B.1.1.529-Variante - Neue Virus-Mutante aus Afrika beunruhigt Forscher
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B.1.1.529-VarianteNeue Virus-Mutante aus Afrika beunruhigt Forscher

Im südlichen Afrika ist eine Variante des Coronavirus mit 32 Mutationen im Spike-Protein aufgetaucht. Sie könnte die Abwehr des Körpers umgehen. Unklar ist, wie ansteckend sie ist.

von
Jean-Claude Gerber
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet derzeit diverse Coronavirus-Varianten in drei Kategorien auf: besorgniserregend, von Interesse, unter Beobachtung. 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO listet derzeit diverse Coronavirus-Varianten in drei Kategorien auf: besorgniserregend, von Interesse, unter Beobachtung.

REUTERS
Vier Varianten werden als besorgniserregend eingestuft («variants of concern»). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen.

Vier Varianten werden als besorgniserregend eingestuft («variants of concern»). Sie sind nachweislich ansteckender, schwerer bekämpfbar oder führen zu schwereren Erkrankungen.

Screenshot WHO
Zwei weitere gelten als Varianten von Interesse («variants of interest»). Sie führen zu gehäuften Fällen oder treten in mehreren Ländern auf.

Zwei weitere gelten als Varianten von Interesse («variants of interest»). Sie führen zu gehäuften Fällen oder treten in mehreren Ländern auf.

Screenshot WHO

Darum gehts

  • Im südlichen Afrika ist eine neue Variante des Coronavirus aufgetaucht: B.1.1.529.

  • Sie weist eine «unglaublich hohe Anzahl von Mutationen des Spike-Proteins» auf.

  • Die Mutationen könnten es dem Immunsystem erschweren, die Variante zu entdecken.

  • Noch ist aber unklar, wie übertragbar die Variante ist.

  • Das heisst: Noch ist unklar, ob B.1.1.529 das Potenzial hat, die bisher dominante Delta-Variante zu verdrängen.

Bisher wurde die Variante mit der Bezeichnung B.1.1.529 lediglich in drei Ländern nachgewiesen. Trotzdem haben Forscher und Forscherinnen ihre Entdeckung aufgrund der vielfachen Mutationen im Spike-Protein mit Sorge zur Kenntnis genommen. Mit dem Spike-Protein dockt das Virus an die menschlichen Zellen an. Es ist dieser Teil des Virus, den die meisten Impfstoffe nutzen, um das Immunsystem gegen das Coronavirus fit zu machen.

Mutationen des Spike-Proteins können es den Immunzellen erschweren, den Erreger anzugreifen. Einzelheiten zur neuen Variante veröffentlichte der britische Virologe Tom Peacock vom Imperial College London und schrieb dazu: «Die unglaublich hohe Anzahl von Mutationen des Spike Proteins legen nahe, dass diese Variante wirklich besorgniserregend sein könnte.»

Auf Twitter fügte Peacock an, die Mutante müsse wirklich gut beobachtet werden aufgrund des «erschreckenden Spike-Proteins». Es könne sich aber auch einfach um eine aussergewöhnliche Häufung handeln, die vielleicht gar nicht besonders übertragbar sei. «Ich hoffe, das ist der Fall», so Peacock.

Dramatischer sieht es der südafrikanische Gesundheitsminister Joe Phaahla. Er bezeichnete die Variante als «ernsthaft besorgniserregend» und als Ursache für einen «exponentiellen» Anstieg der gemeldeten Fälle in Südafrika. Es handle sich um eine «grosse Bedrohung».

10 Fälle in drei Ländern

Nach Angaben des südafrikanischen Instituts für Infektionskrankheiten (NICD) stieg die Zahl der Fälle, bei denen die Variante nachgewiesen wurde, in drei Provinzen des Landes besonders stark an – darunter Gauteng, wo sich die Städte Johannesburg und Pretoria befinden. An einer Hochschule in Pretoria sei kürzlich ein Cluster festgestellt worden.

Seit dem 11. November wurden Fälle in Botswana, in Südafrika und in Hongkong bei einer Person, die aus Südafrika zurückgekehrt war, festgestellt, wie der «Guardian» schreibt. Zurzeit gibt es in der Schweiz keine Restriktionen für die Einreise aus diesen Ländern. Bei Ungeimpften wird lediglich ein Test bei der Einreise sowie ein Test vier bis sieben Tage nach der Rückkehr verlangt.

Ravi Gupta, Mikrobiologe an der Cambridge Universität, erklärte dem «Guardian», dass zwei der Mutationen von B.1.1.529 die Ansteckungsfähigkeit erhöhten und die Erkennung durch Antikörper reduzierten. Die Variante sei deshalb aufgrund der Mutationen zurzeit sicher besorgniserregend. «Allerdings ist eine Haupteigenschaft des Virus unbekannt, seine Übertragbarkeit», so Gupta. Diese Eigenschaft sei für den Erfolg der Delta-Variante verantwortlich. Die Fähigkeit, das Immunsystem zu umgehen, ist nur ein Aspekt, der den Erfolg einer Variante ausmacht.

Auch Francois Balloux, der Direktor des Genetics Institute am University College London, geht davon aus, dass die neue Variante des Virus vom Immunsystem schlechter erkannt werden dürfte als die Alpha- oder Delta-Variante. Er sagt aber auch, dass es schwierig sei, die Übertragbarkeit vorauszusagen. Bis auf Weiteres sollte es genau beobachtet und analysiert werden, so Balloux zum «Guardian».

Von der WHO wurde die B.1.1.529-Variante am 24. November auf die Liste der unter Beobachtung stehenden Varianten gesetzt. In Südafrika war vergangenes Jahr bereits die Beta-Variante des Virus entdeckt worden. Südafrika ist mit rund 2,95 Millionen Corona-Fällen und mehr als 89’600 Toten das am schwersten betroffene Land in Afrika. Die Impfkampagne ist dort nur schleppend angelaufen, 41 Prozent der Bürger und Bürgerinnen haben bislang eine Dosis erhalten, 35 Prozent sind vollständig geimpft.

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