08.10.2020 21:28

Höhere NikotinabgabeNeue Juul-Pods machen schneller süchtig

«Neue Technologie» – die beiden Worte auf Liquid-Pods von Juul klingen harmlos, haben es aber in sich. Denn nach der Anpassung macht die E-Zigi schneller abhängig.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Die E-Zigarette Juul ist bei Teenagern in den USA extrem populär – obwohl sie eigentlich gar nicht für diese gedacht ist, sondern erwachsenen Rauchern beim Aufgeben ihres Lasters helfen soll.

Die E-Zigarette Juul ist bei Teenagern in den USA extrem populär – obwohl sie eigentlich gar nicht für diese gedacht ist, sondern erwachsenen Rauchern beim Aufgeben ihres Lasters helfen soll.

Bloomberg via Getty Images
Das Problem: Die Pods, mit denen die Juul befüllt wird, enthalten Nikotinsalze, die den Nikotinpegel im Blut ähnlich schnell ansteigen lassen wie bei klassischen Zigaretten. Damit haben sie ein beträchtliches Suchtpotenzial.

Das Problem: Die Pods, mit denen die Juul befüllt wird, enthalten Nikotinsalze, die den Nikotinpegel im Blut ähnlich schnell ansteigen lassen wie bei klassischen Zigaretten. Damit haben sie ein beträchtliches Suchtpotenzial.

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Warum die Juul sogar bei jenen Teenagern für Begeisterung sorgt, die nie zuvor geraucht haben, ist nicht eindeutig geklärt. Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz vermutet, dass das Produkt mit seinen verschiedenen Geschmacksrichtungen den Nerv der Zeit trifft.

Warum die Juul sogar bei jenen Teenagern für Begeisterung sorgt, die nie zuvor geraucht haben, ist nicht eindeutig geklärt. Monique Portner-Helfer von Sucht Schweiz vermutet, dass das Produkt mit seinen verschiedenen Geschmacksrichtungen den Nerv der Zeit trifft.

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Darum gehts

  • Laut Forschenden des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung hat der E-Zigaretten-Hersteller Juul seine Pods umgebaut.
  • Das Problem: Dadurch sollen die Konsumenten mehr Nikotin aufnehmen, wodurch es schneller zu einer Abhängigkeit kommen kann.
  • Der Hersteller weist die Vorwürfe zurück und gibt eine andere Erklärung für die Veränderung.

Anders als in den USA, wo ein einzelner Juul-Pod mit 80 Milligramm so viel Nikotin enthält wie ein ganzes Päckchen Zigaretten, sind in der EU – und dank Cassis-de-Dijon-Prinzip auch in der Schweiz – nur 20 Milligramm Nikotin (siehe Box) erlaubt. Das war nach der Lancierung im 1. Quartal 2019 so und ist es auch heute noch.

Trotzdem hat die Juul seit einiger Zeit das Potenzial, schneller abhängig zu machen, wie der «Beobachter» unter Berufung auf Erkenntnisse des Bundesinstituts für Risikobewertung in Berlin (BfR) berichtet. Dies nicht etwa, weil der Nikotingehalt erhöht worden wäre, sondern weil der US-Konzern an der Technologie der Pods geschraubt hat.

Die Krux mit dem Nikotin

Nikotin ist der Stoff, der Raucher, Snuser und Vaper bei der Stange hält. Das in Tabakblättern vorkommende Alkaloid dient der Pflanze als Schutz vor Fressfeinden. Beim Menschen wirkt es psychoaktiv. Es stimuliert die Ausschüttung von Dopamin und anderen Neurotransmittern. Während der Wirkdauer steigert es die psychomotorische Leistungsfähigkeit sowie Wahrnehmungsfähigkeit und Gedächtnisleistung. Zudem ist es ein Appetithemmer. In mittlerer Dosierung hat es eine entspannende Wirkung. In hohen Dosen ist es sehr giftig. Nikotin macht stark abhängig, was auch die Tabakindustrie bestätigt. Bei Jugendlichen kann es sich negativ auf die Entwicklung des Gehirns auswirken. Die WHO zählt Nikotin anders als viele bei der Verbrennung von Tabak entstehende Stoffe nicht zu den krebserregenden Substanzen. (jcg)

«Wesentlich höheres Risiko, abhängig zu werden»

Statt über einen Kieselsäure-Docht verfügen die neuen Modelle über einen aus Baumwolle, was laut BfR dazu führt, dass pro Zug deutlich mehr Nikotin eingesogen werden kann als mit dem alten Gerät. Das Urteil der Berliner Forschenden: «Der Nikotin­ausstoss des modifizierten europäischen Juul-Geräts kommt der US-amerikanischen Hochnikotinvariante sehr nahe.» Nichtraucher, die mit einem derart hohen Nikotinausstoss beginnen, «haben ein wesentlich höheres Risiko, abhängig zu werden», zitiert sie der «Beobachter».

