1.-August-Feier: Neue Nationalhymne spaltet die Rütli-Gänger
Aktualisiert

1.-August-FeierNeue Nationalhymne spaltet die Rütli-Gänger

Zum ersten Mal wurde bei der Bundesfeier auf dem Rütli die neue Nationalhymne gesungen. Doch das «Weisse Kreuz auf rotem Grund» sorgt auch für rote Köpfe.

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bus/dag

«Weisses Kreuz auf rotem Grund»: Auf dem Rütli wurde neben der alten auch die neue Hymne gesungen.

Eine moderne Hymne, die den Schweizerpsalm ergänzt: Dieses Ziel verfolgt die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) - und stösst damit immer wieder auf Widerstand aus Bevölkerung und Politik.

Dennoch wurde die neue Hymne bei der Bundesfeier am Montag auf dem Rütli gesungen. Zur Überraschung von SGG-Geschäftsleiter Lukas Niederberger ganz ohne Zwischenrufe und Pfiffe: «Wir haben uns natürlich Sorgen gemacht, dass es unter den 1400 Gästen ein Pfeifkonzert geben wird. Umso glücklicher bin ich, dass beim Vortragen der neuen Nationalhymne viele der Besucher sogar mitgesungen haben.»

Rütli-Gäste sind geteilter Meinung

Obwohl es während der Hymne zu keinen Zwischenfällen kam, goutierten nicht alle Besucher auf der Rütliwiese die neue Hymne: «Ich finde es nicht notwendig, einen neuen Text für unsere Hymne zu finden. Generell ist eine Hymne für mich etwas Altbackenes», findet Jucika Tauss aus Schwyz.

Bei anderen Gästen hingegen stösst der Text auf Anklang: «Mit dem Schweizerpsalm kann sich kaum noch jemand identifizieren, das sieht man auch bei Fussballspielen. Die neue Hymne ist erfrischend, da sie auf moderne Werte setzt», sagt Fabian Weber aus Basel.

«SGG hat ihre Orientierung verloren»

Keine Freude an der neuen Hymne hat der Nidwaldner SVP-Nationalrat Peter Keller: «Die SGG hat den Auftrag der Eidgenossenschaft, das Rütli zu hüten. Genau diese SGG missbraucht nun das Rütli, um es als Plattform für ein Projekt zu benützen, das niemand verlangt.»

Keller fragt sich gar, ob die SGG noch die richtige Trägerin des Rütli-Mandats sei. Darum werde er in der Herbstsession einen entsprechenden Vorstoss einreichen. «Die SGG hat ihre Orientierung verloren. Bei ihrer Gründung 1810 war es Aufgabe der SGG, die Gesellschaft in der Schweiz zusammenzubringen», sagt Keller. Heute sei das Gegenteil der Fall: Die SGG würde Unfrieden stiften, indem ihr Präsident und der Geschäftsführer «Selbstprofilierungsübungen» ausführen würden. Auch am Text der neuen Hymne lässt Keller kein gutes Haar: «Dieser Text wie etwa die Zeile ‹Weisses Kreuz auf rotem Grund, singen alle wie aus einem Mund› hat ein erbärmliches Niveau.»

«Die neue Hymne ist geeigneter»

Dennoch ist Niederberger optimistisch, dass sich die Hymne als Ergänzung zum Schweizerpsalm durchsetzen wird: «In der Schweiz ist bereits jeder vierte nicht mehr religiös. Deshalb ist es eine Vereinnahmung, ein Gebet wie den Schweizerpsalm als Nationalhymne zu haben», sagt der ehemalige Jesuitenpater. «Zu einem rein männlichen, pantheistischen Nationalgott zu singen, das geht einfach nicht. Der Gott, der dort besungen wird, ist keineswegs christlich», so Niederberger gegenüber «Zentral+».

Ein Text, der auf Werten basiere, sei für die Zukunft sicher geeigneter.

Nun will die SGG den Text noch stärker unters Volk bringen und zu gegebener Zeit den Bundesbehörden als neue Hymne vorschlagen.

Der Text der neuen Nationalhymne:

Weisses Kreuz auf rotem Grund,

unser Zeichen für den Bund:

Freiheit, Unabhängigkeit, Frieden.

Offen für die Welt, in der wir leben,

woll'n wir nach Gerechtigkeit streben.

Frei, wer seine Freiheit nützt,

stark ein Volk, das Schwache stützt.

Weisses Kreuz auf rotem Grund,

singen alle wie aus einem Mund.

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