Yogakurse von Zertifikatspflicht ausgenommen - Neue Zertifikatsregel verunsichert Yoga-Szene
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Yogakurse von Zertifikatspflicht ausgenommenNeue Zertifikatsregel verunsichert Yoga-Szene

Kursverantwortlichen und Yogafreunden ist es mulmig zumute: Für Yogakurse ist das Covid-Zertifikat nicht obligatorisch.

von
Bettina Zanni
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Der Bundesrat verschont den Yogaunterricht von der Covid-Zertifikatspflicht.

Der Bundesrat verschont den Yogaunterricht von der Covid-Zertifikatspflicht.

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Eine Twitter-Userin verzichtet deshalb lieber auf den Kurs. «Was mach ich jetzt in Zukunft am Mittwochabend?», schrieb sie.

Eine Twitter-Userin verzichtet deshalb lieber auf den Kurs. «Was mach ich jetzt in Zukunft am Mittwochabend?», schrieb sie.

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 «Ich finde es fraglich, dass die Zertifikatspflicht für Yogakurse mit bis zu 30 Teilnehmenden nicht gilt», sagt eine Yogalehrerin aus der Ostschweiz.

«Ich finde es fraglich, dass die Zertifikatspflicht für Yogakurse mit bis zu 30 Teilnehmenden nicht gilt», sagt eine Yogalehrerin aus der Ostschweiz.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Der Bundesrat befreit den Yogaunterricht von der Zertifikatspflicht.

  • Manche Yogis und Yoginis fühlen sich in den Kursen nicht mehr sicher. In der Szene wollten sich viele nicht impfen lassen, so eine Yoga-Lehrerin.

  • «In den 1,5 Jahren der Pandemie sind mir keine Ansteckungen in Yogastudios bekannt geworden», sagt der Präsident des Yogaverbands.

Yoga-Lehrerinnen und -Lehrer konnten aufatmen. Im Gegensatz etwa zu den Fitnessstudios hat der Bundesrat ihre Kurse von der Covid-Zertifikatspflicht verschont. Voraussetzung dafür ist, dass die Gruppe regelmässig gemeinsam trainiert und nicht mehr als 30 Personen teilnehmen (siehe Box). Einige Studio-Besucherinnen und -Besucher verunsichert diese Regel jedoch.

Twitter-Userin Carolin Rosentritt verzichtet deshalb lieber auf den Kurs. «Was mach ich jetzt in Zukunft am Mittwochabend?», schrieb sie. Zuvor erhielt sie von ihrer Yogaschule eine E-Mail, in der es hiess: «Gute Nachrichten, keine Zertifikatspflicht in der Yogaschule.» Sie nehme am Kurs nun nur noch online teil, sagt Rosentritt zu 20 Minuten. Sie könne die Regel nicht nachvollziehen, wolle das Studio in dieser schwierigen Zeit aber weiterhin unterstützen.

Screenshot/Twitter

Eine weitere Userin hielt die Ausnahme für sinnlos. «Ich bin fassungslos und tief enttäuscht. Wir laden die Pandemie ein, machen alles, damit es für sie bequem wird.»

«Viele legen Wert auf die Selbstheilungskräfte»

Auch Yoga-Lehrerinnen und -Lehrer haben Zweifel. «Ich finde es fraglich, dass die Zertifikatspflicht für Yogakurse mit bis zu 30 Teilnehmenden nicht gilt», sagt eine Yogalehrerin aus der Ostschweiz. Ihrer Erfahrung nach nähmen nicht immer die gleichen Personen am Yogakurs teil. «Es kommen immer Mal wieder neue Personen hinzu. Davon abgesehen weiss ich als Yogalehrerin ja nicht immer, was meine Schüler ausserhalb des Studios so tun.»

In der Szene stelle sie zudem oft fest, dass viele auf die Selbstheilungskräfte des Körpers Wert legten und sich deshalb nicht impfen liessen, so die Yoga-Lehrerin.

«Stossen bei Atemübungen Luft aus»

Auch bei medizinischen Fachpersonen kommt die Regel schlecht an. «Im Yoga sitzen die Leute eine Stunde im selben Raum und stossen bei Atemübungen Luft aus, die mit dem Virus kontaminiert sein könnte», sagt Andreas Widmer, Infektiologe und Präsident des Spitalhygienevereins Swissnoso. Zudem sei es im Kampf gegen die Pandemie inkonsequent, den Yogaunterricht von der Zertifikatspflicht zu befreien. «Andere Branchen sehen sich dadurch ungerecht behandelt und fühlen sich auch zu Ausnahmen berechtigt.»

Widmer fordert, dass die Studios selbstständig eine Zertifikatspflicht einführen. Das Zertifikat müsse schliesslich nur einmal kontrolliert werden, wäre die Gruppe beständig. «Kursteilnehmende, die damit nicht klarkommen, können ja ohne Probleme per Videokonferenz die gleichen Übungen mitmachen.» Im Falle von Yoga sei die Umsetzung einfach.

Verbandspräsident sind keine Ansteckungen bekannt

Der Schweizer Yogaverband hält eine Zertifikatspflicht für unnötig. «In den 1,5 Jahren der Pandemie sind mir keine Ansteckungen in Yogastudios bekannt geworden», sagt Präsident Roland Haag. Die Ansteckungsgefahr sei gering, da sich die Kursteilnehmenden in der Stunde simultan bewegten. «Sie laufen nicht herum wie in einem Fitnessstudio.» Insbesondere in der Pandemie sei es wichtig, dass die Yogakurse für alle Menschen zugänglich seien. «Viele Menschen sind psychisch sehr belastet und können wenigstens mit Yoga inneren Frieden finden.»

Er teile die Meinungen in Bezug auf die Selbstheilungskräfte «sehr wohl», sagt Haag. Nun werde auch in wissenschaftlichen Kreisen breit diskutiert, dass der Mensch über die Jahrtausende ein intaktes Immunsystem entwickelt habe. «Sofern er nicht mit Krankheiten vorbelastet ist, können seine Selbstheilungskräfte sehr gut mit Viren umgehen», behauptet er.

Das sagt das BAG zu den Yogakursen

Von der Zertifikatspflicht ausgenommen sind Aktivitäten, die in abgetrennten Räumlichkeiten in einem Verein oder in einer anderen beständigen Gruppe von höchstens 30 Personen, die dem Organisator bekannt sind, regelmässig ausgeübt werden. Auch schreibt die Verordnung des Bundesamts für Gesundheit (BAG) eine wirksame Lüftung vor.
BAG-Mediensprecherin Nani Moras bestätigt, dass Übertragungsrisiko bei sportlichen Aktivitäten erhöht ist. «Dies ist nicht spezifisch für Yoga. Es ist daher wichtig, dass die Belüftung so gut wie möglich ist.» Die Beschränkung auf 30 bekannte Personen ermögliche die Identifizierung von Kontaktpersonen eines möglichen positiven Falls. Diese Personen könnten dann unter Quarantäne gestellt und die Übertragungsketten können kontrolliert werden. «Aus diesem Grund ist die Verwendung des Zertifikats in diesem Zusammenhang nicht gerechtfertigt.» Die Gruppe muss laut Moras im Grossen und Ganzen beständig bleiben. «Das heisst, wöchentlich darf maximal eine Person hinzukommen.»

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