Aktualisiert 13.01.2014 14:44

«Big Brother» extremNeue Realityshow «Utopia» ist der reine Psychoterror

«Big Brother»-Erfinder John de Mol hat eine neue Realityshow kreiert. Bei «Utopia» werden 15 Kandidaten ein Jahr lang unter härtesten Bedingungen weggesperrt.

von
lme

Seit Montag läuft auf der holländischen Sendergruppe SBS eine neue Realityshow aus der Feder von «Big Brother»-Erfinder John de Mol. «Utopia» heisst die Sendung und ist wohl das Extremste, was die TV-Welt in den letzten Jahren gesehen hat. Worum es geht? 15 Kandidaten werden ein Jahr lang in einem von Äckern umgebenen Hangar untergebracht. Den Bewohnern stehen ein festes Jahresbudget, nur ein Strom- und Wasseranschluss, zwei Kühe, einige Hühner und ein Handy zur Verfügung. Toiletten, Betten oder eine Heizung gibt es nicht.

Dafür werden die Bewohner 24 Stunden am Tag gefilmt. Das Ziel der Sendung ist, zumindest laut der Produktionsfirma Endemol, dass die Kandidaten eine neue Gesellschaftsordnung schaffen. Der Zeitung «De Volkskrant» sagt De Mol, die Sendung sei ein «soziales Experiment». Die Bewohner sollen sich organisieren, sich selbst versorgen, Rangordnungen schaffen. Das eigentliche Ziel wird aber sein, dass die Situation unter den härtesten Bedingungen eskaliert. Denn Harmonie verkauft sich schlecht.

Medienpsychologe Professor Jo Gröbel sieht in «Utopia» eine logische Entwicklung: «Big Brother ist längst kein Aufreger mehr und lockt niemanden hinter dem Ofen hervor. Vielleicht sind wir alle schon so abgebrüht, dass wir nicht mehr merken, dass diese Sendung schon ein ziemlicher Hammer ist.» Dass Realityshows aber noch viel extremer werden, glaubt Gröbel nicht: «Gladiatorenspiele wird es zum Glück nie am TV geben. Dafür ist der Schweizer Markt juristisch zu gut geregelt.»

Ähnliches Experiment eskalierte

«Utopia» erinnert in seiner Machart stark an das Stanford-Prison-Experiment aus dem Jahr 1971. Bei dem psychologischen Versuch wurden fiktive Häftlinge jeweils zu dritt in eine beengende Zelle ohne Toilette gesperrt, bewacht von ebenfalls falschen Wärtern. «Das Experiment», der Film mit Moritz Bleibtreu, thematisierte die Geschehnisse im Stanford Prison.

Bereits am dritten Tag geriet das Experiment damals ausser Kontrolle. Die Gefangenen litten unter extremen Stressreaktionen, einige Wärter zeigten sadistisches Verhalten. Die Versuchsleiter mussten einschreiten, um Misshandlungen zu verhindern. Bereits nach sechs Tagen wurde das Experiment abgebrochen. Ursprünglich waren zwei Wochen geplant.

Auch ein Vergleich mit der Erfolgsfilm-Reihe «Hunger Games» liegt nahe. Zur Belustigung des Publikums werden dort Gladiatoren in eine Arena gesperrt, mit dem Ziel, sich gegenseitig zu zerfleischen. Warum tun sich die Zuschauer solche Sendungen an? «Voyeurismus ist ein Urinstinkt des Menschen», sagt Medienpsychologe Gröbel. Und eines ist für den Experten klar: «Die Aufregung und Kontroverse über die Sendung nutzen der Show und der Quote auf jeden Fall.»

Was halten Sie von «Utopia»? Diskutieren Sie mit in unserem Talkback.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.