Fünf Tote in Norwegen - Schütze von Kongsberg muss vier Wochen in Untersuchungshaft

Fünf Tote in NorwegenSchütze von Kongsberg muss vier Wochen in Untersuchungshaft

Ein Mann hat in der norwegischen Stadt Kongsberg mehrere Menschen verletzt und getötet. Der 37-jährige Däne schoss mit Pfeil und Bogen auf seine Opfer. Alle Updates im Ticker.

von
Marcel Urech

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Freitag, 15.10.2021

Vier Wochen Untersuchungshaft für Tatverdächtigen

Der Mann, der im norwegischen Kongsberg fünf Menschen getötet haben soll, muss für vier Wochen in Untersuchungshaft. Das hat das Gericht in Buskerud am Freitag entschieden. Die ersten zwei Wochen muss er isoliert verbringen. Ausserdem verhängte das Gericht ein Besuchs-, Medien- und Briefverbot.

Espen B. tötete und verletzte am Mittwochabend in Norwegen mit Pfeil und Bogen mehrere Menschen.

Espen B. tötete und verletzte am Mittwochabend in Norwegen mit Pfeil und Bogen mehrere Menschen.

Es ist allerdings nicht davon auszugehen, dass der 37-Jährige die Untersuchungshaft im Gefängnis absitzt. Die Staatsanwältin sagte der norwegischen Zeitung «Verdens Gang» am Freitag, dass Ärzte den Mann nun betreuen.

Der Däne hat eingeräumt, am Mittwochabend in der Kleinstadt Kongsberg mehrere Menschen mit Pfeil und Bogen und anderen Waffen angegriffen zu haben. Fünf Menschen starben, drei erlitten Verletzungen. Der Sicherheitsdienst der norwegischen Polizei stufte die Tat zunächst als Terrorhandlung ein, schwächte den Verdacht später aber ab. Nach den Verhören mit der Polizei kamen Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit auf.

(AFP/mur)

Donnerstag, 14.10.2021

Kongsberg trauert um Opfer des Anschlags

Wie die «VG» berichtet, versammelten sich am Donnerstagabend viele Menschen im Zentrum von Kongsberg, um den Opfern des gestrigen Anschlags zu gedenken. Auf dem Gedenkplatz wurden über 100 Kerzen entzündet, Betroffene tauschten sich aus und umarmten sich.

Neuer Premierminister will Kongsberg besuchen

An seiner ersten Pressekonferenz kündigte der neue Premierminister Jonas Gahr Støre an, der vom Anschlag getroffenen Kleinstadt Kongsberg am Freitag einen Besuch abzustatten. Mit dem Besuch, dem auch Justizministerin Emilie Enger Mehl beiwohnen wird, will Støre seine Unterstützung zum Ausdruck bringen und sich mit den Betroffenen austauschen.

Verletzter Polizist aus Spital entlassen

Der Polizeichef von Kongsberg, Håvard Revå, bestätigte am Donnerstagabend die Entlassung des Polizisten aus dem Spital. Beim Anschlag am Mittwochabend feuerte der 37-jährige Espen B. mit einem Bogen Pfeile auf Passanten und Polizisten ab. Dabei wurde ein Polizist verletzt, der ausser Dienst war und zum Zeitpunkt des Anschlags in einem Lebensmittelladen einkaufte.

Beim Anschlag wurden fünf Personen getötet, es gab mehrere Verletzte. Wie die norwegische Zeitung «VG» berichtet, erlagen zwei Schwerverletzte im Spital ihren Verletzungen.

Medien fallen auf Fake-Täternamen hinein

Nach dem Anschlag vom Mittwochabend berichteten mehrere Medien, dass der Täter Rainer Winklarson heisse. Grund dafür waren Internet-Trolle, die den falschen Täternamen verbreiteten. Der Name «Rainer Winklarson» ist eine Anlehnung an Rainer Winkler. Der deutsche Youtuber mit über 150'000 Abonnentinnen und Abonnenten wird immer wieder zum Ziel von Scherzaktionen seiner Community. Verschiedene internationale Medien tappten ins Fettnäpfchen und übernahmen die Falschinformation.

Opfer wurden wohl in Wohnhaus getötet

Der Attentäter tötete die vier Frauen und den Mann, die beim Anschlag von Mittwochabend in Kongsberg ums Leben kamen, wahrscheinlich in einem Wohnhaus. Dies teilte die norwegische Polizei am Donnerstagnachmittag mit. Die Information, der Täter habe Personen in einem Lebensmittelgeschäft getötet, dementierte die Polizei. Der 37-Jährige wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag während zweieinhalb Stunden verhört.

Norwegische Polizei geht von Terroranschlag aus

Nach der Gewalttat mit fünf Toten und zwei Verletzten in der norwegischen Kleinstadt Kongsberg geht die Polizei inzwischen von einem terroristischen Hintergrund aus. «Die Vorfälle in Kongsberg erscheinen derzeit als terroristischer Akt», hiess es in einer Mitteilung des Sicherheitsdiensts der norwegischen Polizei am Donnerstag. Ermittlungen zu den genaueren Hintergründen liefen jedoch derzeit noch, hiess es weiter. «Die Bedrohungslage in Norwegen wird nach wie vor als moderat eingeschätzt.»

AFP

Beileidsbekundungen

König Harald V. sprach den Einwohnerinnen und Einwohnern sein Mitgefühl aus. Ihr sicheres Umfeld sei plötzlich ein gefährlicher Ort geworden. «Es erschüttert uns alle, wenn schreckliche Dinge in unserer Nähe passieren, wenn man es am wenigsten erwartet – mitten im Alltag, auf offener Strasse», sagte der König.

