Bern: Neue Projekte gegen die hohe Erwerbslosigkeit
Aktualisiert

BernNeue Projekte gegen die hohe Erwerbslosigkeit

Die Erwerbslosenquote liegt in Bern deutlich über dem Landesschnitt. Mit einem neuen Massnahmenpaket will die Stadt dies nun ändern.

von
Thomas Kohler
Die Stadt Bern kämpft mit neuen Massnahmen gegen die Erwerbslosigkeit.

Die Stadt Bern kämpft mit neuen Massnahmen gegen die Erwerbslosigkeit.

Die Erwerbslosenquote im Kanton Bern bereitet Grund zur Sorge: Bei den tiefqualifizierten Personen ist sie in der letzten Periode seit 2010 von 6,9 auf satte 11,1 Prozent angestiegen. «Damit ist die Quote deutlich höher als der Landesdurchschnitt», sagt Felix Wolffers, Leiter des Sozialamts der Stadt Bern an einer Medienkonferenz am Dienstag. Noch düsterer sieht die Situation für die Altersgruppe der 25- bis 39-Jährigen aus. «Hier liegt die Erwerbslosenquote im Kanton Bern bei rekordhohen 15 Prozent», ergänzt Wolffers. Die Erwebslosenquote beinhaltet neben den Arbeitslosen auch jene Personen, die ausgesteuert oder nicht beim RAV angemeldet sind. Für diese Personen seien Arbeitsintegrationsprogamme besonders wichtig, sagt Wolffers.

«Arbeitslosigkeit macht krank»

Mit einem auf vier Jahre ausgelegten Aktionsprogramm will der Gemeinderat der Stadt Bern nun dafür sorgen, dass von der Sozialhilfe unterstützte Personen besser in den Arbeitsmarkt integriert werden können. «Wer arbeitslos ist, den plagen nicht nur finanzielle Sorgen und ein vermindertes Selbstwertgefühl. Auch die Aussichten, im Arbeitsleben wieder Fuss zu fassen, werden schlechter, je länger die Abwesenheit dauert», sagt Gemeinderätin Franziska Teuscher. Zudem sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass Arbeitslosigkeit krank mache.

Obwohl der Stadt deutlich weniger Mittel zur Verfügung stehen als früher, will sie mit einem neuen Aktionsprogramm eine breite Palette von Integrationsprojekten anbieten. «Dabei konzentriert sich die Strategie hauptsächlich auf die Bekämpfung der Ausbildungs- und Langzeitarbeitlosigkeit», sagt Jürg Fassbind, Leiter des Kompetenzzentrums Arbeit der Stadt Bern.

Stadt kämpft gegen prekäre Arbeitsplätze

Der neue Aktionsplan enthält zehn Massnahmen, welche die Arbeitslosigkeit nachhaltig bekämpfen sollen. Dabei sollen bestehende Massnahmen wie das Integrationsprojekt für Teenie-Mütter oder das Teillohnprojekt «jobtimal.ch» weitergeführt werden. Neu im Visier hat die Stadt sogenannte «prekäre Arbeitsplätze». «Damit gemeint sind beispielsweise Menschen, die Arbeit auf Abruf verrichten, und sogenannte Working Poor», erklärt Fassbind. Menschen in der Reinigungs- und Gastronomiebranche seien hier überdurchschnittlich betroffen. Das Kompetenzzentrum Arbeit versucht innerhalb des Projektes nun, die vertraglichen Verhältnisse zu optimieren oder sucht neue Stellen mit stabileren Arbeitsverhältnissen und einem höheren Lohn.

Doch die Stadt geht noch einen Schritt weiter. Sie überlegt sich, Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, die Leistungsaufträge von der Stadt beziehen. Diese Firmen könnten künftig verpflichtet werden, Sozialstellen zu schaffen, wenn sie einen Leistungsauftrag erhalten wollen. «Denn die Reintegration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt kann nicht allein von der Sozialhilfe erreicht werden», sagt Gemeinderätin Teuscher. «Es braucht hierfür grosse Anstrengungen der ganzen Gesellschaft.»

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