Aktualisiert 21.07.2014 07:13

Vermehrt Meldungen

Neue Welle von Sex-Erpressungen

Die Zahl der Fälle von Erpressungen mit Sex-Videos nimmt in der Schweiz wieder zu. Der Bund hat deshalb eine Warnung veröffentlicht und mahnt zur Vorsicht im Internet.

von
lüs

Bekannt ist die Masche seit über einem Jahr, doch offenbar funktioniert sie noch immer: Die Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (Kobik) warnt erneut vor Sextortion: «Kobik erhält wieder vermehrt Meldungen von Bürgern, die mit Sexbildern und -videos erpresst werden.»

Das Vorgehen ist immer dasselbe: Eine attraktive junge Frau nimmt mit einem Mann Kontakt im Internet auf, bringt ihn dazu, auf Skype zu wechseln und sich vor der Webcam auszuziehen und zu masturbieren. Die Szenen werden aufgezeichnet - und dem Mann wird gedroht, die Aufnahmen würden auf Facebook oder Youtube veröffentlicht, wenn er nicht eine bestimmte Summe überweise.

5000 Franken gefordert

Passiert ist dies am Samstag auch Adrian S.* Er glaubte, er habe einen Flirt mit einer 21-Jährigen. Nach dem intimen Chat per Skype gab sich ihm plötzlich ein Mann zu erkennen und kündigte an, die Aufnahmen der Webcam an alle seine Facebook-Freunde zu schicken, wenn er nicht 5000 Franken zahle. S. will nun zur Polizei gehen.

Dazu rät auch Kobik, obschon die Chancen, die Täter zu erwischen, gering seien. Das geforderte Geld zu zahlen, ist laut Kobik keine Lösung: Oft würden die Aufnahmen trotzdem veröffentlicht, oder die Täter forderten immer wieder Geld. Taucht ein Video auf Facebook oder Youtube auf, kann man es jedoch relativ einfach und rasch löschen lassen - auf beiden Plattformen sind pornografische Darstellungen verboten. Generell rät Kobik dazu, im Internet immer misstrauisch zu sein - und nichts Intimes von sich preiszugeben.

Sextortion-Call-Center ausgehoben

Die Erpresserbanden, denen Schweizer Männer ins Netz gehen, operieren meist von Afrika, teilweise auch von Osteuropa aus. Doch das Phänomen gibt es auf allen Kontinenten: So gelang Interpol im Mai auf den Philippinen ein grosser Schlag gegen eine hochprofessionell organisierte Industrie: 58 Verdächtige wurden verhaftet, 250 Computer sichergestellt. Operiert wurde aus einem regelrechten Call-Center, in dem jede Angestellte eine eigene Box hatte, in der sie mit ihren Opfern kommunizierte. Für die Mitarbeiterinnen gab es spezielle Schulungen, besonders erfolgreiche Angestellte wurden mit Boni belohnt.

Sind auch Sie Opfer von Sex-Erpressern geworden? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte per Mail an feedback@20minuten.ch

* Name geändert

Fehler gefunden?Jetzt melden.