Neuer Alitalia-Chef soll Chaos verhindern
Aktualisiert

Neuer Alitalia-Chef soll Chaos verhindern

Der Alitalia-Verwaltungsrat hat Aristide Police an die Spitze der krisengeschüttelten italienischen Fluggesellschaft berufen. Derweil drohen Gewerkschaften mit Massenprotesten.

Police soll den Posten von Maurizio Prato übernehmen, der einen Tag zuvor nach dem Scheitern der Übernahmeverhandlungen mit Air France-KLM zurückgetreten war. Die Offerte des französisch- niederländischen Konzerns sei weiterhin geeignet, Alitalia wieder in die Gewinnzone und zum Wachstum zu führen, erklärte der Verwaltungsrat am Donnerstagabend weiter.

Das Gremium kündigte für den kommenden Dienstag eine weitere Sitzung an. Bis dahin solle überprüft werden, ob die Bedingungen für eine Fortführung des Geschäfts noch gegeben seien. Die Aktien sollen so lange vom Handel ausgesetzt bleiben.

Proteste angekündigt

Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Air France-KLM und den italienischen Gewerkschaften über den Verkauf der maroden Alitalia drohten die Arbeitnehmerorganisationen mit Massenprotesten.

Sollte die Alitalia unter staatliche Notverwaltung gestellt werden, wie es die Regierung angekündigt hatte, würde in Italien keine Maschine mehr abfliegen, sagte Guglielmo Epifani, Chef des Gewerkschaftsverbands CGIL. «Wir werden alle Flughäfen blockieren. Es wird zu einem totalen Chaos kommen», drohte er.

Schwarzer Peter

Epifani beschuldigte die Regierung und Air France-KLM, die Verhandlungen auf verantwortungslose Weise geführt zu haben. Regierungschef Romano Prodi warf den Gewerkschaften seinerseits vor, für das Ende der Gespräche mit den Franzosen verantwortlich zu sein.

Die Regierung hätte nicht mit Air France-KLM verhandeln dürfen, sagte Oppositionschef Silvio Berlusconi laut Medienberichten. Das Kaufangebot der Franzosen für die Alitalia sei inakzeptabel gewesen.

Handelsausschluss

Am Donnerstag wurde der Handel mit der Alitalia-Aktie an der Mailänder Börse ausgesetzt. Grund war die Krisensitzung des Verwaltungsrats. «Auf diesem Unternehmen liegt ein Fluch, nur ein Exorzist kann die Gesellschaft retten», wurde Prato von italienischen Medien zitiert.

Auch Italiens Regierung sucht fieberhaft nach einer Möglichkeit, die Airline zu retten. In Rom kamen unter anderen die Minister für Wirtschaft und Finanzen, Tommaso Padoa-Schioppa, und Verkehrsminister Alessandro Bianchi zusammen. Sie beteuerten, die Alitalia am Leben erhalten zu wollen.

Zugleich erklärten Regierungsvertreter, es müsse geprüft werden, ob die Verhandlungen mit Air France-KLM endgültig gescheitert seien. Die Regierung wollte Alitalia bislang nur einen Überbrückungskredit gewähren, wenn ein neuer Partner im Boot ist. Jetzt droht der Konkurs.

«Es ist wirklich alles getan worden, um die einzige mögliche Perspektive, die den Konzern hätte retten können, zum Scheitern zu bringen», kritisierte Aussenminister Massimo D'Alema. «Entweder wir finden jetzt ganz schnell eine Lösung oder die Alitalia ist endgültig verloren.»

Air France-KLM hatte für den Fall einer Übernahme massive Stellenstreichungen angekündigt, die Offerte aber von der Zustimmung der Gewerkschaften abhängig gemacht. Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta bedauerte das Scheitern der Gespräche. Die Umstände erlaubten keine Fortsetzung der Verhandlungen. (sda)

Deine Meinung