Grosses Geschäft in der Dusche: Neue Touristen brauchen Nachhilfe für WC-Nutzung
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Grosses Geschäft in der DuscheNeue Touristen brauchen Nachhilfe für WC-Nutzung

Auf der Rigi und im Kandertal tummeln sich immer mehr internationale Touristen. Die Zunahme hat auch unappetitliche Nebeneffekte. Nun will man die Touristen erziehen.

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gwa/miw
Immer mehr asiatische Touristen besuchen die Rigi.

Immer mehr asiatische Touristen besuchen die Rigi.

«Wir verzeichnen bei Gruppenreisenden aus den internationalen Märkten seit mehreren Monaten erfreuliche Zuwächse», sagt Roger Joss, Leiter Verkauf und Marketing bei den Rigi-Bahnen. So hat sich etwa die Anzahl der Gruppen-Reisenden aus dem Ausland von Januar bis Mai gegenüber der Vorjahresperiode verzehnfacht. Die Touristengruppen stammen dabei hauptsächlich aus China, Korea und Brasilien. «Die gesteigerten Volumen sind Resultat der proaktiven Marktbearbeitung im asiatischen Raum», sagt Joss. Um der Besucherströme Herr zu werden, setzen die Rigi-Bahnen ab Juli zusätzliche Züge für Gruppen ein – diese sollen so schneller auf den Berg und wieder hinunter kommen, hiess es am Dienstag in einer Mitteilung.

Touristen stehen auf der Klobrille

Die steigenden Besucherzahlen bringen jedoch auch zusätzliche Herausforderungen mit sich. «Mehr Gäste verursachen auch mehr Arbeit», so Joss. So teilte das Unternehmen am Dienstag mit, dass die Toiletten öfter gereinigt werden. Doch nicht nur die gesteigerte Frequenz, sondern auch die Art, wie einige Touristen die Toiletten benutzen, zwingen das Unternehmen zum Handeln. «Die Gepflogenheiten sind nicht überall gleich wie bei uns», sagt Joss. So sei es etwa auch schon vorgekommen, dass Gäste beim Gang aufs WC auf die Klobrille standen. Mit Piktogrammen weisen die Rigi Bahnen deshalb neu auf eine «korrekte Benutzung der Sanitäranlagen» hin. Zudem wird nun mit neuen Schildern zusätzlich auf die öffentlichen Toiletten hingewiesen.

Kandertal-Tourismus druckt Benimmbüchlein

Auch im Kandertal kennt man das Problem: Immer wieder komme es in der Touristenregion zu neuen schwierigen Schnittstellen zwischen Einheimischen und Ausländern, sagt Marcel Furer, Geschäftsführer von Kandertal-Tourismus. «Gerade Reisende aus dem arabischen und asiatischen Raum sind sich unsere Lebensart nicht gewohnt.» So sorgt auch im Kandertal die Benutzung von Toiletten oft für Probleme: «Gäste stellen sich unwissentlich auf die WC-Schüssel oder benutzen für ihr Geschäft die Dusche.»

Solche Beobachtungen hätten den Tourismusverband zur Erarbeitung einer Broschüre bewogen, mit der man den Touristen eine Benimmregel nahelegen möchte. «Die einfachen Illustrationen sollen die Gäste mit einem Augenzwinkern aufklären – man will dabei nicht mit einem gestreckten Zeigefinger moralisieren.»

In Interlaken ist der Gang auf die Toilette ebenfalls ein Thema. So führt Interlaken-Tourismus etwa mit den Gastro- und Hotelleriebetrieben jährlich Workshops durch, bei denen die Teilnehmer auf die allgemeinen Gepflogenheiten in anderen Ländern hingewiesen werden. Gemäss Remo Käser, Leiter Märkte bei Interlaken-Tourismus, sind aber nicht mangelnde Hygienekenntnisse der Asiaten die Hauptursache für das Thema.

Käser ortet den Grund bei der Menge an Besuchern: «Touristen aus dem asiatischen Raum sind oft in Gruppen unterwegs», sagt er. Toiletten würden bei der Benutzung nun mal einfach schmutzig. «Wenn 30 britische oder Schweizer Touristen nacheinander schnell eine Toilette benutzen müssen, wird sie ebenfalls schmutzig», so Käser. In Interlaken habe man deshalb beim Umbau eines öffentlichen WCs darauf geachtet, dass dieses schnell und einfach gereinigt werden könne.

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