Möglicher Interessenskonflikt – Schuldet der neue CS-Präsident Konkurrent UBS Millionen?

Publiziert

Möglicher InteressenskonfliktSchuldet der neue CS-Präsident Konkurrent UBS Millionen?

Seit Montag führt Axel Lehmann die Geschäfte der Credit Suisse als Präsident an. Gleichzeitig schuldet er seinem ehemaligen Arbeitgeber noch Geld und hält ein beträchtliches Aktienpaket der UBS.

von
Benedikt Hollenstein
1 / 6
Seit einer Woche ist Axel Lehmann neuer Präsident der Credit Suisse.

Seit einer Woche ist Axel Lehmann neuer Präsident der Credit Suisse.

Tamedia/Urs Jaudas
Der Ökonom gilt als erfahren, mehrere Jahre arbeitete er beim Konkurrenten UBS.

Der Ökonom gilt als erfahren, mehrere Jahre arbeitete er beim Konkurrenten UBS.

Tamedia/Urs Jaudas
Dieses Arbeitsverhältnis könnte nun zu Problemen führen: Lehmann besitzt nämlich über 300’000 UBS-Aktien.

Dieses Arbeitsverhältnis könnte nun zu Problemen führen: Lehmann besitzt nämlich über 300’000 UBS-Aktien.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Nach dem Rücktritt von António Horta-Osório ist Axel Lehmann seit Montag Präsident der Credit Suisse.

  • Durch seine langjährige Arbeit als Manager bei der UBS befürchten Beobachter einen Interessenskonflikt.

  • Lehmann hält nicht nur etwas über 330’000 Aktien der UBS, 2019 nahm er bei der Bank auch einen Kredit über mehrere Millionen auf.

Seit letztem Sonntag bekleidet Axel Lehmann bei der Credit Suisse den Posten des Verwaltungsratspräsidenten. Zuvor musste António Horta-Osório auf Druck des Verwaltungsrates zurücktreten. Der Portugiese soll zweimal gegen die Quarantäneregeln verstossen und immer wieder private und berufliche Dinge vermischt haben. Mit der Wahl von Axel Lehmann soll es wieder ruhiger werden um die Credit Suisse. Der 63-Jährige gilt als erfahrener und angesehener Finanzfachmann, war lange Zeit bei der Zurich-Versicherung und der UBS tätig.

Kredit über 9 Millionen Franken

Doch genau seine Arbeit für die Bank in der Vergangenheit könnte für Lehmann nun zum Problem werden. Wie die «SonntagsZeitung» schreibt, hat der Ökonom während den zehn Jahren, in denen er für die UBS arbeitete, ein beachtliches Aktienpaket aufgebaut, ausserdem hat er noch ausstehende Bonusanteile. Des Weiteren hat Lehmann 2019 bei seinem damaligen Arbeitgeber einen Kredit über 9,14 Millionen Franken aufgenommen. Ob diese Summe in der Zwischenzeit bereits wieder zurückgezahlt wurde, ist unklar.

Diese Vermögenswerte stellen laut Vincent Kaufmann, dem Geschäftsführer des Stimmrechtsberaters Ethos, einen potentiellen Interessenskonflikt dar. «Die aufgeschobene Vergütung führt dazu, dass die UBS den Präsidenten des grössten Konkurrenten bezahlt. Das ist stossend», sagt Kaufmann. Als weniger problematisch erachtet er den Kredit von Lehmann. Da es sich dabei höchstwahrscheinlich um eine Hypothek handle, könne Lehmann dort wohl nicht so schnell aussteigen.

CS-Lehmann hält 300’000 UBS-Aktien

Laut dem UBS-Geschäftsbericht 2020 besass Lehmann 331’677 UBS-Aktien, eine Vergütung von 690’537 Aktien steht noch aus. Damit gehören dem CS-Präsidenten Aktien der Konkurrenz mit einem Gesamtwert von über 17 Millionen Franken, sofern er keine Aktien verkauft hat. Bei einem Wechsel zur Konkurrenz verfallen aufgeschobene Bonusanteile normalerweise. Da Lehmann die UBS Ende Juli 2021 auf eigenen Wunsch verliess und im Oktober in den Verwaltungsrat der Credit Suisse einzog, ist dies bei ihm nicht der Fall.

Die Situation weist Parallelen zum Ex-UBS-Chef Sergio Ermotti auf. Dieser verliess die Bank Ende Oktober 2020. Nachdem er bereits im April des selben Jahres Teil des Verwaltungsrates von Swiss Re wurde, übernahm er im Jahr darauf das Präsidium. Da bei beiden Wechseln aber kein direkter Übergang in die Geschäftsleitung der Konkurrenz erfolgte, dürfte wohl auch Lehmann seine ausstehenden Aktien noch erhalten.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

30 Kommentare