Thun-Allmendingen: Neuer Fix-Platz für Fahrende in Thun
Aktualisiert

Thun-AllmendingenNeuer Fix-Platz für Fahrende in Thun

Der saisonale Platz für Fahrende in Thun-Allmendingen wird in einen ganzjährig nutzbaren Standplatz umgewandelt. Der Kanton spricht einen Kredit von 435'000 Franken.

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tok/sda
Die Fahrenden erhalten in Thun-Allmendingen einen ganzjährigen Standplatz.

Die Fahrenden erhalten in Thun-Allmendingen einen ganzjährigen Standplatz.

Für die Sanierung des Durchgangsplatzes für Fahrende in Thun-Allmendingen ist nun das Geld vorhanden: Der bernische Regierungsrat hat dafür einen Kredit von 435'000 Franken genehmigt. Der Kanton Bern entnimmt die Hälfte dieses Betrags aus dem kantonalen Kulturförderungsfonds. Das Projekt sieht vor, den seit 1990 bestehenden Durchgangsplatz so anzupassen, dass die Fahrenden ihn künftig ganzjährig benutzen können. Der Platz wird nicht vergrössert und die Aufenthaltsdauer betrage in der Regel einen Monat, wie die Kantonsregierung am Dienstag mitteilte.

Eröffnung im April geplant

Obwohl das Geld nun vorhanden ist, wird die Stadt Thun nicht gleich mit den Bauarbeiten beginnen. Zuerst müsse das Vorhaben ein Baubewilligungsverfahren durchlaufen, erklärt der Thuner Sicherheits- und Sozialdirektor Peter Siegenthaler. Ziel sei, im kommenden Winter die Bauarbeiten auszuführen und den Platz im April zu eröffnen. Der Platz sei auch in letzter Zeit von Fahrenden benützt worden, befinde sich aber in einem maroden Zustand. Nun werden beispielsweise neue sanitäre Anlagen erstellt. Auch wird der Platz umzäunt und mit einem neuen Belag versehen.

Siegenthaler rechnet nicht mit Widerstand aus der Bevölkerung: Ausser mit einzelnen Ausländern habe es in Allmendingen keine Probleme mit den Fahrenden gegeben. Die Benutzer sind mehrheitlich Schweizer Fahrende.

«Kosten sind unverhältnismässig»

SVP-Grossrat Thomas Fuchs bemängelt aber die fehlende Einbindung der Bevökerung: «Ich bin sehr skeptisch, was die regionale regionale Abstützung des Projekts anbelangt. Es wurde über die Köpfe hinweg entschieden», sagt Fuchs. Auch die Kosten von fast einer halben Million Franken, welche der Kanton für die Instandstellung des Platzes berappen muss, findet Fuchs unverhältnismässig: «Mit diesem Geld baue ich ein Einfamilienhaus» findet er. Der Regierungsrat spricht im Gegensatz zu Fuchs von einer «Standartlösung ohne jeglichen Luxus».

Nach der Sanierung werden die Fahrenden für die Benützung des Platzes den gleichen Preis zahlen wie bisher. Sie wurden laut der Mitteilung des Regierungsrats in die Planung einbezogen.

Schutz von Minderheiten

Dass ein Teil der Kosten mit Geld aus dem Kulturförderungsfonds gedeckt werden kann, geht laut der Kantonsregierung auf das Rahmenabkommen des Europarats zum Schutz von nationalen Minderheiten und auf die Bundesverfassung zurück. Letztere verbietet die Diskriminierung von Minderheiten.

Im kantonalen Richtplan hat sich der Kanton Bern zur Planung zusätzlicher Stand-, Durchgangs- und Transitplätze in Zusammenarbeit mit den Gemeinden verpflichtet. Solche Plätze zu finden, ist aber schwierig, wie sich nach dem Protest von Schweizer Jenischen in Bern im Frühling dieses Jahres gezeigt hat.

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