Aktualisiert 21.08.2014 11:41

Geri-Gate

Neue Wendung im Fall Geri Müller?

Geri Müllers Chatpartnerin behauptet, sie sei von einem «Netzwerk» von Geri-Kritikern massiv unter Druck gesetzt worden. Steht hinter der ganzen Affäre eine politische Abrechnung?

von
M. Boselli, G. Looser, P. Wälty

Neue Informationen in der Geri-Müller-Affäre: Die 33-jährige Gymnasiallehrerin A.W.* erklärt gegenüber 20 Minuten, sie sei von einer Vertrauensperson, die sie in ihrer Verzweiflung kontaktiert habe, hintergangen worden. Kontaktiert habe sie den Mann, weil ihr Geri Müller immer wieder von ihm erzählt habe. «Ich suchte einen Vertrauten, der Geri in einem kritischen Licht sieht, um ihm von seinem Verhalten zu erzählen.»

Der «Geri-Kritiker» sei sofort auf die Informationen angesprungen und habe umgehend ein komplettes Backup ihres Handys verlangt, was sie abgelehnt habe. Allerdings habe sie ihm einzelne Screenshots und Soundfiles überlassen, um sich für den Fall abzusichern, dass Müller ihr das Handy doch noch abspenstig mache.

«Das war leider ein Fehler», so A.W. «Denn diese Seite hat auch nicht korrekt gehandelt.» Der «Geri-Kritiker» habe umgehend einen Freund eingeschaltet, der seinerseits ein «ganzes Netzwerk» aktiviert und Kontakte zu verschiedenen Medien hergestellt habe. Ein Politiker der CVP sei zudem angesetzt worden, die Geschichte «bei den Bundeshausjournalisten» unterzubringen. «Der Freund des ?Geri-Kritikers? war sehr aggressiv und hat mich gepusht, der ?Weltwoche? alles zu erzählen. Er sagte, wenn du das nicht tust, wird dich Geri durch den Dreck ziehen.» Namen nennen will A.W. nicht. Grund: «Vor denen habe ich mehr Angst als vor Geri.»

Anklageschrift nennt Namen

Wer gehörte zum «Netzwerk», das Müllers Whatsapp-Gespielin angeblich unter Druck gesetzt hat? 20 Minuten weiss von mindestens zwei in dieser Frage relevanten SMS. Am 7. August schrieb A.W.: «Herr Bollag, Sie wissen ganz genau, dass Sie ohne meine Einwilligung keine Daten von mir weiterreichen dürfen. Es sind schon mehrere Journalisten am Recherchieren.» Tags darauf schreibt sie an Geri Müller: «Ha gester abe/namittag flugmodus ine ta will i ke arüef meh ha welle vom JoBo.»

Bei «JoBo» handelt es sich laut der Strafanzeige, die Müllers Anwalt am 14. August bei der Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland eingereicht hat und die dem Blick vorliegt, «voraussichtlich» um Josef Bollag, den Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde Baden. Dieser hatte sich während des Wahlkampfs ums Stadtammannamt als erbitterter Gegner des Israel-Kritikers und Hamas-Freundes Geri Müllers entpuppt. Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Josef Bollag, dass er zwar von dem kompromittierenden Material Kenntnis hatte, jedoch nichts mit dem Fall zu tun habe. Zudem bestreitet er vehement, jemals ein solches SMS erhalten zu haben: «Geri Müller muss das fabriziert haben.» Erstaunlich auch die Stellungnahme von A.W.: «Ich habe das nie geschrieben.»

Zürcher PR-Berater ebenfalls involviert

Im Besitz des Materials soll zudem ein Zürcher PR-Berater gewesen sein, der im Stiftungsrat einer pro-israelischen Informationsplattform sitzt und sich in einer Diskussions-Sendung des SRF zum Thema Palästina und Israel ebenfalls als scharfer Kritiker Müllers profiliert hatte. Bollag und der PR-Berater haben eine gemeinsame Mission, für die sie sich regelmässig engagieren: Das Ansehen Israels in der Schweiz zu verbessern.

Der PR-Berater war früher selber Journalist und pflegt beste Kontakte mit Schweizer Medienhäusern. Besonders zum Verlagshaus AZ Medien, in deren Sonntagszeitung «Schweiz am Sonntag» er unlängst einen offenen Brief an den Schweizer Bundesrat publizierte und ihn für seine Haltung im Gaza-Konflikt scharf kritisierte. Es war auch die «Schweiz am Sonntag», die vor fünf Tagen die Affäre ins Rollen brachte. Auf Anfrage verneinte der PR-Berater, etwas mit dem Fall zu tun zu haben.

* Name der Redaktion bekannt

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