Bei Juul Labs will man davon nichts wissen: «Unsere Studien zeigen für unsere Kieselsäure- und unsere Baumwolldochtprodukte mit 18 mg/ml eine ähnliche Nikotinabgabekurve, die im Übrigen in beiden Fällen viel niedrigerer ist als bei einer (Tabak-)Zigarette», so Juul-Sprecher Tobias Gerlach auf Anfrage von 20 Minuten. Das impliziert: Von einer verschleierten Trickserei kann nicht die Rede sein. Zudem habe man die Veränderung mit dem Hinweis «neue Technologie» versehen.

Kritik am Konzern

Doch warum wurde dann der Docht überhaupt verändert? Auch darauf hat Gerlach eine Antwort parat. Der Baumwolldocht ermögliche «für erwachsene Raucher eine Nikotinwirkung und -erfahrung, die mit Tabak-Zigaretten noch besser vergleichbar ist und eine konsistentere Zug-um-Zug-Wirkung erlaubt.» Besser lasse sich ein Widerspruch kaum formulieren, kommentiert das der «Beobachter».

Der US-Konzern steht nicht zum ersten Mal in der Kritik. Auch früher schon wurde moniert, dass Juul gezielt Jugendliche umwerbe (siehe Bildstrecke). Damit konfrontiert, betont das Unternehmen immer wieder, dass seine Produkte ausschliesslich dem Ziel dienten, die weltweit eine Milliarde erwachsenen Raucher von Tabakzigaretten wegzubringen.

Weniger Mitarbeiter und Rückzugsgedanken

Tatsächlich kommt das Juul-Prinzip in Europa und der Schweiz schlechter an als in den USA. So kündigte das Unternehmen im Mai 2020 etwa an, «deutlich über die Hälfte» seiner Mitarbeiter in Deutschland zu entlassen. Dies nicht etwa als Reaktion auf die Corona-Pandemie, wie Gerlach gegenüber der Fachzeitschrift «Lebensmittel Praxis» erklärte, sondern, weil sich der Markt anders entwickelt hat als geplant.

So hätten unter anderem die vielen Meldungen über gravierende Lungenschäden und sogar Todesfälle nach E-Zigi-Konsum für eine Kaufzurückhaltung gesorgt – «obwohl die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC öffentlich klargestellt hatte, dass diese Fälle in Zusammenhang stehen mit der Verwendung eines Vitamin-E-haltigen Öls in E-Liquids und nicht mit legalen E-Zigaretten». Laut Gerlach wird aus den gleichen Gründen auch ein Rückzug aus der Schweiz diskutiert. «Beide Massnahmen sind Teil eines breiteren, globalen Restrukturierungsprozesses von Juul Labs.»

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57 Tote und über 2000 schwer lungenkranke Personen bereiten der US-Gesundheitsbehörde CDC Sorgen: Was hat ihrer Gesundheit so stark zugesetzt? Und: War wirklich der Konsum von E-Zigaretten dafür verantwortlich? Einige Antworten darauf scheinen nun gefunden.

57 Tote und über 2000 schwer lungenkranke Personen bereiten der US-Gesundheitsbehörde CDC Sorgen: Was hat ihrer Gesundheit so stark zugesetzt? Und: War wirklich der Konsum von E-Zigaretten dafür verantwortlich? Einige Antworten darauf scheinen nun gefunden.

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Es gebe «direkte Belege» dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes und gewissen E-Zigi-Liquids beigemischtes Öl – sogenanntes Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat) – die Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen habe, so Anne Schuchat, stellvertretende Direktorin der CDC, in einer Mitteilung.

Es gebe «direkte Belege» dafür, dass ein aus Vitamin E gewonnenes und gewissen E-Zigi-Liquids beigemischtes Öl – sogenanntes Vitamin-E-Acetat (Tocopherylacetat) – die Gesundheitsbeschwerden hervorgerufen habe, so Anne Schuchat, stellvertretende Direktorin der CDC, in einer Mitteilung.

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Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass der Verursacher der schweren Lungenschäden in Liquids stecken könnte, die nicht aus dem regulären Handel stammen. Im September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids)

Schon früh hatte sich abgezeichnet, dass der Verursacher der schweren Lungenschäden in Liquids stecken könnte, die nicht aus dem regulären Handel stammen. Im September 2019 war der Verdacht auf Vitamin E gefallen, das in THC-haltigen Liquids nachgewiesen wurde. (Im Bild: aus dem Verkehr gezogene Schwarzmarkt-Liquids)

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