Publiziert

Stadt ZürichNeue VBZ-Trams fahren frühestens ab Mitte 2017

Wegen der umstrittenen Beschaffung müssen die Trambauer ihre Offerten zum dritten Mal verlängern. Pendler können daher frühestens 2017 in bequemere Trams einsteigen.

von
rom
1 / 8
So soll es aussehen, das Tram Flexity 2, von denen die VBZ 70 Stück bestellen will.

So soll es aussehen, das Tram Flexity 2, von denen die VBZ 70 Stück bestellen will.

Visualisierung Stadtrat Zürich
Die VBZ brauchen 70 neue Trams - sie sollen die 1. und 2. Serie des Trams 2000 (links im Bild) ersetzen. Weiterhin auf dem Schienennetz bleiben werden die Cobra-Trams (rechts).

Die VBZ brauchen 70 neue Trams - sie sollen die 1. und 2. Serie des Trams 2000 (links im Bild) ersetzen. Weiterhin auf dem Schienennetz bleiben werden die Cobra-Trams (rechts).

Walter Bieri
Das Tram 2000 ist seit 1977 auf dem VBZ-Streckennetz im Einsatz. Das grosse Manko bei den meisten Fahrzeugen: Der Einstieg ist mit zwei Stufen hoch und die Türen sind eher schmal. So kann man etwa mit dem Kinderwagen nur ganz hinten einsteigen.

Das Tram 2000 ist seit 1977 auf dem VBZ-Streckennetz im Einsatz. Das grosse Manko bei den meisten Fahrzeugen: Der Einstieg ist mit zwei Stufen hoch und die Türen sind eher schmal. So kann man etwa mit dem Kinderwagen nur ganz hinten einsteigen.

Steffen Schmidt

Ob mit Kinderwagen, Gepäck oder im Rollstuhl – einsteigen in ein Tram 2000 ist alles andere als ein Vergnügen. Der Grund: zwei Stufen und schmale Eingänge bei den meisten Fahrzeugen. Das wird noch eine Weile so bleiben, denn die Beschaffung von 70 neuen Trams als Ersatz für die in die Jahre gekommenen 2000er-Fahrzeuge kommt nicht vom Fleck.

Nun müssen jene Firmen, die die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) mit neuen Trams beliefern wollen, die Gültigkeit ihrer Offerten bis Ende Juni 2016 verlängern – bereits zum dritten Mal. «Das ist nötig, weil die aktuellen Offerten nur noch bis Ende Juni gelten und wir bis dahin den Auftrag unmöglich vergeben können», sagt VBZ-Sprecher Andreas Uhl.

Es geht um viel Geld

Grund dafür ist ein hängiger Rekurs der VBZ beim Regierungsrat. Diese wehrt sich gegen einen Beschluss des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV), der die Kostengutsprache für die Beschaffung der neuen Trams verweigert hat. Dies nachdem eine vom ZVV-Verkehrsrat geforderte Zweitmeinung von Fachexperten nicht zustande gekommen war. Mehrere Anbieter hatten sich geweigert, ihre Unterlagen herauszugeben, weil es für sie an Werkspionage gegrenzt hätte. Wann der Regierungsrat über den VBZ-Rekurs entscheiden wird, kann Sprecherin Susanne Sorg nicht sagen.

Um den lukrativen 280 bis 350 Millionen Franken schweren Auftrag buhlen vier Anbieter: Bombardier, Siemens, CAF und Stadler Rail. Im vergangenen Herbst hatte die «Rundschau» berichtet, dass Bombardier den Zuschlag erhalten soll. Die Vergabe wurde in einem geheimen Untersuchungsbericht, der dem TV-Magazin vorlag, heftig kritisiert. Die VBZ betonte stets, sie habe das Submissionsverfahren korrekt durchgeführt und erhielt dabei Rückendeckung vom Zürcher Stadtrat.

Kritik an der Verfahrensdauer

Siemens Schweiz wird die Offerte verlängern, wie Sprecher Benno Estermann sagt: «Da wir weiterhin davon überzeugt sind, das beste Angebot abgegeben zu haben.» Die Verzögerung habe keine nennenswerten Auswirkungen für das Unternehmen: «Wir hoffen dennoch auf einen baldigen Entscheid.» Auch Stadler-Rail-Sprecher Tim Büchele sagt: «Nach eingehender Prüfung sind wir bereit, unser Angebot auf der Basis der damaligen Ausschreibung nochmals um ein Jahr zu verlängern.» Die Dauer des Verfahrens sei allerdings schon ausserordentlich lang – «eigentlich wollte man den Auftrag 2013 vergeben.»

Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein kritisiert die Dauer ebenfalls: «Es ist aussergewöhnlich, dass man aufgrund von Kompetenzstreitigkeiten zwischen ZVV und Stadt Risiken auf die Industrie abschiebt.» Es gehe nicht nur um sie als Trambauer, sondern auch um Zulieferer etwa von Sitzen oder Klimaanlagen, die darunter leiden würden. Wettstein rechnet zwar mit einer Offertenverlängerung seitens Bombardier: «Allerdings ist das Risiko gross, dass im Juni 2016 noch kein rechtsgültiger Entscheid zum VBZ-Rekurs vorliegt, weil dieser je nach dem noch ein Fall für die Richter werden könnte.» Auch CAF soll seine Offerte verlängern wollen – eine Stellungnahme des spanischen Konzerns steht aus.

«Dann kommen wir mit blauem Auge davon»

Klar ist zurzeit nur soviel: Die ersten neuen Trams werden nicht wie geplant ab 2016 fahren. «Nach der hoffentlich baldigen Vertragsunterzeichnung müssen wir jenem Unternehmen, das den Zuschlag erhalten hat, Zeit lassen für die Detailplanung und den Bau», sagt Uhl von der VBZ. Daher dürften die ersten neuen Trams frühestens 18, eher 24 Monate danach ausgeliefert werden. Das wäre dann Mitte, wenn nicht Ende 2017.

Wegen der Verzögerung sind die Trams 2000 der 1. und 2. Serie – total 97 Motorwagen und 35 Anhänger – zudem länger im Einsatz als vorgesehen. Dennoch rechnet Uhl nicht damit, dass eine weitere Revision der alten Fahrzeuge nötig ist. Er sagt: «Wenn wir den Tramauftrag noch dieses Jahr vergeben können, kommen wir mit einem blauen Auge davon.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.