Aktualisiert 06.02.2008 10:28

Neue Kantonalbank lohnt sich nicht

In Appenzell Ausserrhoden wird keine neue Kantonalbank gegründet: Diesen Entschluss hat der Regierungsrat getroffen, wie er am Mittwoch mitteilte. Weder volkswirtschaftlich noch gesellschaftspolitisch sei seiner Ansicht nach ein Nutzen da.

Zu seinem Entscheid ist der Regierungsrat nach Vorabklärungen durch eine Arbeitsgruppe gekommen. Die Gründung einer neuen Kantonalbank hatte der Regierungsrat von sich aus prüfen lassen, wie Landammann Jakob Brunnschweiler(FDP) auf Anfrage der SDA sagte.

Wird nicht weiter verfolgt

Anlass zur Prüfung gab das Faktum, dass andere, gut geführte Kantonalbanken, stattliche Beträge an den Kanton abliefern. Die Appenzeller Kantonalbank (APPKB) mit Sitz in Appenzell in Innerrhoden liefert von ihrem 1997 erzielten Gewinn über sechs Millionen Franken an den Staat, wie sie Ende Januar bekannt gab.

Die Arbeitsgruppe empfahl dem Regierungsrat, das Projekt weiter zu verfolgen und mit Hilfe einer Machbarkeitsstudie genaue Abklärungen vorzunehmen. Trotzdem kam die Ausserrhoder Regierung zum Schluss: Eine Neugründung einer Kantonalbank wäre mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden. Sie stützt sich dabei auf einen Experten.

Hohe Investitionen nötig

Für den Kanton wären zur Gründung einer neuen Kantonalbank laut Brunnschweiler sehr hohe Investitionen nötig. Diese will der Regierungsrat nicht tätigen, denn die Bankenlage im Halbkanton sei für die Bevölkerung ausreichend, wie es im Communiqué heisst.

Die APPKB betreibt gegenwärtig keine Filialen in Appenzeller Ausserrhoden. Und sie hat das auch nicht vor, ihr Filialnetz von Innerrhoden nach Ausserrhoden auszuweiten, wie die Verantwortlichen unlängst an der Bilanz-Medienkonferenz klar zum Ausdruck brachten.

St. Galler Kantonalbank (SGKB) indessen versteht sich als «Bank der St. Galler und Ausserrhoder». Seit 1996 betreibt sie in Herisau eine Filiale, seit 2005 auch in Teufen. Ingesamt beschäftigt die SGKB in Ausserrhoden 16 Mitarbeitende. Laut SGKB-Sprecher Simon Netzle sind weitere Filialen in Ausserrhoden nicht ausgeschlossen.

100 Millionen abgeschrieben

Die total marode Ausserrhoder Kantonalbank war 1996 nach einem Landsgemeinde-Entscheid an die UBS verkauft worden. Der Untergang der ARKB war ein Skandal gewesen, der erst nach einer Intervention der Eidgenössischen Bankenkommission aufflog. Unter anderem waren ein Bordell in Genf und eine Fischfarm in Kanada finanziert worden.

Der heutige Bundesrat Hans-Rudolf Merz, seinerzeit letzter Bankpräsident der ARKB, hatte nach der Aufdeckung des Skandals im Auftrag des Regierungsrats die Kantonalbank zu retten versucht.

Weil aber ständig neue Probleme aufgetaucht waren, hatte Merz die Bank zusammen mit der damaligen Finanzdirektorin und heutigen FDP-Nationalrätin Marianne Kleiner nach dem Ja des Volks an die UBS verkauft. Der Kanton musste rund 100 Millionen Franken abschreiben.

(dapd)

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