Der designierte Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, der sein Amt am Donnerstag antreten sollte, sprach von einer schrecklichen Tat. «Es ist unwirklich, aber die Wahrheit ist, dass fünf Menschen getötet worden sind, viele verletzt wurden und viele unter Schock stehen», sagte Støre dem Sender NRK.

UN-Generalsekretär António Guterres twitterte, die Nachrichten aus Norwegen hätten ihn schockiert und betrübt.

(DPA/mur)

Augenzeugenbericht

Augenzeuge Erik Benum sagte der AP, er habe gesehen, wie Ladenmitarbeiter aus Geschäften geflohen und sich in Hauseingängen versteckt hätten. «Ich sah, wie sie sich in der Ecke versteckten», sagte er. «Dann bin ich hinaus, um zu sehen, was los ist und ich sah die Polizei mit Schilden und Gewehren. Es war ein sehr unheimlicher Anblick.»

(DPA/mur)

Polizei gibt Entwarnung zum zweiten Bogenschützen

Die Polizei informiert weiter über Twitter: Sie sei nun in Kontakt mit dem Mann, der in der Gegend von Huseby bei Oslo mit Pfeil und Bogen herumlief. Die Handlungen des Mannes seien aber harmlos gewesen, und er habe sich bereits für sein Verhalten entschuldigt. Die Polizei werde den Fall trotzdem weiter verfolgen und in den Schulen und lokalen Communitys aktiv werden, um die Menschen zu beruhigen.

Mehr Informationen zum Täter

Der mutmassliche Täter wohnt in Kongsberg. Er sei in Norwegen aufgewachsen und habe eine dänische Mutter und einen norwegischen Vater, sagt Fredrik Neumann, der Verteidiger des Mannes. Das berichtet die dänische Zeitung «Ekstra Bladet».

Laut der norwegischen Zeitung «VG» drohte der Mann letztes Jahr ausserdem, zwei seiner Verwandten umzubringen. Danach sei ihm aber ein Besuchsverbot aufgebrummt worden.

Ein Pfeil steckt nach den Angriffen in einer Wand.

Ein Pfeil steckt nach den Angriffen in einer Wand.

via REUTERS

War es ein Terrorakt?

«Wir können nicht bestätigen, dass es sich um einen Terrorakt handelt», sagt der Chef der Polizei an der Medienkonferenz. Der Fall sei kompliziert, und die Untersuchung habe erst gerade begonnen. Der Schütze sei zwar polizeibekannt, man habe aber in diesem Jahr keine Warnungen zu ihm erhalten. Auch sein Motiv sei weiterhin unklar.

Verletzte überleben

Der Polizeichef sagt weiter, dass der Täter zwei Menschen verletzt habe. Die Verletzungen seien zum Glück aber nicht lebensgefährlich, so Sæverud.

Polizei bittet um Zurückhaltung auf Social Media

Die Polizei bittet die Nutzerinnen und Nutzer auf Social Media, keine Bilder und Videos zu verbreiten. Das geschehe aber aktuell. «Bitte tut das nicht», sagt ein Polizeisprecher laut «Aftonbladet».

Polizeichef Ole Bredrup Sæverud bei der Medienkonferenz in Tonsberg bei Kongsberg.

Polizeichef Ole Bredrup Sæverud bei der Medienkonferenz in Tonsberg bei Kongsberg.

AFP

Vier Frauen und ein Mann gestorben

Laut der Polizei sind beim Attentat vier Frauen und ein Mann gestorben. Sie seien zwischen 50 und 70 Jahre alt, sagt der Polizeichef Ole Bredrup Sæverud. Gemäss der Polizei waren 22 Einheiten im Einsatz.

Täter war polizeibekannt

Da bereits eine Untersuchung läuft, kann die Polizei an der Pressekonferenz nicht alle Details enthüllen. Sie sagt aber, dass der Täter wohl keine Komplizen gehabt habe. Der Angreifer sei der Polizei bekannt gewesen. Er sei radikalisiert und zum Islam konvertiert, bestätigt der Polizeisprecher. Zum Motiv des Angriffs könne er noch nichts sagen.

Neuer Bogenschützen-Alarm in Norwegen

Die Polizei informiert aktuell in Norwegen über das Attentat. Während sie eine Pressekonferenz hält, warnt sie auf Twitter bereits vor einem weiteren Bogenschützen. Man versuche, mit dem Schützen in Kontakt zu treten. Aktuell gebe es keine Meldungen darüber, dass Personen angegriffen wurden.

Die Ereignisse im Video

Mann tötet mit Pfeil und Bogen mehrere Menschen

Am Donnerstagmorgen nahm die Polizei einen 37-jährigen Dänen fest. Der Mann soll mit Pfeil und Bogen bewaffnet mehrere Personen getötet haben.

Polizei nimmt Verdächtigen fest

Die Polizei hat den den mutmasslichen Täter festgenommen. Es handle sich um einen 37-jährigen Dänen, der in der südnorwegischen Kleinstadt Kongsberg lebe, hiess es am frühen Donnerstagmorgen. Diese Person ist nun angeklagt. Ihr Tatmotiv ist noch unklar.

37-jähriger Däne tötet Menschen mit Pfeil und Bogen

Ein 37-jähriger Däne hat im norwegischen Kongsberg fünf Menschen getötet und zwei verletzt. Er verfolgte seine Opfer und schoss sie mit Pfeil und Bogen ab. Wer in der Innenstadt von Kongsberg lebt, durfte sein Haus nicht mehr verlassen. «Hier steht gerade alles Kopf», sagt eine Leserin von 20 Minuten, die gerade vor Ort ist.