Binz-Areal: Neue Studi-Appartements für 640 Franken
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Binz-ArealNeue Studi-Appartements für 640 Franken

Auf dem Binz-Areal in Zürich entstehen bis 2017 je rund 180 Appartements für Studierende und das Unispital-Personal – inklusive Musikproberäumen, Waschsalon und Gastroangebot.

von
rom
So wird sich der Innenhof von Binz Wohnen präsentieren.

So wird sich der Innenhof von Binz Wohnen präsentieren.

Jetzt ist klar, wer das Projekt Binz-Wohnen in Zürich-Wiedikon entwerfen wird: Gmür & Geschwentner haben bei einem Studienauftrag mit sechs verschiedenen beteiligten Architekten das Rennen gemacht. Das Zürcher Büro – bekannt etwa durch die James-Siedlung – gruppiert ein L-förmiges 4-stöckiges Gebäude und einen 8-stöckigen Block um einen öffentlich zugänglichen Innenhof. «Wir wollten zwingend etwas fürs Quartier, eine hohe Dichte und das Ganze trotzdem wohnenswert», sagte Jurypräsident Peter Ess, ehemaliger Direktor des städtischen Amtes für Hochbauten. «Das siegreiche Büro hat unsere Anforderungen am besten umgesetzt.»

In den unteren Etagen der beiden Gebäude sind rund 180 unmöblierte 1-Zimmer-Appartements für Studierende eingeplant. Jedes ist inklusive Küche und Bad rund 23 Quadratmeter gross und soll 640 Franken monatlich kosten. In den oberen Etagen folgen weitere 180 möblierte 1-Zimmer-Appartements für das Personal des Unispitals. Diese sind mit 25 Quadratmetern etwas grösser, zudem gibt es einen Roomservice. «Assistenzärzte etwa, die diese Zimmer nutzen werden, haben andere Ansprüche ans Wohnen», sagt Ess. Neben den Studios wird es auch Wohnungen für Wohngemeinschaften und ein Kleinhotel mit neun Zimmern geben.

Reception rund um die Uhr besetzt

Auffällig ist die starke öffentliche Nutzung des Erdgeschosses: Vorgesehen sind unter anderem ein Gastroangebot, ein Waschsalon, Ateliers sowie ein 260 Quadratmeter grosser Saal. Im Untergeschoss sollen zudem Bands und Musiker in zehn Proberäumen üben können. Eine Reception für die ganze Siedlung wird während 365 Tagen rund um die Uhr besetzt sein.

Kosten wird Binz-Wohnen rund 50 Millionen Franken – finanziert durch die Stiftung Abendrot. Die Basler Pensionskasse verwaltet ein Alterskapital von aktuell 1,2 Milliarden Franken und ist auf Brachen spezialisiert wie etwa das Sulzer-Areal in Winterthur. Christian Geeser, bei der Stiftung zuständig für Immobilien, rechnet mit Baubeginn im Frühling 2015. «Zuerst muss die Altlastensanierung im nächsten Jahr über die Bühne – der Boden ist stark kontaminiert», sagt er. Im besten Fall werde die Siedlung im Frühling 2017 bezugsbereit sein.

«Ich war überwältigt»

Grosse Freude herrschte auch beim Buchser Unternehmer Werner Hofmann. Er hatte von 2010 bis im letzten Mai das Studentenwohnheim im ehemaligen Atlantis-Hotel betrieben und ist die treibende Kraft hinter dem Binz-Projekt: «Lange fehlte uns ja ein Investor», sagte er. Doch dann sei die Stiftung Abendrot ins Spiel gekommen. «Die Verantwortlichen kamen im Atlantis vorbei – wenige Tage später hatten wir die Zusage, ich war überwältigt.» Mittlerweile hat er das Projekt ganz an die Stiftung übergeben.

Das Binz-Areal an der Giesshübelstrasse hat eine wechselvolle Geschichte: Die Ende des 19. Jahrhunderts erstellte Fabrik ging in den 1980er-Jahren in den Besitz der Stadt Zürich über, ab 2009 an den Kanton. Lange gab es diverse Zwischennutzungen. Ab 2006 besetzte dann die so genannte Familie Schoch das Areal. Im Herbst 2012 gab der Kanton bekannt, dass er die Flächen im Baurecht an Hofmann und die Stiftung Abendrot abtreten wird. Familie Schoch verliess die Hallen und Gebäude im letzten Mai schliesslich erst, nachdem der Kanton ein Ultimatum gestellt hatte. Zuvor war es im März nach einer illegalen Party auf dem Binz-Areal zu schweren Ausschreitungen in der Stadt gekommen.

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