Täter gesteht: Neue Wende im Liebefeld-Mordfall
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Täter gestehtNeue Wende im Liebefeld-Mordfall

Nach elf Monaten Unterbruch ist der Prozess um einen Auftragsmord in Köniz wieder aufgenommen worden. Erstmals gab der Hauptverdächtige ein Geständnis ab.

In der Vergangenheit hatte der Auftraggeber des Tötungsdelikts stets seine Unschuld beteuert. Inzwischen hat er jedoch schriftlich eine Teilschuld anerkannt: Er habe den Auftragsmord als Möglichkeit besprochen.

Auf Antrag der amtlichen Verteidigung hatte das Kreisgericht Bern-Laupen im Dezember 2009 vorerst die Schuldfrage beantwortet. Es bejahte sie für den 26-jährigen Schweizer mit kroatischen Wurzeln, der damals bestritt, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Der jüngere Schweizer, der das Tötungsdelikt ausführte, war schon damals geständig.

Ein Hin und Her

In seinem mit «Geständnis» überschriebenen über 20 Seiten langen Schreiben an das Gericht machte der Ältere Anfang 2010 geltend, er habe den Entscheid zum Auftragsmord an seiner Lebenspartnerin, einer 31-jährigen Slowakin, noch nicht getroffen gehabt: «Es war ein Hin und Her». Der Jüngere sei dann von sich aus zur Tat geschritten.

«Ich habe mir lange eingeredet, dass ich deshalb unschuldig sei», erklärte der Ältere dem Gericht. Mitte Januar habe er sich dann eingestehen können, dass er eine Mitschuld trage, da die Idee ja auf seinem Mist gewachsen sei.

Als Motiv gab er im Brief Beziehungsprobleme an: «Ich hielt den Terror und das Martyrium in dieser Beziehung nicht mehr aus». Er sprach von Phasen starker Eifersucht seiner Lebenspartnerin. Er habe sie mehrmals verlassen, sich aber immer zur Rückkehr überreden lassen, weil sie Besserung versprochen habe.

Opfer war schwanger

Das Gericht wollte vom Angeschuldigten wissen, weshalb er sich nie dazu geäussert habe, dass seine Lebenspartnerin seit zweieinhalb Monaten schwanger war und auch ihr ungeborenes Kind starb, als sie erstochen wurde. «Ich habe nie daran gedacht, nur an die Beziehungsprobleme», antwortete der Angeklagte.

Nach dem Schuldspruch am 2. Dezember 2009 musste der Prozess unterbrochen werden, um das psychiatrische Gutachten im Hinblick auf den bestrittenen Mordauftrag zu ergänzen.

Nach Zusatzfragen an die psychiatrischen Experten halten der Staatsanwalt und die beiden Verteidiger in den nächsten Tagen ihre Plädoyers zum Strafmass. Das Urteil wird für Montag, 8. November, erwartet. (sda)

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