16.06.2020 12:59

Mehr StachelnNeue Mutation macht Coronavirus noch ansteckender

Dass Viren mutieren, muss für uns Menschen nicht zwangsläufig negativ sein. Doch im Fall von Sars-CoV-2 haben Forscher eine möglicherweise beunruhigende Entdeckung gemacht.

von
Fee Anabelle Riebeling
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US-Forscher berichten von einer Mutation des neuartigen Coronavirus, das dieses infektiöser macht: So erhöht sie die Zahl der Stacheln an der Virushülle, die Sars-CoV-2 benötigt, um in den menschlichen Körper zu gelangen.

US-Forscher berichten von einer Mutation des neuartigen Coronavirus, das dieses infektiöser macht: So erhöht sie die Zahl der Stacheln an der Virushülle, die Sars-CoV-2 benötigt, um in den menschlichen Körper zu gelangen.

CDC/PD
Laut den Wissenschaftlern liesse sich dadurch die starke Verbreitung und hohe Coronavirus-Ansteckung in den USA erklären.

Laut den Wissenschaftlern liesse sich dadurch die starke Verbreitung und hohe Coronavirus-Ansteckung in den USA erklären.

KEYSTONE
Was die erhöhte Infektiosität für die Tödlichkeit von Sars-CoV-2 bedeutet, ist noch offen. Ebenso unklar ist, wie lange wir noch mit welchen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus Leben müssen. Das zeigt eine Befragung der «New York Times».

Was die erhöhte Infektiosität für die Tödlichkeit von Sars-CoV-2 bedeutet, ist noch offen. Ebenso unklar ist, wie lange wir noch mit welchen Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus Leben müssen. Das zeigt eine Befragung der «New York Times».

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Darum gehts

  • Eine Veränderung des Coronavirus könnte es laut einer Studie noch ansteckender machen, als es ursprünglich war.
  • Die D614G genannte Mutation erhöht die Zahl der Stacheln an der Virushülle, die es benötigt, um andere Zellen zu befallen.
  • Was die erhöhte Infektiosität für die Tödlichkeit von Sars-CoV-2 bedeutet, ist noch offen.

Nur zwei Monate nachdem das neuartige Coronavirus ausgebrochen war, gab es erste Berichte, dass das Sars-CoV-2 mutiert sei. Die Meldungen stammten unter anderem aus Italien, aber auch aus Brasilien. Sie beunruhigten viele Menschen. Doch Hiobsbotschaften waren es nicht. Denn Viren mutieren immer (siehe Box).

Doch nun berichten Forscher vom Scripps Research Institute in Florida von einer neuen Mutation des Virus, die der Grund dafür sein könnte, dass frühe Ausbrüche von Covid-19 weniger dramatische Folgen gehabt hätten als solche etwa in Italien oder New York. So könnte die Veränderung Sars-CoV-2 noch ansteckender machen als in der Ursprungsform.

Was passiert, wenn Viren mutieren?

Als Mutation wird die spontan auftretende und dauerhafte Veränderung des Erbguts bezeichnet. Das Virus passt sich an den Wirt an – zur eigenen Optimierung und Überlebenssicherung. Das geschieht immer. Seine Gefährlichkeit erhöht sich dadurch nicht zwangsläufig. Es kann sogar genau das Gegenteil bewirken, wie Virologe Christian Drosten in seinem Podcast erklärte. Demnach könnten Viren im Rahmen der Anpassung ihre Fähigkeit, krank zu machen, sogar abschwächen. Für ein Virus kann eine solche Entwicklung Sinn ergeben. Schliesslich will es sich so weit wie möglich verbreiten. Tötet es seinen Wirt, erreicht es dieses Ziel deutlich schlechter, als wenn der Wirt weiterlebt und das Virus verteilt.

Anhand einer britischen Studie zeigt Drosten auf, dass sich Sars-CoV-2 dahingehend entwickelt haben könnte, dass «es besser in der Nase repliziert und besser übertragen wird. Aber in der Nase werden wir nicht allzu krank davon. Das heisst, das Ganze wird auf lange Sicht zu einem Schnupfen, der sich für die Lunge gar nicht mehr interessiert. So etwas könnte passieren.»

Wie stark ein Virus mutiert, hat einen Einfluss darauf, ob ein allfälliger Impfstoff wirkt oder nicht. Da etwa Grippeviren sehr stark mutieren, muss für jede Grippesaison eine neue Wirkstoffkombination für die Grippeimpfung entwickelt werden. Wie das bei einem allfälligen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 aussehen wird, ist noch völlig offen. Die Impfstoff-Entwicklung läuft allerdings auf Hochtouren.

