Italien: Neuer Asbest-Prozess gegen Schmidheiny startet
Aktualisiert

ItalienNeuer Asbest-Prozess gegen Schmidheiny startet

Das Asbest-Verfahren gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny geht in eine neue Runde: Vor Italiens Oberstem Gericht beginnen am Mittwoch die Anhörungen.

Stephan Schmidheiny in seinem Büro in Zürich. (Archivbild)

Stephan Schmidheiny in seinem Büro in Zürich. (Archivbild)

In Rom haben am Mittwochmorgen im Asbest-Verfahren gegen Stephan Schmidheiny die Anhörungen vor dem Obersten Gericht Italiens begonnen.

Der Kassationshof kann die von früheren Instanzen gegen den Schweizer Milliardär verhängten Urteile bestätigen, zurückweisen oder annullieren.

In der Aula Magna des Gerichts begann die berichterstattende Richterin mit ihren Ausführungen zum Eternit-Verfahren in Italien, wie Schmidheiny-Sprecherin Elisabeth Meyerhans mitteilte.

Urteil noch diese Woche

Das Urteil der Richter des Obersten Gerichts Italiens könnte noch am Mittwochabend verkündet werden. Allerdings dürfte das Gericht das Urteil vertagen, da die Ausführungen der Richterin und anschliessend des Generalstaatsanwalts, der staatlichen Unfallversicherung Inail sowie der beiden Anwälte Schmidheinys zu lange dauern dürften.

Es wird aber in Italien damit gerechnet, dass das Urteil noch in dieser Woche verkündet wird.

Demonstration von Asbest-Opfern

Bereits vor Beginn der Anhörung gegen 11 Uhr Vormittags hatten sich vor dem Kassationshof rund 150 Angehörige von Asbest-Opfern versammelt, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete. «Gerechtigkeit für die Eternit-Opfer», war auf einem Spruchband zu lesen.

An der Demonstration beteiligten sich Angehörige aus Casale Monferrato im Piemont, wo früher die grösste der vier italienischen Eternit-Fabrik gestanden hatte. Auch aus anderen ehemaligen Eternit-Standorten in Italien waren Angehörige angereist. Weiter beteiligten sich Angehörige aus der Schweiz, Brasilien und aus Grossbritannien an der Demonstration vor dem Gericht.

Verfahren um 3000 durch Asbest erkrankte Menschen

Schmidheiny war im Juni 2013 in zweiter Instanz vom Appellationshof in Turin zu 18 Jahren Gefängnis und Entschädigungszahlungen in Höhe von 90 Millionen Euro verurteilt worden. Das Berufungsgericht hatte den Unternehmer der vorsätzlichen Verursachung einer bis heute andauernden Umweltkatastrophe für schuldig befunden.

Im Verfahren geht es um nahezu 3000 durch Asbest erkrankte oder an asbestbedingten Krankheiten verstorbene Menschen im Zusammenhang mit den vier Eternit-Werken in Italien. Die von Stephan Schmidheiny ab 1976 geführte Schweizerische Eternit-Gruppe SEG war von 1973 bis zum Konkurs 1986 zunächst grösster und später Hauptaktionär der Eternit (Italia) SpA. (sda)

Deine Meinung