Machtwechsel: Neuer Boss bei Postfinance

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MachtwechselNeuer Boss bei Postfinance

Die Postfinance hat mit Hansruedi Köng einen neuen Chef. Er löst im Januar 2012 Jürg Bucher ab. Bucher bekleidet aktuell sowohl den Job als Postfinance-Chef sowie jenen als Post-Konzernleiter.

Hansruedi Köng übernimmt den Posten als Chef von Postfinance

Hansruedi Köng übernimmt den Posten als Chef von Postfinance

Die Post setzt an der Spitze ihrer gewinnträchtigsten Tochter Postfinance auf einen Nachfolger aus dem eigenen Haus. Finanzchef Hansruedi Köng löst auf 1. Januar 2012 Jürg Bucher ab. Bucher führt dann bis zu seiner Pensionierung nur noch die Post als Konzernchef.

Der Post-Verwaltungsrat ernannte Köng am Dienstag zum neuen Chef, wie VR-Präsident Peter Hasler am Mittwoch vor den Medien in Bern sagte. Der Personalentscheid gehört zur «stufenweisen Ablösung» von Jürg Bucher, der heute Post und Postfinance gemeinsam führt, voraussichtlich Mitte 2012 aber in Pension gehen wird.

Köng arbeitet seit 2003 bei Postfinance. Er leitet die Tresorerie und ist damit für die Investition der Kundengelder im In- und Ausland zuständig. Seit 2007 ist Köng zusätzlich auch Finanzchef.

Gemäss Hasler prüfte der Verwaltungsrat der Muttergesellschaft mehrere interne Kandidaten für die Nachfolge. Auf ein Verfahren mit externen Bewerbern verzichtete die Post, weil sie die Interessenten aus den eigenen Reihen als fähig genug betrachtete. Die Post setze damit nicht nur auf Kontinuität, sondern auch auf den eigenen Nachwuchs, sagte Hasler.

Breite Bankerfahrung

Der 45-jährige Köng blickt auf Tätigkeiten in zahlreichen Unternehmen zurück. Nach dem Wirtschaftsstudium an der Universität Bern sammelte er zunächst Erfahrungen bei der Schweizerischen Volksbank, welche 1993 in der CS aufging, und der Basler Kantonalbank. Später beriet er bei PriceWaterhouseCoopers international tätige Grossunternehmen.

Bevor er 2003 zur Postfinance wechselte, war Köng während zweier Jahre Geschäftsführer bei der Berner Risikokapitalgesellschaft BVgroup, die sich bei jungen Firmen engagierte. Privat ist Köng verheiratet und hat eine Tochter im Schulalter.

Was fehlt in Köngs Lebenslauf, ist die politische Erfahrung. Post- Präsident Hasler erklärte, Köng werde Unterstützung erhalten - beispielsweise vom noch zu bildenden Verwaltungsrat von Postfinance. «Er wird sich daran gewohnen», sagte Hasler. Köng erinnerte zudem daran, dass er als Geschäftsleitungsmitglied der Postfinance bereits an die politischen Diskussion einbezogen sei.

Kurz vor dem Ziel

Der ehemalige Eishockeyspieler und Orientierungsläufer Bucher übergibt den Stab an einen ebenfalls sportbegeisterten Mann: Köng war Handballer und kam auch in der Nationalmannschaft zum Einsatz. Entsprechend charakterisierte Bucher seinen Nachfolger als «kämpferischen, aber fairen Manager» und «absoluten Teamspieler».

Bucher war Ende 2009 während der Querelen um den damaligen Post- Präsidenten Claude Béglé zum Post-Konzernchef aufgestiegen. Zur Begründung seines Doppelmandats gab Bucher stets an, er wolle mit seiner Erfahrung die Postfinance bei der Umwandlung in eine AG begleiten.

Das Ziel wird Bucher nicht ganz erreichen: Das entsprechende Gesetz wird voraussichtlich erst nach seinem Abgang in Kraft treten. «Die wesentlichen Vorbereitungsarbeiten sind aber getan», sagte er. Köng bleibt es vorbehalten, die Postfinance AG als erster CEO zu führen.

Weiter auf Erfolgskurs

Die organisatorische Veränderung stellt Köng vor neue Herausforderungen. Er übernimmt aber eine Gesellschaft, der es geschäftlich glänzend geht. Obwohl die Post-Tochter selber keine Hypotheken und Kredite vergeben darf, trägt sie mit jährlichen Gewinnen von rund einer halben Milliarde Franken deutlich mehr als die Hälfte zum Post-Gewinn bei.

Ein Ende der Erfolgsgeschichte ist nicht in Sicht. Im ersten Quartal steigerte Postfinance laut Bucher den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr (2010: 130 Mio. Fr.) nochmals, sie habe wiederum tausend Kunden dazu gewonnen und weiter Neugeld eingesammelt, sagte Bucher. Die Quartalszahlen präsentiert Postfinance nächste Woche. (sda)

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