Seit 1915 verschollen - Neue Suche nach Schiff von legendärem Polarforscher
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Seit 1915 verschollenNeue Suche nach Unglücksschiff von legendärem Polarforscher

Anfang 2022 wollen Forschende in einer gross angelegten Suchaktion Ernest Shackletons Schiff Endurance finden, dessen Untergang am Anfang einer unglaublichen Überlebensgeschichte stand.

von
Jean-Claude Gerber
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Am 5. Dezember 1914 legten Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der Endurance in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die Endurance verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London)

Am 5. Dezember 1914 legten Ernest Shackleton und seine Mannschaft an Bord der Endurance in Südgeorgien ab. Das Ziel der sogenannten Imperial Trans-Antarctic Expedition: Die erste Durchquerung der Antarktis auf dem Landweg. (Im Bild: Die Endurance verlässt am 1. August 1914 die Millwall Docks in London)

Getty Images/Topical Press Agency
Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest.

Doch bereits am 18. Januar 1915, noch bevor man antarktisches Festland erreicht hatte, sass der Dreimaster völlig im Packeis fest.

Getty Images/Scott Polar Research Institute, University of Cambridge
Die Mannschaft war dazu verdammt, auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball.

Die Mannschaft war dazu verdammt, auf dem driftenden Packeis zu warten. Die Zeit vertrieb man sich unter anderem mit Fussball.

Getty Images/Scott Polar Research Institute, University of Cambridge

Darum gehts

  • Im November 1915 sank das Schiff Endurance des britischen Polarforschers Ernest Shackleton.

  • 28 Mann strandeten in der Antarktis, konnten aber Monate später gerettet werden.

  • 2019 wurde erstmals versucht, das Wrack zu orten.

  • Im Februar 2022 soll die Expedition Endurance 22 starten.

  • Die Forscher könnten vom Klimawandel profitieren.

Es ist eines der grossen Rätsel der Seefahrtsgeschichte: Wo befindet sich das Wrack der Endurance, die 1915 im antarktischen Weddell-Meer sank? Eine erste Suche musste vor zwei Jahren abgebrochen werden, nachdem ein Roboter-U-Boot verschwunden war. Nun wird ein neuer Anlauf unternommen, das Polarschiff des britischen Forschers Ernest Shackleton zu finden, zu vermessen und zu filmen.

Shackleton war vor gut 100 Jahren aufgebrochen, um mit seinem Team erstmals die Antarktis zu durchqueren. Sehr weit kam er allerdings nicht. Sein robustes Holzschiff wurde vom Eis eingeschlossen, langsam zerdrückt und musste am 27. Oktober 1915 schliesslich aufgegeben werden. Was folgte, war ein monatelanger Kampf gegen die Bedingungen in einer der unwirtlichsten Regionen der Welt, den wie durch ein Wunder alle 28 Besatzungsmitglieder überlebt haben (siehe Bildstrecke).

Reise im Eisbrecher

Nun soll dieser «heroischen Geschichte», wie sie der Organisator der Expedition der Falklands Maritime Heritage Trust nennt, ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Das Wrack wird in einer Tiefe von etwa 3200 Metern unter dem Larsen-C-Schelfeis vermutet.

Dorthin bringen soll die Forscher im nächsten Februar der südafrikanische Eisbrecher Agulhas II, der gleichzeitig eines der modernsten Forschungsschiffe ist. Mit an Bord ist auch ein internationales Forscherteam, das die Eis- und Klimabedingungen der antarktischen Umwelt studieren wird.

Was hat Shackleton zurückgelassen?

Obwohl die Endurance vom Eis zerdrückt wurde, dürften ihre Planken wegen der extremen Kälte, der Dunkelheit und dem geringen Sauerstoffgehalt des Wassers gut erhalten sein. Da die Konstruktion des Schiffes sehr robust war, könnte das Schiff grösstenteils intakt sein. Die Forscher hoffen, im Wrack Glasbehälter, ein Mikroskop, Fotoplatten und möglicherweise das Tagebuch des Schiffsarztes Alexander Macklin zu finden.

Allerdings werden dem Wrack keine Artefakte entnommen. Die eingesetzten Roboter-U-Boote vom Typ Saab Sabertooth seien nicht dafür ausgerüstet, Proben vom Wrack oder dem Meeresboden zu nehmen, wie der Falklands Maritime Heritage Trust schreibt. Stattdessen soll mit Kameras und Scannern erkundet werden, was Shackleton und sein Team auf der Endurance zurücklassen mussten. Ausserdem hoffen die Forscher, mithilfe der Roboter-U-Boote eventuell sogar neue Tierarten zu entdecken.

Klimaerwärmung hilft

Mensun Bound, der Forschungsdirektor der Endurance 22 genannten Expedition, erklärte in einer Mitteilung, dass der Versuch, das Wrack zu finden, obwohl man es lange für unmöglich hielt, eine ausserordentlich aufregende Vorstellung sei. «Aufgrund der Rauheit der antarktischen Umwelt gibt es keine Erfolgsgarantie, aber wir bleiben inspiriert von den Polarforschern und starten Endurance 22 mit grossen Hoffnungen.» Mit der bestmöglichen Technologie und einem Weltklasse-Team hoffe und bete man, dass man einen Meilenstein der Polargeschichte erreichen könne, so Bound.

Profitieren könnten die Forscher von den Auswirkungen des Klimawandels. Bound sagte dazu dem «Guardian», die Erwärmung der Arktis sei absolut verheerend, doch die Eisschmelze habe die Chancen erhöht, das Schiffswrack zu finden.

Insgesamt wird die Besatzung der Agulhas II 50 Personen umfassen, darunter auch Spezialisten des US-Unternehmens Ocean Infinite, die die Sabertooth-Roboter bedienen werden. Auch an der Expedition teilnehmen wird Richard Garriott, der erste Mensch, der sowohl im All, an beiden Polen und am tiefsten Punkt des Ozeans war. «Endurance 22 ist zweifelsohne eine der bedeutendsten Expeditionen, die in letzter Zeit unternommen worden ist», so Garriott.

Polarforscher Ernest Shackleton

Der Brite Ernest Shackleton wird in einem Atemzug mit den grossen Antarktis-Helden Roald Amundsen und Robert Falcon Scott genannt. Und dies, obwohl keine seiner drei Antarktisexpeditionen ihr Ziel erreichte. Auf der ersten Expedition scheiterte er beim Versuch, als Erster den Südpol zu erreichen, auf seiner dritten verlor er das Leben. Doch es war die zweite Expedition und die unglaubliche Rettung der gesamten Mannschaft nach Monaten im Eis, die ihn unsterblich machte.

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