Aktualisiert 21.01.2020 10:09

ChinaNeue Lungenkrankheit fordert viertes Todesopfer

Die in Zentralchina verbreitete Sars-Variante hat einem 89-jährigen Mann das Leben gekostet. Nachbarländer sind gewarnt.

von
chk
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Hat seine Mitarbeiter aufgefordert, von Taiwan nicht nach Wuhan zurückzukehren: Foxconn-Werk. (Archivbild)

Hat seine Mitarbeiter aufgefordert, von Taiwan nicht nach Wuhan zurückzukehren: Foxconn-Werk. (Archivbild)

Keystone/AP/Aleksandar Plavevski
Im Fall der mysteriösen Lungenkrankheit in China wurden erstmals zwei Fälle einer Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt. (20. Januar 2020)

Im Fall der mysteriösen Lungenkrankheit in China wurden erstmals zwei Fälle einer Übertragung von Mensch zu Mensch bestätigt. (20. Januar 2020)

epa/Stringer
In der Provinz Guangdong habe sich medizinisches Personal infiziert.

In der Provinz Guangdong habe sich medizinisches Personal infiziert.

epa/Yonhap

In China hat eine neuartige Lungenkrankheit einem weiteren Patienten das Leben gekostet. Wie die Gesundheitsbehörde der zentralchinesischen Metropole Wuhan mitteilte, starb ein 89-jähriger Mann, der mit dem Coronavirus infiziert war, bereits am Sonntag im Krankenhaus.

Damit sind seit dem Ausbruch der Krankheit vier Todesfälle in China bestätigt. Zudem wurde das Virus bei mindestens 15 Krankenhausangestellten in Wuhan nachgewiesen, wo das Virus Ende Dezember ausgebrochen war. Demnach gibt es unter den medizinischen Angestellten einen weiteren Verdachtsfall.

Am Montag hatten die Behörden erstmals mitgeteilt, dass Pflegepersonal betroffen ist und die Übertragbarkeit des Erregers von Mensch zu Mensch bestätigt.

Für Experten ist es ein wichtiger Indikator, ob Ärzte und Pfleger von einer neuen Erkrankung betroffen sind: Infizieren sich viele von ihnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit.

Die Zahl bestätigter Infektionen in China war Anfang der Woche sprunghaft auf über 220 gestiegen. Auch wurden erste Erkrankungen in Thailand, Japan und Südkorea nachgewiesen.

Sars-Variante

Analysen des Erbguts hatten dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich bei dem Erreger um eine Sars-Variante handelt. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend 2002/2003 eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben.

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der grössten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs.

Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben wegen der neuen Lungenkrankheit inzwischen Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Erster Fall in Südkorea

Auch in Südkorea wurde das neuartige Coronavirus erstmals diagnostiziert. Betroffen ist eine 35-jährige Chinesin, die sich zuvor in Wuhan aufgehalten hat.

Das Londoner Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Infizierten schon jetzt deutlich höher liegt als von Peking angegeben: Es hatte am Freitag mitgeteilt, dass es von mehr als 1700 Infizierten ausgehe. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan war das Virus zuerst im Dezember auf einem dortigen Fischmarkt aufgetreten.

WHO-Krisentreffen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für Mittwoch ein Krisentreffen in Genf einberufen. Ein Notfallkomitee soll sich mit der Krankheit befassen, wie die WHO am Montag bekanntgab. Die Experten sollen demnach darüber beraten, ob ein internationaler Gesundheitsnotstand ausgerufen wird (chk/sda)

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