Schweiz: «Neue nikotinabhängige Generation» – Hype um Wegwerf-Vapes bei Jungen

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Schweiz«Neue nikotinabhängige Generation» – Hype um Wegwerf-Vapes bei Jungen

Einweg-E-Zigaretten liegen derzeit im Trend. Experten zeigen sich besorgt. 

von
Seline Bietenhard
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Laut der Lungenliga Schweiz zielt das Produktdesign mit den Farben und attraktiven Namen für die verschiedenen Geschmacksrichtungen eindeutig auf ein junges Publikum ab.

Laut der Lungenliga Schweiz zielt das Produktdesign mit den Farben und attraktiven Namen für die verschiedenen Geschmacksrichtungen eindeutig auf ein junges Publikum ab.

20min/Marco Zangger
Die Einweg-E-Zigaretten gibt es dabei in zahlreichen Geschmacksrichtungen, unter anderem Strawberry Banana, Cotton Candy Ice oder Mango Milk Ice von der Marke Elfbar.

Die Einweg-E-Zigaretten gibt es dabei in zahlreichen Geschmacksrichtungen, unter anderem Strawberry Banana, Cotton Candy Ice oder Mango Milk Ice von der Marke Elfbar.

20min/Marco Zangger
 «Wir stellen fest, dass die Produkte sehr gefragt sind. Seit Anfang Jahr steigen die Verkaufszahlen monatlich um 30 Prozent», sagt Mario Puppo, Gründer der Firma Vape Heaven GmbH/Vape.ch.

«Wir stellen fest, dass die Produkte sehr gefragt sind. Seit Anfang Jahr steigen die Verkaufszahlen monatlich um 30 Prozent», sagt Mario Puppo, Gründer der Firma Vape Heaven GmbH/Vape.ch.

20min/Marco Zangger

Darum gehts

  • Wegwerf-Vapes sind vor allem bei den Jungen beliebt. 

  • Auch wenn E-Zigaretten als weniger schädlich als klassische Zigaretten gelten, risikofrei sind sie nicht.

Ob in der Badi oder im Ausgang: Wegwerf-Vapes, die wie Leuchtstifte aussehen und süss riechen, sieht man derzeit überall. Die Einweg-E-Zigaretten gibt es dabei in zahlreichen Geschmacksrichtungen, unter anderem Strawberry Banana, Cotton Candy Ice oder Mango Milk Ice von der Marke Elfbar. «Wir stellen fest, dass die Produkte sehr gefragt sind. Seit Anfang Jahr steigen die Verkaufszahlen monatlich um 30 Prozent», sagt Mario Puppo, Gründer der Firma Vape Heaven GmbH/Vape.ch und Präsident der Swiss Vape Trade Association.

Obwohl der Zugang zu den Produkten für Minderjährige gesetzlich noch nicht verboten sei, setzten die Verbandsmitglieder in Zusammenarbeit mit dem BAG freiwillig auf eine Kundschaft ab 18 Jahren. «Wir konzentrieren uns auf Erwachsene, die mit dem Rauchen aufhören und aufs massiv weniger schädliche Dampfen umsteigen wollen», sagt Puppo. Ein Fan von Wegwerf-Vapes sei er nicht. «Die verschiedenen Bestandteile sind eine Ressourcenverschwendung, wenn sie im regulären Abfall entsorgt werden nach nur einer Verwendung. Wir empfehlen wiederaufladbare Geräte, wo auch der Nikotingehalt reguliert werden kann», so Puppo.

Laut der Lungenliga Schweiz zielt das Produktdesign mit den Farben und attraktiven Namen für die verschiedenen Geschmacksrichtungen eindeutig auf ein junges Publikum ab. «Wir stellen fest, dass die Produkte auf zahlreichen Pausenhöfen aufgetaucht sind. Der Markt boomt. Das ist besorgniserregend», sagt Claudia Künzli, Leiterin Gesundheitsförderung und Prävention. Das Problem sei, dass die Produkte nur schwer von einem Stabilo Boss zu unterscheiden seien und vor der Lehrerschaft und den Eltern einfach versteckt werden könnten. Zudem kämen Teenager viel zu leicht an die Produkte. Die gesundheitlichen Auswirkungen seien vergleichbar mit denjenigen von anderen E-Zigaretten. «Im Gegensatz zu anderen E-Zigaretten werden diese Produkte aber mit Nikotinsalz betrieben, das eine stärkere Suchtwirkung hat», so Künzli.   

«Laufen Gefahr, eine neue nikotinabhängige Generation zu schaffen» 

Auch Thomas Beutler, Sprecher bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz, zeigt sich besorgt: «Wir stellen fest, dass es mehr Anfragen zu den Wegwerf-E-Zigaretten gibt. Ich persönlich sehe in der Öffentlichkeit hauptsächlich Kinder und Jugendliche, die diese Produkte konsumieren.» Auch wenn die Beobachtungen nicht verallgemeinert werden dürften, warnt er: «Mit den Einweg-E-Zigaretten laufen wir Gefahr, eine neue nikotinabhängige Generation zu schaffen.» 

Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Zigarette wird bei der E-Zigarette kein getrockneter Tabak verbrennt. Stattdessen kommt eine spezielle Flüssigkeit, auch Liquid genannt, zum Einsatz. Diese wird von einer Heizspule verdampft. Auch wenn E-Zigaretten als weniger schädlich als klassische Zigaretten gelten, risikofrei sind sie nicht. «Wie gross die gesundheitlichen Risiken sind, können wir derzeit nicht sagen», sagt Thomas Beutler, Sprecher bei der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz. Ein Grund dafür sei das riesige Ausmass an verschiedenen Produkten, die erhältlich sind, und das Ausmass an verschiedensten Stoffen, die den Liquids hinzugefügt werden.

Wie findest du die Wegwerf-E-Zigaretten? 

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine Spiel-, Kauf-, Online- oder eine andere Verhaltenssucht?

Hier findest du Hilfe:

Sucht Schweiz, Tel. 0800 104 104

Spielen ohne Sucht, Tel. 0800 040 080

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

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