Aktualisiert 10.04.2005 20:47

Neuenburg: Zweiter Wahlgang nötig

Der Kanton Neuenburg hat noch keine neue Regierung: Keiner der 27 Kandidierenden erreichte am Sonntag das absolute Mehr.

Mit vier Kandidaten auf den ersten fünf Rängen, treten die SP und die Grünen am 1. Mai als Favoriten zum zweiten Wahlgang an.

Im Rennen um die fünf Regierungssitze erreichte der SP-Ständerat Jean Studer das beste Resultat. Mit 21 741 Stimmen und einem Anteil von 38,9 Prozent liegt er vor der Liberalen Sylvie Perrinjaquet. Die amtierende Regierungspräsidentin brachte es auf 20 425 Stimmen oder 36,7 Prozent. Das absolute Mehr lag bei 27 913 Stimmen.

Der zweite Bisherige, Bernard Soguel (SP), schaffte es mit 35 Prozent auf Platz 4. Dem grünen Nationalrat und Bauernpolitiker Fernand Cuche schob sich mit einem Anteil von 36,6 Prozent auf Rang Drei. Fünfter wurde SP-Nationalrat Didier Berberat.

«Ich bin sehr zufrieden über die Resultate», kommentierte Wahlsieger Studer. Es sei ein historischer Erfolg für die Linke, dass es zu einem völlig offenen zweiten Wahlgang komme.

Linke mit guter Ausgangslage

Mit drei SP-Kandidaten und dem Grünen Cuche unter den ersten fünf präsentiert sich die Ausgangslage für die linken Parteien günstig: Nach 1989-1993 könnte die Linke zum zweiten Mal in der Geschichte Neuenburgs den Bürgerlichen die Regierungsmehrheit entreissen.

Für die Liberalen und die FDP ist die Lage ungemütlicher: Roland Debély, der angetraten war, um den Sitz des abtretenden Staatsrats Thierry Béguin zu verteidigen, belegt den sechsten Rang. Dahinter folgen die SP-Kanidatin Odile Duvoisin und die beiden Liberalen Charles Häsler und Christian Blandenier.

SVP mitentscheidend in der Mehrheitsfrage

Ob es den Bürgerlichen gelingen wird, die Regierungsmehrheit zu verteidigen, hängt unter anderem davon ab, wie sich die SVP verhält. Denn nur mit ihr zusammen können die Liberalen und die FDP auf eine Mehrheit im Staatsrat hoffen.

Die SVP trat an diesem Wochenende in Neuenburg erstmals zu kantonalen Wahlen an. Da sie bei den letzten Nationalratswahlen auf Anhieb 20 Prozent erreicht hatte, rechnete man allgemein mit substanziellen Sitzgewinnen der SVP.

Deren Spitzenkandidat, Nationalrat Yvan Perrin, erklärte bereits am Sonntagnachmittag, dass er unter bestimmten Umständen trotz dem mässigen 12. Platz erneut antreten wolle. Er kandidiere erneut, wenn die Bürgerlichen die Mehrheit im Parlament halten könnten und die SVP mindestens 15 Sitze erobere, sagte er.

Ist das der Fall, müsste er aber noch die bürgerlichen Partner überzeugen. Und die halten sich vorläufig bedeckt. Der Präsident der Liberalen, Jean-Claude Baudoin, erklärte bloss, dass die Liberalen auch die Mehrheit in der Regierung wolle, falls die bürgerliche Grossratsmehrheit gehalten werde.

Entscheide bis Dienstag

Für dieses Szenario wünscht sich Baudoin eine gemeinsame Liste mit der FDP und der SVP. Ob dabei Perrin dabei ist, präzisierte er aber nicht. Offen ist auch die Haltung der Linken. Die Option, mit vier Kandidaten anzutreten, sei offen, erklärte Studer. Dies hänge von den Resultaten der Grossratswahlen ab. Die Parteien müssen sich bis Dienstagmittag entscheiden, wen sie ins Rennen schicken wollen.

Wie die Mehrheitsverhältnisse im Grossen Rat aussehen werden, war bis 20.00 Uhr unklar. Aussagekräftige Resultate werden erst am späteren Abend bekannt. Die Stimmbeteiligung bei den Staatsratswahlen lag bei 44,5 Prozent, leicht höher als vor vier Jahren (44,2 %).

(sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.