galt demnach einem Kommandeur der radikalislamischen Hamas.

Israel beschoss den Küstenstreifen zudem vom Meer aus. Marineschiffe hätten Hamas-Ziele im Hafen von Gaza ins Visier genommen, sagte ein Vertreter der radikal-islamischen Gruppe.

Israelischer Truppenaufmarsch

Im israelischen Grenzgebiet zum Gaza-Streifen wurden am Sonntag Panzer und Soldaten für eine Bodenoffensive zusammengezogen. Erstmals seit dem Libanonkrieg vor mehr als zweieinhalb Jahren billigte das israelische Kabinett die Einberufung von 6500 Reservisten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Regierung in Jerusalem auf, die Grenzen für die Lieferung dringend nötiger Hilfsgüter zu öffnen. Ein Mitarbeiter der Vereinten Nationen und acht Referendare seien getötet worden, erklärte Ban.

Palästinenser versuchen Ausbruch nach Ägypten

Hunderte Palästinenser im Gazastreifen haben am Sonntag an mehreren Abschnitten die Grenze nach Ägypten durchbrochen. Ägyptische Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer, wie Regierungsbeamte und Augenzeugen berichteten. Nach ägyptischen Angaben wurde ein Offizier bei einem Schusswechsel mit Palästinensern erschossen, fünf weitere Grenzsoldaten wurden verwundet. Auch ein Kind sei von einem Querschläger verletzt worden. Auf palästinensischer Seite wurde bei den Zusammenstössen ein Mann von einem ägyptischen Soldaten erschossen, vier weitere Palästinenser wurden verwundet, wie Gesundheitsbeamte berichteten.

Nach etwa vier Stunden brachten die ägyptischen Sicherheitskräfte die Lage nach eigenen Angaben wieder weitgehend unter Kontrolle. Es gab aber nach wie vor einzelne Zusammenstösse. Die meisten Palästinenser seien wieder in den Gazastreifen zurückgekehrt, hiess es. Sicherheitskräfte durchkämmten aber weiter das Gebiet auf der Suche nach schätzungsweise 200 palästinensischen Eindringlingen.

Tunnelanlagen bombardiert

Israelische Militärflugzeuge hatten das Grenzgebiet zuvor bombardiert. Ziel waren offenbar Tunnelanlagen. Dabei wurden nach palästinensischen Angaben zwei Menschen getötet und 18 verletzt.

Mehr als 1000 Tote und Verletzte

Die Zahl der Toten bei den israelischen Angriffen auf den Gazastreifen ist in der Nacht zu Montag auf mehr als 300 gestiegen.

Mehr als 800 Menschen wurden verletzt. Seit Samstagmittag hat Israel mehr als 300 Luftangriffe auf den Gazastreifen geflogen.

(Quelle: AP/SDA)

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