In Zellkulturen war das Virus viel infektiöser

Die Mutation – D614G genannt – erhöht der noch nicht von externen Fachleuten begutachteten Studie zufolge die Zahl der Stacheln an der Aussenhaut des Virus. Teilweise um das Vier- bis Fünffache, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.

Weil das Virus diese Stacheln für das Andocken im Körper benötigt, gehen die Forscher davon aus, dass der Erreger dadurch infektiöser geworden ist. Tests mit harmlosen Virentypen bestätigen das: «In unseren Zellkulturen waren die Viren mit dieser Mutation viel infektiöser als die ohne sie», so Hyeryun Choe, Co-Autorin der Arbeit, in einer Mitteilung.

Infektiöser, aber auch tödlicher?

Ob die Veränderung der Virushülle tatsächlich Auswirkung auf den Verlauf der Pandemie hat, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen, so die Forscher. Zumindest die starke Verbreitung und hohe Coronavirus-Ansteckung in den USA liesse sich aber dadurch erklären.

«Es ist wichtig, weil es zeigt, dass sich das Virus zu seinem Vorteil und wahrscheinlich zu unserem Nachteil verändert. Bisher hat es einen guten Job gemacht, sich an die menschliche Kultur anzupassen», so der Molekularbiologe William Haseltine gegenüber CNN.com.

Die gesteigerte Infektiosität bedeute aber nicht, dass das Virus zu schwereren Symptomen bei Infizierten oder einer höheren Todesrate führe, erklären die Forscher. Um darüber Auskünfte geben zu können, bedürfe es weiterer Studien.

Einfallstor Nase

Das Coronavirus infiziert zunächst die Nasenschleimhaut und vermehrt sich dort. Erst dann befällt es Rachen und Lunge. Das berichten Forscher der University of North Carolina at Chapel Hill im Fachjournal «Cell». Das Team um Yixuan Hou hatte mithilfe von Gentechnik eine grün fluoreszierende Variante des Virus geschaffen und seinen Weg in den Körper verfolgt. Bei der anschliessenden Untersuchung der verschiedenen Zelltypen in der Nasen-, Rachen- und Bronchialschleimhaut stellten sie ausserdem fest, dass die Dichte an ACE2-Rezeptoren, über die Sars-CoV-2 in den Körper gelangt, entlang der Strecke von den oberen zu den unteren Atemwegen abnimmt. Entsprechend sei die Nase in jedem Fall die wichtigste Eintrittspforte für das Coronavirus.

Das zeigt laut Martin Westhofen, Professor für HNO-Heilkunde am Universitätsklinikum Aachen, wie wichtig nicht nur das Tragen, sondern vor allem das richtige Tragen von Masken ist: «Wer sie nur über den Mund zieht, der lässt einen Zu- und Ausgangsweg für Viren offen, das kann tatsächlich fatale Folgen haben», zitiert ihn General-anzeiger-bonn.de. Denn wenn sich das Viren in der Nase massiv vermehrt, gibt sie diese beim Ausatmen auch wieder frei – in beträchtlicher Menge.

Beim Maskentragen sollte man immer dieses Meme im Hinterkopf haben: Nur wenn die Nase bedeckt ist, bringt die Maske etwas.

Beim Maskentragen sollte man immer dieses Meme im Hinterkopf haben: Nur wenn die Nase bedeckt ist, bringt die Maske etwas.

9gag

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311 Kommentare
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virus

17.06.2020, 17:51

Chillt ein mal dieser virus läuft jA am meisten harmlos dienluete wo sich infizieren haben nur leichte oder gar keine symptome also leite keine Panik weil Medien machen schon nur panik

Schau gut zu dir

17.06.2020, 13:50

Es wäre so einfach, aber niemand lobbyiert dafür weil es kein Geld bringt: Entzündungen werden hauptsächlich durch schlechten Lifestyle (Schlaf- und Erholungsmangel, Stress) und schlechte Essgewohnheiten verursacht. Z.B. der Konsum von Fleisch und anderen tierischen Eiweissen, verarbeiteten Getreideprodukten und Alkohol sind bekannte Entzündungsfaktoren. Aber dann müsste man halt selbst etwas ändern, darum hören es viele nicht gerne. Aber es wäre wirklich so einfach.

Nicki

17.06.2020, 02:49

Lustig finde ich das. Heute nun wurde Dexamethason als sehr, sehr nützlich bekannt gegeben. Hallo, ein syntethisch hergestelltes Cortison, welche Abwehrreaktionen, und somit auch Entzündungen, hemmen kann. DAS ist ja nun nichts Neues. Malariamittel sollen ja auch helfen, hat es eine zeitlang geheissen. Habe beides zu Hause. Soll ich mich mal durch mein Medikamentschüsselchen futtern? Habe übrigens seit 4 1/2 Jahren Krebs.