Aktualisiert 04.02.2013 17:52

La Providence

Neuenburger Klinik feuert 22 Streikende

Das Hôpital de La Providence wird an eine Privatspitalgruppe verkauft – aus Protest dagegen streikt ein Teil der Belegschaft seit 70 Tagen. Nun werden die Mitarbeiter fristlos entlassen.

Die Direktion der Klinik La Providence in Neuenburg hat am Montag die fristlose Entlassung von 22 streikenden Mitarbeitern angekündigt. Die Streikenden hatten eine Wiederaufnahme der Arbeit abgelehnt. Die Gewerkschaft Syna bezeichnete die Kündigungen als widerrechtlich.

Die Direktion begründete die fristlosen Kündigungen damit, dass man nicht endlos einen Streik tolerieren könne, der aus Sicht der Klinik illegal sei. Die Streikenden hatten gegen den Verkauf der Klinik an die Privatspitalgruppe Genolier protestiert.

Der Präsident der Stiftung des Spitals, Antoine Wildhaber, las an der kurzfristig einberufenen Medienkonferenz vom Montag einzig eine Mitteilung vor und beantwortete keine Fragen. Die Klinik hatte jegliche Sanktionen ausgeschlossen für den Fall, dass Streikenden ihre Arbeit bis am 31. Januar wieder aufgenommen hätten. Die Direktion habe jede einzelne Person angehört.

Wie es scheine, lehnten die 22 Streikenden den Vorschlag zur Wiederaufnahme der Arbeit ab, sagte Wildhaber. Man habe sich entschieden, die Instrumentalisierung in einem politischen Kampf, den die Gewerkschaften führten, nicht länger zu tolerieren. Die Stiftung warnte zudem vor einem Fehlschlag der Übernahme durch Genolier. Falls Genolier das Übernahmeprojekt fallen lasse, müsste die Klinik innert kürzester Zeit die Defizite reduzieren. Dabei müssten nicht kostendeckende Dienste gestrichen werden.

Syna und linke Parteien protestieren heftig

Die Gewerkschaft Syna verurteilte die ihrer Ansicht nach «widerrechtlichen Kündigungen». Hässlich sei, dass die Klinik keine Kündigungen verschicke, den Mitarbeitenden aber via Presse mitteilen lasse, dass sie ihre Stelle per sofort los seien, hiess es in einer Mitteilung.

Die Gewerkschaft kündigte bereits an, gegen die Kündigungen Einsprache zu erheben. Ziel sei es, jedem entlassenen Streikenden mindestens ein Jahressalär zu erkämpfen. Auch die linken Parteien prangerten die Entlassungen am Montag an. Die Volks- und Arbeiterpartei (POP), die Grünen, die SP und die Plattform solidaritéS riefen in einer gemeinsamen Mitteilung in Erinnerung, dass das Recht zu Streiken in der Bundesverfassung garantiert sei und nicht in Frage gestellt werden könne.

Streik seit 70 Tagen

Gegen die Übernahme der Klinik durch das Genolier Swiss Medical Network (GSMN) hatten ungefähr 20 Angestellte seit 70 Tagen gestreikt. Sie verlangten, dass der Gesamtarbeitsvertrag «Gesundheit 21» weiterbesteht.

In einem Interview vom Montag in der Zeitung «Le Temps» hatte der Gründer des GSMN, Antoine Hubert, ein Scheitern der Übernahme nicht ausgeschlossen. Auf die Frage, ob die Übernahme der Klinik und ihrer 340 Angestellten bedroht sei, sagte er ohne Umschweife, dass der Stand der Dinge nicht sicher sei. Die Motivation von Genolier, nach Neuenburg zu kommen, sei stark, aber man wolle nicht in ein Wespennest treten. Die Stiftung der Klink und GSMN hatten im Dezember ein Abkommen für eine Übernahme der Klinik unterzeichnet.

Diese Übernahme ist noch nicht zum Abschluss gebracht worden. Für die Direktion der Klinik stellt die Übernahme die einzige Möglichkeit dar, die Arbeitsplätze und das medizinische Angebot zu erhalten. (sda)

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