Aktualisiert 07.06.2012 21:06

Tückischer LebenssaftNeue Risiken bei Blutspenden

Tropenkrankheiten breiten sich immer weiter aus. Das hat auch Folgen für das Spenden von Blut. Denn ist der Lebenssaft infiziert, wird er für den Empfänger zur Gefahr.

von
Corinne Hodel

Tigermücken und andere Blutsauger sind infolge der Klimaerwärmung auf dem Vormarsch – und mit ihnen die Erreger, die sie übertragen.

Da Krankheiten nicht immer oder erst verzögert ausbrechen, kann eine Person unbemerkt infiziert sein. Spendet sie Blut, können die Folgen für dessen Empfänger fatal sein: Erreger, die sich über Mücken verbreiten, gelangen auch über gespendetes Blut zum Empfänger. Deshalb darf man nach jedem Aufenthalt in einem Risikogebiet vorübergehend kein Blut spenden.

Die Organisation Blutspende SRK Schweiz beobachtet die Ausbreitung von Infektionskrankheiten scharf. Laut Direktor Rudolf Schwabe wird die Situation wöchentlich analysiert: «Bei Bedarf können wir innerhalb weniger Stunden reagieren.»

Letztes Jahr zum Beispiel gab es in Italien Fälle von Chikungunya-Fieber – eine Viruserkrankung, die normalerweise in Europa nicht vorkommt. Sofort wurden Personen, die sich in Italien aufgehalten hatten, in der Schweiz vorübergehend nicht mehr zum Spenden zugelassen.

Nehmen solche Situationen durch eine weitere Ausbreitung von krankheitsübertragenden Insekten zu, wird der Kreis möglicher Spender immer kleiner. «Dann müssten wir das Blut auch auf solche Krankheiten untersuchen», sagt Schwabe. Entsprechende Tests existierten.

Derzeit werden Blutspenden standardmässig nur auf den HI-Virus und die Erreger von Syphilis und Gelbsucht getestet.

Risikofreie Alternativen zu Spenderblut gibt es nicht, wie Schwabe sagt. Denn: «Kunstblut kann das Überleben nur für wenige Stunden sichern.»

So können sie helfen

Das Blutspendemobil tourt auch diesen Sommer wieder durch die Schweiz. Es soll das Spenden vereinfachen. Denn in der Ferienzeit hat es erfahrungsgemäss weniger Spender. Auch Sportanlässe wie die Olympischen Spiele könnten sich negativ auswirken. Zur Zeit der Fussball-WM 2006 gingen die Spenden um 50 Prozent zurück.

www.blutspende.ch

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

Tierische Blutspender

Nicht nur Menschen brauchen Blutkonserven: Auch Hunde wollen im Notfall gut versorgt werden. Darum sammeln die Kleintierklinik der Uni Bern und das Tierspital Zürich das Blut von Bello & Co. Allerdings nur, wenn die tierischen Spender jünger als 10 Jahre und mindestens 20 Kilogramm schwer sind. Ein guter Gesundheitszustand, ein aktueller Impfpass und ein freundliches Wesen sind ebenso wichtig. Zudem dürfen sie selbst noch nie Fremdblut bekommen haben.

Vierbeiner, die als Spender in Frage kommen, dürfen bis zu fünf Mal im Jahr zum Aderlass. Als Dankeschön winkt eine grosse Portion Trockenfutter.

Spender

Pro Tag wird in der Schweiz 1250 Mal Blut gespendet. Das sind mehr als 200000 Liter Blut pro Jahr. Freiwillige können entweder eine Vollblutspende machen oder nur die Blutplättchen oder das Plasma spenden.

Lagerung

Vor der Lagerung wird die Spende zu den einzelnen Blutprodukten verarbeitet. Blutplättchen können nur fünf Tage bei Raumtemperatur gelagert werden, rote Blutkörperchen sechs bis sieben Wochen im Kühlschrank und gefrorenes Blutplasma ganze zwei Jahre.

Empfänger

Das gespendete Blut wird vor allem bei Transplantationen und Unfällen gebraucht. Aber auch Krebspatienten benötigen nach einer Chemotherapie fremdes Blut. Eine Eigenblutspende kann im Falle einer geplanten Operation sinnvoll sein.

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